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Nach Klestils Tod : Österreich trauert

  • Aktualisiert am

Thomas Klestil Bild: dpa/dpaweb

Der österreichische Bundespräsident Thomas Klestil ist tot. Das Staatsoberhaupt starb am Dienstag abend nur wenige Stunden vor Ablauf seiner Amtszeit an den Folgen eines am Montag erlittenen Herzstillstands.

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          Österreichs Präsident Thomas Klestil ist tot. Zum Zeichen der Staatstrauer wurden am Mittwoch die Fahnen auf öffentlichen Gebäuden und Kasernen auf Halbmast gesetzt. Klestil war Dienstag nacht an den Folgen eines Herzversagens gestorben, das er am Montag erlitten hatte.

          Der 71jährige starb nur zwei Tage vor dem Ende seiner Amtszeit. Er hätte nach zwölf Jahren als Staatsoberhaupt am Donnerstag sein Amt an seinen im April gewählten Nachfolger Heinz Fischer übergeben sollen.

          Mediziner waren machtlos

          „Ganz Österreich trauert", sagte Fischer im Österreichischen Rundfunk . Klestils Lebensweg sei eindrucksvoll und von Pflichterfüllung geprägt gewesen, würdigte Fischer seinen Vorgänger. Österreich habe eine große Persönlichkeit verloren, sagte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP).

          Klestil sei im Kreis seiner Familie verstorben, sagte der Leiter seines Ärzteteams, Christoph Zielinski, in der Nacht zum Mittwoch. Um 23.33 Uhr hatten die Ärzte den Kampf um Klestils Überleben aufgeben müssen. Todesursache sei das Versagen mehrerer Organe nach einem Herzstillstand gewesen. „Wegen der vielen Organe, die betroffen waren, waren die medizinischen Möglichkeiten in diesem Fall begrenzt", sagte Zielinski.

          Horst Köhler: „Deutschland hat einen Freund verloren“

          Auch der deutsche Bundespräsident Horst Köhler erklärte am Mittwoch in Berlin, er habe mit großer Betroffenheit vom Tode Klestils erfahren. Als Bundespräsident habe sich Klestil in besonderer Weise um die deutsch-österreichischen Beziehungen und den europäischen Einigungsprozeß verdient gemacht, schrieb Köhler. „Er hat in den zwölf Jahren seiner Präsidentschaft das hohe Ansehen der Republik Österreich gemehrt.“ Deutschland habe „einen Freund verloren“.

          Bundeskanzler Gerhard Schröder sprach ebenfalls seine Bestürzung aus. „Die Republik Österreich hat einen Staatsmann, Deutschland einen Freund, Europa einen Brückenbauer verloren“, schrieb Schröder.

          Klestil war am Montag nach Herzversagen in die Klinik eingeliefert worden. Er hatte danach das Bewußtsein nicht wieder erlangt. Im Krankenhaus befand sich Klestil in einem künstlichen Tiefschlaf und wurde beatmet. Am Dienstag hatten Klestils Ärzte eine deutliche Verschlechterung der Funktion lebenswichtiger Organe festgestellt.

          Amt geht vorläufig auf die Parlamentspräsidenten über

          Klestil hatte 1996 eine schwere Lungenentzündung erlitten, von deren Folgen er sich nie mehr ganz erholte. Im Lauf des Dienstag abends hatten die Ärzte seine Überlebenschancen als nur noch gering eingestuft. „Wir können nur noch hoffen und beten", hatte ein Arzt gesagt.

          Das österreichische Parlament teilte mit, die Funktionen des Präsidenten seien nach dem Tod Klestils laut Verfassung vorläufig auf die drei Parlamentspräsidenten übergangen. Zuvor hatte Schüssel formal die Aufgaben des Präsidenten übernommen. Am Donnerstag soll der Sozialdemokrat Fischer als Staatsoberhaupt vereidigt werden. Das Amt gilt als Repräsentationsposten mit eingeschränktem Einfluß.

          Aus einfachen Verhältnissen zum höchsten Amt

          Klestil stammte aus einfachen Verhältnissen. Er studierte Wirtschaft und trat danach in den diplomatischen Dienst ein. Als Diplomat machte er vor allem in den Vereinigten Staaten Karriere.

          Er war Österreichs Botschafter in Washington, als der wegen seiner Kriegsvergangenheit umstrittene Kurt Waldheim zum Präsidenten gewählt wurde. Nach seiner Rückkehr nach Wien war Klestil im Außenministerium tätig, bis er 1992 als Kandidat der konservativen Volkspartei (ÖVP) zu Waldheims Nachfolger gewählt wurde.

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