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Nach Festnahmen in Köln : Polizei fahndet nach mutmaßlichen Terroristen

  • Aktualisiert am

Mit Fahndungsplakaten werden Reisende auf dem Flughafen Köln-Bonn auf gesuchte Islamisten aufmerksam gemacht Bild: dpa

Nach der Festnahme zweier Terrorverdächtiger am Flughafen Köln-Bonn sucht die Polizei weiter nach dem Islamisten Eric Breininger und seinem Komplizen Houssain al Malla. Unterdessen wurde bekannt, dass sich die Festgenommenen offenbar auf dem Weg in ein Terror-Trainingscamp in Pakistan befanden.

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          Nach der Festnahme zweier mutmaßlicher Terrorsympathisanten auf dem Flughafen Köln-Bonn sucht die Polizei weiter mit Nachdruck nach dem Konvertiten Eric Breininger und seinem Bekannten Houssain al Malla. Es wird befürchtet, die beiden könnten versuchen, einen Anschlag zu begehen. Breininger und Malla sollen einer islamistischen Terrororganisation angehören, möglicherweise der usbekischen IJU (Islamische Dschihad Union), die in Verbindung mit den mutmaßlichen Terroristen der „Sauerland-Gruppe“ steht.

          Seit längerem rechneten Sicherheitsbehörden damit, dass Breininger und Malla versuchen werden, im Ausland einen Terroranschlag zu verüben. Deswegen war im vergangenen Sommer im Einsatzgebiet der Bundeswehr in Afghanistan mit Fahndungsaufrufen nach ihnen gesucht worden.

          Festgenommene auf dem Weg nach Pakistan

          Die beiden Somalier Omar D. und Abdirazak D. waren am Freitagmorgen von der Bundespolizei aus einem Flugzeug herausgeholt und festgenommen worden. Die Festnahme verlief nach Angaben von Augenzeugen ruhig. Die beiden Männer seien in der Maschine angesprochen und dann herausgeführt worden.

          Die Maschine der niederländischen Gesellschaft KLM befand sich mit etwa 45 Passagieren und Besatzungsmitgliedern auf dem Weg nach Amsterdam. Von dort aus wollten Omar D., der auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, und Abdirazak D. möglicherweise über ein afrikanisches Land nach Pakistan reisen, um sich dort einer Terrorgruppe anzuschließen.

          Die Bundesanwaltschaft teilte mit, dass keine Verbindungen zur IJU zu erkennen seien. Die Festnahme sei unabhängig von der Fahndung nach Breininger und Malla erfolgt. Die beiden Männer waren von den Sicherheitsbehörden beobachtet worden. Bei ihren Sachen wurden Abschiedsbriefe gefunden, aus denen sich ergeben habe, dass sie zum bewaffneten Kampf aufbrechen wollten. Meldungen, Breininger und Malla seien, über Sarajevo kommend, bereits nach Deutschland eingereist, bezeichnete die Bundesanwaltschaft als spekulativ.

          Verwirrung über Reiseziel von Islamisten

          Für Verwirrung sorgten in diesem Zusammenhang Äußerungen des saarländischen Innenstaatssekretärs Gerhard Müllenbach (parteilos) über das mutmaßliche Reiseziel Breiningers und Al Mallas. Müllenbach sagte dem Saarländischen Rundfunk auf die Frage, ob der aus dem saarländischen Neunkirchen stammende Breininger auf dem Weg zurück in seine Heimat sein könnte: „Wir gehen davon aus, dass er den Kontakt zu seinen alten Personenbeziehungen sucht. Er braucht logistische Unterstützung, wenn er hier etwas vorhaben sollte.“

          Müllenbach sagte weiter, die saarländische Polizei habe vor etwa einer Woche den Hinweis bekommen, dass sich Breininger und Al Malla auf dem Balkan befänden und vermutlich nach Deutschland weiterreisen wollten. Eine Sprecherin des saarländischen Innenministeriums relativierte später die Aussagen Müllenbachs. Es gebe keine eigenen gesicherten Erkenntnisse, dass sich die beiden Terrorverdächtigen auf dem Weg ins Saarland befänden, sagte sie dieser Zeitung: „Man weiß es nicht. Das ist eine rein hypothetische Vermutung.“ Die saarländischen Sicherheitsbehörden hätten ihre Informationen über den möglichen Aufenthaltsort der beiden Verdächtigen in Bosnien-Herzegowina vom Bundeskriminalamt erhalten.

          Schäuble: Keine konkrete Anschlagsgefahr

          Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht derweil auch nach der Festnahme der beiden Männer auf dem Flughafen Köln/Bonn keine konkrete Anschlagsgefahr in Deutschland. „Es bleibt bei der Einschätzung, dass wir im Fadenkreuz des Terrorismus stehen“, sagte eine Ministeriumssprecherin am Freitag in Berlin. Es gebe aber derzeit „keinen konkreten Hinweis auf ganz konkrete Anschlagsvorbereitungen“.

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