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Nach dem Tod Kim Jong-ils : Kim Jong-un ist in China jederzeit willkommen

Der Tod des nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong Il hat Sorgen vor einer Destabilisierung der Region geweckt. Bild: dapd

Nach dem Tod Kim Jong-ils sind Nordkoreas Nachbarländer Südkorea und Japan in großer Sorge. Sie fürchten eine Instabilität des Landes. China hingegen heißt Nordkoreas neuen Machthaber willkommen.

          Nach dem Tod Kim Jong-ils hat der chinesische Staatspräsident Hu Jintao bei einem Besuch der nordkoreanischen Botschaft in Peking dem Nachbarland sein Beileid ausgesprochen. Die Geste wird als wichtiges Zeichen der politischen Unterstützung Nordkoreas durch China gewertet.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Neben China sind auch die Nachbarländer Südkorea und Japan wegen der drohenden Instabilität Nordkoreas im Zuge der Machtübernahme durch den designierten Nachfolger Kim Jong-un beunruhigt. Südkorea hatte am Montag seine Streitkräfte in Alarmbereitschaft versetzt, nachdem der Tod des Diktators bekannt geworden war. Doch sprach die Regierung in Seoul den Menschen in Nordkorea ihr Mitgefühl aus und zeigte sich auf diese Weise dem Nachbarland gegenüber versöhnlich.

          Der nordkoreanische Diktator war schon am Samstag während einer Zugfahrt im Alter von 69 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA zeigte Aufnahmen des Leichnams in einem Glassarg. Der gläserne Sarkophag war von roten und weißen Blumen umgeben, der Leichnam bis über die Brust mit einer roten Flagge verhüllt. Sein designierter Nachfolger Kim Jong-un habe zusammen mit hohen Vertretern aus Militär und Partei im Kamsusan-Mausoleum eine feierliche Zeremonie abgehalten, berichtete KCNA. Neben der Totenbahre habe auch ein Kranz von Kim Jong-un gelegen.

          Laut der Agentur sollen am 28. Dezember eine Abschiedszeremonie und am 29. Dezember das Staatsbegräbnis mit einer dreiminütigen Schweigezeremonie begangen werden. Bis dahin gelte eine landesweite Trauerzeit. Delegationen aus dem Ausland werden nicht eingeladen. Südkoreas Vereinigungsminister Yu Woo-ik teilte mit, dass sein Land keine Vertreter schicken werde. Allerdings solle einigen Südkoreanern erlaubt werden, nach Nordkorea zu reisen, darunter der Familie des früheren südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jung.

          Himmel und Erde erschüttert

          Die nordkoreanische Presse verbreitete derweil weiter Bilder, die die Bevölkerung in extremer Trauer zeigten. „Die jammernden Stimmen des koreanischen Volkes erschütterten Himmel und Erde“, hieß es in einem Bericht. Die Agentur veröffentlichte mehrere Artikel, die den neuen Führer Kim Jong-un priesen. Damit sollten wohl Zweifel an seiner Legitimation als zukünftigem Herrscher Landes beseitigt werden. Kim Jong-un, der in der Schweiz zur Schule gegangen sein soll, soll noch nicht über die volle Unterstützung des Militärs und der Nomenklatura verfügen.

          Rückhalt für den neuen Machthaber kam aber aus Peking. China heiße den nordkoreanischen Führer jederzeit willkommen, sagte der Sprecher des Außenministeriums Liu Weimin. Die Äußerung könnte ein Hinweis darauf sein, dass Kim Jong-un schon bald nach China reisen könnte.

          Stammbaum: Nordkoreanische Herrscherdynastie Kim

          Die Volksrepublik China hat ein besonders großes Interesse an einem geordneten Machtwechsel in Pjöngjang. Sie befürchtet Instabilität an der Grenze und eine hohe Zahl verarmter Flüchtlinge, die nach einem Zusammenbruch des Regimes in den Nordosten Chinas strömen könnten. In einem Beileidsschreiben hatte die Pekinger Führung deshalb schon am Montagabend ihre Unterstützung für Kim Jong-un signalisiert. „Wir sind überzeugt, dass das koreanische Volk unter der Führerschaft von Kim Jong-un die Trauer überwinden und Stärke zeigen wird“, hieß es in dem Schreiben laut KCNA.

          Die Regierung in Peking hat sich zudem mit den Regierungen der Vereinigten Staaten und Südkoreas über die Lage in der Region abgestimmt. Der chinesische Außenminister Yang Jiechi habe Telefongespräche mit Außenministerin Clinton und seinem südkoreanischen Amtskollegen Kim Sung-hwan geführt, sagte der Sprecher des Außenministeriums in Peking. Sie seien übereingekommen, dass es wichtig sei, Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel zu erhalten. Der amerikanische Präsident Obama hatte schon am Montagabend mit dem japanischen Ministerpräsidenten Noda telefoniert. Dabei stellte er heraus, wie wichtig die Stabilität in der Region sei.

          Mit einer dreitägigen Staatstrauer hat Kubas Regierung auf die Nachricht reagiert. Die kubanischen Nationalflaggen vor öffentlichen und militärischen Gebäuden wehen zum Gedenken an den „Genossen Kim Jong-il“ auf Halbmast. Eine entsprechende Erklärung des Staatsrates wurde im staatlichen Fernsehen verlesen. Auch in Venezuela und Nicaragua drückten die Staatspräsidenten ihr tiefes Bedauern über den Tod Kim Jong-ils aus. Kuba und Nordkorea kooperieren unter anderem in den Bereichen Energie, Landwirtschaft und Biotechnologie. Seit 1960 gibt es diplomatische Beziehungen zwischen Havanna und Pjöngjang.

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