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Nach dem Krieg : Auf der Suche nach dem irakischen Adenauer

Heimkehr: Ahmad Tschalabi (im blauen Hemd) in Nassirija Bild: AP

Die Amerikaner planen die Nachkriegsordnung und sind auf der Suche nach einer geeigneten Führungsperson für die irakische Übergangsregierung.

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          Dieser Tage wird in Washington über den deutschen Bundeskanzler mit großer Hochachtung gesprochen. Sein Name wird als leuchtendes Beispiel genannt, dem es nachzueifern gelte. Natürlich ist nicht von Gerhard Schröder die Rede, denn deutsche und kontinental-europäische Wortmeldungen zu jüngsten Entwicklungen in der Welt werden auf dem Radarschirm der - nach dem Sieg im Irak besonders muskulösen - amerikanischen Außen- und Sicherheitspolitik entweder gar nicht oder nur als winzige flüchtige Pünktchen abgebildet. Vielmehr geht es um Konrad Adenauer.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          James Schlesinger, einstiger Chef des Auslandsgeheimdienstes CIA und Verteidigungsminister unter den Präsidenten Richard Nixon und Gerald Ford, ist vielleicht der prominenteste Vertreter der Adenauer-Theorie. Diese besagt, daß der Irak der Zukunft eine historische Lichtgestalt wie den ersten deutschen Nachkriegskanzler braucht: Eine von der Zeit der Diktatur nicht kompromittierte und korrumpierte Figur, die wie das Volk daheim "überwintert", die Zerstörung und Ende der Gewaltherrschaft erlebt hat und aus dem Inneren heraus den Weg in die Zukunft weisen kann.

          Natürlich ist im Modell Adenauer kein Platz für die von den Europäern geforderte "fundamentale" Rolle der UN, sondern nur für eine "vitale" Rolle der Staatenorganisation, wie es Präsident George W. Bush auszudrücken pflegt. Damit ist gemeint, daß die für humanitäre Belange zuständigen Unterorganisationen der UN eine wichtige Aufgabe bei der Befriedigung der vitalen Bedürfnisse der irakischen Bevölkerung übernehmen sollen. Doch eine UN-Verwaltung wird es wohl nicht geben. Es ist kein Zufall, daß in der jüngsten Ausgabe der einflußreichen konservativen Wochenzeitung "The Weekly Standard", die von den politischen Strategen im Verteidigungsministerium und im Weißen Haus aufmerksam gelesen wird, in einem ausführlichen Artikel das Scheitern der UN-Übergangsverwaltung im Kosovo (Unmik) geschildert wird.

          Fast vier Jahre nach dem Ende der Feindseligkeiten und dem Einmarsch der von der Nato geführten Friedenstruppen ist die Stromversorgung noch immer schlechter und unzuverlässiger als zu den Zeiten des serbischen Diktators Slobodan Milosevic. Die immer wieder versprochene Privatisierung der einstigen Staatsbetriebe läßt noch immer auf sich warten. Das während der Jahre des serbischen Apartheidregimes erprobte parallele Schulsystem der albanischen Bevölkerungsmehrheit wurde von der Unmik-Bürokratie zuerst zerlegt und sollte hernach gemäß deren Vorstellungen wieder zusammengesetzt werden - mit dem Ergebnis, daß weder das alte noch das neue Bildungswesen funktioniert und die Lehrer streiken.

          Manches mag in der Darstellung übertrieben sein, weil der Unmik wegen der ungeklärten Status-Frage in vielem die Hände gebunden sind. Doch das selbst zu Zeiten der häufigen Stromausfälle hell erleuchtete, weil mit eigenen Dieselgeneratoren versorgte Unmik-Hauptquartier in Prishtina ist zum Symbol dafür geworden, daß eine riesige UN-Bürokratie einen beträchtlichen Teil der für den Wiederaufbau vorgesehenen Milliarden zur Aufrechterhaltung und Fortsetzung des eigenen Betriebs verschlingt. Kein neues "Unmikistan" für das irakische Volk - so lautet der Ruf führender kosovo-albanischer Intellektueller aus Prishtina nach Bagdad.

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