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Wegen Entführung in Berlin : Vietnamese zu fast vier Jahren Haft verurteilt

Der angeklagte Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh (Mitte) wird von Polizisten zu einem Gericht gebracht. Bild: dpa

Vor einem Jahr wurde der vietnamesische Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh auf spektakuläre Weise entführt – jetzt hat das Kammergericht Berlin einen der Täter verurteilt. Die Richterin erinnert der Fall an einen „Krimi aus der Zeit des Kaltes Krieges“.

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          Im Fall des entführten vietnamesischen Geschäftsmannes Trinh Xuan Thanh hat das Kammergericht Berlin am Mittwoch einen der Täter zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Der Verurteilte Long N. H. wurde im Laufe des Prozesses der geheimdienstlichen Agententätigkeit für Vietnam und der Freiheitsberaubung in zwei Fällen überführt und hatte erst in der vergangenen Woche ein laut Gericht glaubhaftes Geständnis abgelegt, das sich strafmildernd auswirkte.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Vorsitzende Richterin sprach von einem „in der jüngeren Geschichte der Bundesrepublik beispiellosen Fall“, dessen Geschehen „an einen Krimi aus der Zeit des Kaltes Krieges“ erinnere. Es habe ein europaweites „spinnenartiges Netz von Tatbeteiligten“ gegeben, das ein „Entkommen“ für den in Vietnam aus politischen Gründen verfolgten Geschäftsmann Trinh und seine Partnerin „unmöglich machte“. Trinh befindet sich derzeit in einem vietnamesischen Gefängnis.

          Zugang zum inneren Zirkel der Geheimdienstmitarbeiter

          Bei dem Verurteilten Long N. H. handelte es sich laut dem Gericht weder um den „Ideengeber“ noch den „Organisator“ der Entführung, aber „auch nicht um eine Randfigur“. Long N. H. hatte verschiedene Tatfahrzeuge angemietet. Er war zudem beteiligt, die Spuren des Drahtziehers der Entführung, eines vietnamesischen Generals, zu verwischen. Insgesamt sei er damit an einer „erheblichen Verletzung der Souveränität Deutschlands“ beteiligt gewesen. Auch wenn er nicht zur „obersten Kommandoebene“ gehörte, habe er doch über Phasen zumindest Zugang zum inneren Zirkel der Geheimdienstmitarbeiter und Regierungsvertreter gehabt, die an der Entführung Trinhs beteiligt waren.

          In seiner Nachzeichnung der Tat betonte das Gericht, dass die in Vietnam „auf Ministerebene“ geplante Entführung erst dann ausgeführt wurde, als die Bundesrepublik eine freiwillige Auslieferung Trinhs abgelehnt hatte. Folglich handelte es sich laut Gericht um eine „bewusste“ Umgehung deutscher Gesetze. Das Gericht sah es auch als erwiesen an, dass Trinh von seinen Entführern nach Pressburg verbracht wurde und von dort seine Reise in Begleitung einer vietnamesischen Regierungsdelegation in einem von der slowakischen Regierung bereitgestellten Flugzeug nach Moskau fortsetzte.

          Die slowakische Regierung hatte bisher beteuert, Vietnam habe zugesichert, dass Trinh nicht über slowakischen Boden nach Hanoi gebracht worden sei. Deutschland und andere EU-Staaten hatten den Abschluss eines Freihandelsabkommens mit Vietnam unter den Vorbehalt einer Befreiung Trinhs gestellt.

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