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Nach Le Pens KZ-Vergleich : Der ewige Schatten des Vaters

Emanzipationsversuche von rechts: Marine Le Pen (rechts) mit ihrem Vater Bild: AFP

Erbitterter Richtungsstreit im Front National: Marine Le Pen will sich die Entgleisungen ihres Vaters nicht länger bieten lassen. Der sorgt mit einem KZ-Vergleich für Empörung - und greift die eigene Parteiführung an.

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          Zwei Wochen nach dem Europawahlerfolg mit knapp 25 Prozent der Stimmen will sich Marine Le Pen die Entgleisungen ihres Vaters nicht länger bieten lassen. Die 45 Jahre alte Vorsitzende des rechtsextremen Front National (FN) fürchtet um die Möglichkeit ihrer Partei, regierungsfähige Kraft zu werden. Ohne Rücksprache mit Jean-Marie Le Pen ließ sie einen Videomitschnitt von der Parteiwebseite entfernen, in dem sich der 85 Jahre alte Ehrenpräsident abfällig über Künstler wie den jüdischen Sänger Patrick Bruel, aber auch Yannick Noah und Madonna geäußert hatte. „Wissen Sie, da machen wir das nächste Mal eine Ofenladung“, sagte Le Pen in der Videoaufzeichnung.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Für seine schändlichen Wortspiele um die Verbrennungsöfen in den Nazi-Vernichtungslagern war FN-Parteigründer Le Pen bereits wiederholt verurteilt worden. 1988 hatte er den jüdischen Minister Michel Durafour mit dem Begriff „Durafour-Crématoire“ bezeichnet. „Four-crématoire“ bedeutet „Verbrennungsofen“. Die FN-Vorsitzende verurteilte dabei nicht unmissverständlich die antisemitische Äußerung ihres Vaters, sondern sprach von einer „böswilligen Interpretation“. Aufgrund seiner jahrelangen politischen Erfahrung hätte er jedoch damit rechnen müssen, so Marine Le Pen. Deshalb sei die Äußerung ein „politischer Fehler“.

          Der Lebensgefährte Le Pens, der stellvertretende FN-Vorsitzende Louis Aliot ging weniger schonend mit dem Ehrenpräsident um. Die Äußerung sei „töricht“, urteilte Aliot. Jean-Marie Le Pen konterte, nicht seine Äußerung, sondern seine Kritiker seien töricht. Der FN-Abgeordnete Gilbert Collard, der ein notorisch schlechtes Verhältnis zum Ehrenpräsidenten pflegt, forderte ihn auf, endlich in den Ruhestand zu gehen. Le Pens Äußerungen seien „inakzeptabel“. Auch der stellvertretende FN-Vorsitzende Florian Philippot empörte sich über die „brutalen und exzessiven Äußerungen“. Längst ist zwischen Parteigründer Jean-Marie Le Pen und Parteichefin Marine Le Pen ein erbitterter Richtungsstreit entbrannt.

          Vater Le Pen hielt der Führungsriege um seine Tochter am Montag vor, einem politisch korrekten „Einheitsdenken“ verfallen zu sein. „Sie sind es, die einen politischen Fehler begehen, nicht ich“, sagte Le Pen. Der Ehrenpräsident verteidigt eine nicht unbedeutende Gruppe von Parteikadern und Sympathisanten, die mit dem Kurs der „Entdiabolisierung“ des Front National nicht einverstanden sind. Sie fürchten, dass der FN sein Profil verliert.

          Marine Le Pen jedoch strebt an die Macht und will ihre Partei bündnisfähig machen. Im französischen Mehrheitswahlsystem haben nur jene Parteien Aussichten auf eine Regierungsmehrheit, die Wahlbündnisse schließen. Marine Le Pen weiß, dass sie mit der derzeitigen Isolierung nicht in der Lage sein wird, die Parlamentswahlen 2017 zu gewinnen. Sie will ihre Partei deshalb als „normale“ politische Kraft etablieren, die von der UMP nicht länger geschnitten wird. Genau diese Strategie konterkariert ihr Vater mit seinen antisemitischen Ausfällen. Schon kurz vor der Europawahl hatte Marine Le Pen sich über ihren Vater beschwert, der mit einer rassistischen Provokation aufgefallen war.

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