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Nach dem Terror : Neues Jahr, neue Betonblöcke

Polizisten zur Silvesternacht in Berlin Bild: dpa

Silvester in Berlin. Besuch in einer Stadt, die sich knapp zwei Wochen nach dem Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt um Normalität bemüht.

          Breitscheidplatz, nahe der Gedächtniskirche im Berliner Westen: Hier, wo vor noch nicht einmal zwei Wochen der mutmaßliche Attentäter Anis Amri einen Lkw in ahnungslose Weihnachtsmarktbesucher steuerte und so 12 Menschen tötete, erhellen unzählige Kerzen die Silvesternacht. Blumen liegen auf dem Boden, dazwischen einige Schilder mit Aufschriften der Anteilnahme: „Wir trauern mit den Deutschen“ oder einfach nur „Warum?“.

          Es ist still, obwohl hinter der Gedächtniskirche, stadteinwärts, die Raketen empor steigen, der Krach der detonierenden Böller in den Häuserschluchten hin und her geworfen wird, und sich die Luft langsam mit dem typischen Feuerwerkgeruch füllt. 0 Uhr. Silvester.

          Hinter den Buden des Breitscheidplatzes steigen Raketen in die Luft.

          Aber die Menschen sind weggerückt, weg vom Anschlagsort hin zu den wenigen Buden, die noch auf haben, zur Champignonpfanne wenige Meter weiter in Richtung Kirche etwa oder zur Kneipenbude, aus der der laute Hans Albers schallt – „auf der Reeperbahn, nachts um halb eins…“.

          „Es muss ja weitergehen“

          Marcus steht mit seiner Freundin und einem befreundeten Pärchen an einem nahegelegenen Getränkestand. Sie trinken Sekt, prosten sich zu, schießen ein paar Fotos. Marcus wohnt nicht weit von hier am Adenauerplatz, war am späten Abend eigens zum Breitscheidplatz gekommen, um die Gedenkkerzen zu fotografieren und „an die Opfer zu denken“, sagt er. Jetzt aber wolle er das Feuerwerk sehen. Weg von den Blumen und den Kerzen und den schlechten Gedanken sein.  „Wir wollen ja feiern“, sagt er, „es muss ja weitergehen.“

          So wie Marcus ticken viele Berliner am Silvesterabend. Irgendwie geht es weiter nach dem verheerenden Anschlag. Die Feste wurden nicht abgesagt, alles soll wieder so normal wie nur möglich ausschauen.

          Doch schon am Breitscheidplatz erinnern nun dicke Betonklötze an die Verwundbarkeit dieser Stadt mit ihren fast wöchentlichen Massenveranstaltungen. Die Betonklötze sollen nicht nur einen ähnlichen Anschlag mit einem Fahrzeug verhindern – sie sollen der Bevölkerung und den vielen Tausend Touristen, die an Silvester die Stadt bevölkern, das Gefühl von Sicherheit geben. Zurückgeben.

          Dabei ist der Breitscheidplatz an diesem Abend ohnehin nicht der Magnet für Feiernde. Deutschlands größte Silvesterparty findet auf der gut zwei Kilometer langen Partymeile zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor statt. Mehrere Hunderttausend Menschen feiern hier am Abend und der Nacht unter dem Motto „Willkommen 2017“, das Bühnenprogramm mit Musikern wie Jermaine Jackson und Ray Wilson wird live im ZDF übertragen. Um Mitternacht läuten am Brandenburger Tor rund 6000 Raketen das neue Jahr ein.

          Eine Herausforderung für die Polizei

          Für die Berliner Polizei ist das Spektakel eine besondere Herausforderung – das Gelände gleicht einer Hochsicherheitszone: An einigen Eingängen sind - wie am Breitscheidplatz - Betonklötze angebracht, zudem sichern Panzerwagen die Zufahrtswege. Rund 1700 Polizisten sind im Einsatz, teils schwerbewaffnet, dazu Hunderte Helfer und Sicherheitskräfte privater Dienstleister. Die Eingänge werden rigoros kontrolliert, was mitunter zu längeren Wartezeiten führt. Zwischenzeitlich schließen die Veranstalter Eingänge – das Gelände ist gut gefüllt. Die Besucher sehen es gelassen. 

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