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Nach Nato-Luftangriff : Pakistan boykottiert Afghanistankonferenz

Wut über die Nato: Proteste in Lahore Bild: Reuters

Aus Protest gegen den Nato-Luftangriff auf pakistanische Militärposten wird Pakistan der Bonner Konferenz fernbleiben. Ohne die Unterstützung des benachbarten Pakistans gilt es als sehr schwierig, Frieden und Stabilität in Afghanistan zu erreichen.

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          Nach dem tödlichen Nato-Angriff auf pakistanische Soldaten boykottiert die Regierung in Islamabad die internationale Afghanistankonferenz in Bonn. Das Kabinett habe beschlossen, nicht an dem Treffen am kommenden Montag teilzunehmen, sagte ein Vertreter der pakistanischen Regierung am Dienstag. 

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Ursprünglich wollte Außenministerin Hina Rabbani Khar die pakistanische Delegation in Bonn anführen. Dort will die Internationale Gemeinschaft über die Zukunft des Landes nach dem Abzug der Nato-Kampftruppen Ende 2014 beraten.

          Ein Fehlen Pakistans in Bonn würde die schwierigen Bemühungen, die Taliban zu Verhandlungen zu bewegen, weiter zurückwerfen. Ein Regierungssprecher in Kabul sagte am Montag, Präsident Karzai werde die Angelegenheit mit Islamabad besprechen.

          Michael Steiner, der als Afghanistan-Beauftragter der Bundesregierung das Bonner Treffen vorbereitet, nannte den Zwischenfall an der afghanisch-pakistanischen Grenze einen „Rückschlag“. Zwischen Pakistan und Afghanistan mit den westlichen Streitkräften bestehe ein „abgrundtiefes Misstrauen“, beklagte Steiner.

          Die pakistanische Armee verschärfte am Montag den Ton und sprach von der Möglichkeit „schwerwiegender Konsequenzen“, insbesondere für den Afghanistaneinsatz. Islamabad spricht von einem „unprovozierten Angriff“ auf pakistanisches Territorium, bei dem in der Nacht zu Samstag 24 Soldaten getötet und 13 verletzt wurden. Die Entschuldigung der Nato könne „nicht akzeptiert werden“, sagte Armeesprecher Abbas am Montag.

          Auch ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums äußerte sich „tief schockiert“ und forderte, Pakistans Souveränität und territoriale Integrität zu achten. Peking gehört zu den engsten Verbündeten Islamabads, hat sich aber bislang mit öffentlichen Äußerungen zu Streitigkeiten zwischen Pakistan und dem Westen zurückgehalten. Nun könnte der Vorfall neben dem amerikanischen Verhältnis zu Pakistan auch die Beziehungen zu China weiter belasten, die seit der Pazifikreise von Präsident Obama wieder besonders angespannt sind.

          Das pakistanische Verteidigungskomitee hatte am Wochenende schon die Nachschubrouten für den Einsatz der Internationalen Schutztruppe in Afghanistan (Isaf) blockieren lassen und Amerika aufgefordert, bis Mitte Dezember den Luftwaffenstützpunkt Shamsi in der pakistanischen Provinz Belutschistan zu räumen. Zudem sollen alle bisherigen Vereinbarungen mit den Vereinigten Staaten und der Isaf überprüft werden. Darstellungen aus Kabuler Sicherheitskreisen, die afghanischen und internationalen Soldaten seien von pakistanischem Boden aus beschossen worden und hätten sich verteidigt, wies die Armee in Islamabad zurück als „lächerliche Versuche, um Entschuldigungen zu finden“. Armeesprecher Abbas fragte: „Wo sind ihre Verluste?“ Die Nato sei frühzeitig von örtlichen Kommandeuren aufgefordert worden, die „brutalen und unverantwortlichen“ Luftangriffe zu stoppen.

          In Pakistan wurde am Montag im ganzen Land für ein Ende der Allianz mit den Vereinigten Staaten demonstriert. Bei den Protesten, die von Anwälten und Studentenfunktionären angeführt wurden, wurde auch die Forderung laut, den Krieg gegen die Terrororganisation Al Qaida zu beenden. Die Nationale Vereinigung der Öllieferanten setzte die Spritversorgung für Lastwagen auf dem Weg nach Afghanistan aus. Die Protestaktion gegen den Nato-Angriff werde erst überdacht, wenn Regierung und Militär offiziell eine Entschuldigung der Nato annehmen, berichtete die Zeitung „Dawn“.

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