https://www.faz.net/aktuell/politik/nach-der-wahl-muehsal-in-athen-11790503.html
 

Nach der Wahl : Mühsal in Athen

  • -Aktualisiert am

Die Aussichten auf die Bildung einer starken, handlungsfähigen Regierung, die Griechenland aus dem Tal der Tränen führt, sind so hell nicht. Die europäische Orientierung des Landes und seiner Führer wird sich erst jetzt wirklich zeigen.

          1 Min.

          Nach der Wahl vor sechs Wochen waren die Griechen mit ihrem Latein bald am Ende; sie konnten keine Regierung bilden, es kam zu Neuwahlen. Dieses Mal ist die Lage nicht viel weniger kompliziert, nimmt man die Äußerungen maßgeblicher Politiker einmal zum Nennwert: Der Führer der siegreichen Nea Dimokratia, Samaras, will eine Regierung der nationalen Einheit auf möglichst breiter Basis; der Kämpfer wider die internationalen Sparauflagen, Tsipras, dessen Radikale Linke kräftig hinzugewonnen hat, will keine Regierungsverantwortung tragen, sondern den Protest organisieren - im Parlament und vor dem Parlament.

          Bilderstrecke

          Und der frühere Finanzminister Venizelos, Anführer der weiter dezimierten Pasok, macht die Regierungsbeteiligung ebendieser Linksradikalen zur Bedingung seiner eigenen Mitwirkung. Die Aussichten auf die Bildung einer starken, geschlossenen, handlungsfähigen Regierung, welche Griechenland aus dem Tal der Tränen führt und dessen Transformation in Gang setzt, sind so hell nicht.

          Solidarität gegen Sanierung und Reform

          Überhaupt könnten manche Leute noch ihr blaues Wunder erleben, sollte der vermeintlich proeuropäische Konservative Samaras neuer Regierungschef werden. Er war schließlich derjenige, der während der Regierung Papandreou von Reformen wenig, von Sparen nichts wissen wollte. Dass sein Erfolg mit soviel Erleichterung aufgenommen wird, mutet fast komisch an. Er wird Nachverhandlungen wollen, und damit könnte nicht nur eine zeitliche Flexibilisierung gemeint sein, sondern auch Nachverhandeln in der Sache. Die internationalen Geber und die Europäer im Besonderen sollten für den Fall ihren Partnern in Athen noch einmal die Geschäftsbedingungen ihres Handels zur Kenntnis bringen: Solidarität gegen Sanierung und Reform. Da sollte es kein Missverständnis geben. Ohnehin ist schon viel zu viel Zeit verloren worden.

          Es wird sich also zeigen, ob der Ausgang der Wahl tatsächlich eine so unzweideutig gute Nachricht für den Euro und die Eurozone ist, wie die Bundeskanzlerin meint. An den Märkten ist die anfängliche Begeisterung jedenfalls schnell verflogen; die Sorgen über Spanien drängten die Entwicklung in Griechenland am Montag an den Rand. Auch das ist ein Urteil über eine „Schicksalswahl“ an Europas südöstlicher Peripherie. Die europäische Orientierung des Landes - und insbesondere die seiner Führer - wird sich erst jetzt wirklich zeigen.

          Weitere Themen

          Moskaus Angst vor den Ukrainern

          Nach Explosionen auf der Krim : Moskaus Angst vor den Ukrainern

          Die russischen Flugzeuge könnten nach dem Angriff auf der Krim zurückgezogen werden. Kiew äußert sich zurückhaltend. Ist das ein Mittel der Kriegspsychologie?

          Lambrecht zieht Konsequenzen

          FAZ Plus Artikel: Ende des Mali-Einsatzes : Lambrecht zieht Konsequenzen

          Die Schikanen der malischen Regierung gegen deutsche Bundeswehrsoldaten nehmen kein Ende. Nun setzt das Verteidigungsministerium den Einsatz in dem westafrikanischen Staat vorerst aus. Das ist auch ein Sieg für Moskau.

          Topmeldungen

          Satellitenbilder zeigen die Zerstörung nach einem Angriff auf den russischen Militärstützpunkt Saki auf der Krim

          Nach Explosionen auf der Krim : Moskaus Angst vor den Ukrainern

          Die russischen Flugzeuge könnten nach dem Angriff auf der Krim zurückgezogen werden. Kiew äußert sich zurückhaltend. Ist das ein Mittel der Kriegspsychologie?
          Land unter: Hochwasser im Dresdner Zwinger am 16. August 2002

          Sachsen-Hochwasser 2002 : Eine Flut, die alles verändert hat

          Vor 20 Jahren versank Sachsen in bisher nie dagewesenen Wassermassen. Seitdem hat das Land viel Geld und Aufwand in den Hochwasserschutz investiert. Doch der Ministerpräsident sagt: Einen hundertprozentigen Schutz könne es nicht geben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.