https://www.faz.net/-gpf-pls6

Nach Arafats Tod : Führungsämter neu besetzt - ein Trio folgt Arafat

  • Aktualisiert am

Diesem Neugeborenen gab eine Mutter im Gazastreifen den Namen „Jassir Arafat” Bild: REUTERS

Nach Tod Arafats ging alles ganz schnell: Rawhi Fatouh ist als Übergangspräsident vereidigt worden, Mahmud Abbas wird PLO-Chef, Faruk Qadumi führt die Fatah. Die Hamas hat unterdessen neuen Terror angekündigt, Israel macht die Grenzen dicht.

          3 Min.

          Nach dem Tod von Palästinenserpräsident Jassir Arafat hat die israelische Armee das Westjordanland aus Sorge vor Anschlägen vollständig abgeriegelt. Das meldete der israelische Militärrundfunk am Donnerstag morgen. Auch Palästinenser mit gültiger Arbeitserlaubnis dürfen damit nicht mehr nach Israel einreisen. Der Gazastreifen wurde nicht weiter abgeriegelt, da das Gebiet ohnehin ständig isoliert ist. Arafat war am frühen Donnerstag morgen im Krankenhaus in Paris gestorben.

          Zuvor hatte die radikale Palästinenser-Organisation Hamas verkündet, sie werde den Dschihad (Heiligen Krieg) gegen den „zionistischen Feind“ Israel fortsetzen. „Der Verlust des großen Anführers wird unsere Entschlossenheit und Standfestigkeit erhöhen, den Dschihad und den Widerstand gegen den zionistischen Feind bis zum Sieg und zur Befreiung fortzusetzen“, erklärte die Organisation, die die Vernichtung Israels anstrebt.

          Trauerfeier in Kairo, Beisetzung in Ramallah

          Ein Sprecher des Percy-Miltärkrankenhauses in Clamart bei Paris, wo Arafat bis zuletzt behandelt wurde, teilte am Donnerstag morgen mit, Arafat sei in der Nacht um 3:30 Uhr auf der Intensivstation gestorben. Der Palästinenserpräsident wurde 75 Jahre alt.

          Bild: dpa

          Noch am Donnerstag soll sein Leichnam nach Kairo überführt werden, wo für Freitag die Trauerfeierlichkeiten geplant sind. Nach am selben Tag soll Arafat auf dem Gelände seines Hauptquartiers in Ramallah beigesetzt werden. Das teilte der palästinensische Außenminiter Nabil Schaath mit. Zuvor war zunächst der Samstag als Tag der Beerdigung genannt worden.

          Fattuh wird Übergangspräsident

          Bereits wenige Stunden nach Arafats Ableben ist der palästinensische Parlamentspräsident Rauhi Fattuh am Donnerstag morgen als Übergangspräsident vereidigt worden. Die Zeremonie wurde auf einer Sondersitzung des Parlaments in Ramallah vollzogen. Auf Fattuh kommt als Hauptaufgabe zu, Wahlen in den Palästinenser-Gebieten binnen 60 Tagen zu organisieren.

          Zuvor war bereits Arafats langjähriger Kampfgefährte Faruk Kaddumi zum Chef der Fatah-Bewegung nominiert worden, wie am Donnerstag aus Palästinenser-Kreisen verlautete. Kaddumi hatte die letzten Friedensvereinbarungen mit Israel abgelehnt und gilt als wenig kompromissbereit.

          Die Fatah ist die größte und einflußreichste Gruppe innerhalb der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), an deren Spitze kurz zuvor der frühere Ministerpräsident Mahmud Abbas gewählt worden war. Dieser befürwortet im Prinzip eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche mit Israel.

          Abbas neuer PLO-Chef

          Abbas übernimmt nun die Führung der PLO. Das Exekutivkomitee der PLO hat den ehemaligen Ministerpräsidenten noch am Donnerstag morgen zu ihrem neuen Vorsitzenden ernannt.

          Anhänger Arafats machten sich am frühen Donnerstag zu dessen Hauptquartier in Ramallah, der „Muqata“ auf. Ihre Autos waren mit schwarzen Fahnen bestückt. In den Radiosendern wurde aus dem Koran gelesen. Die Palästinenserführung rief 40 Tage Trauer aus.

          Arafat war am 29. Oktober von Ramallah im Westjordanland nach Frankreich geflogen worden, nachdem sich sein Gesundheitszustand dramatisch verschlechtert hatte. Vor einer Woche fiel er ins Koma. Immer wieder gab es Gerüchte über einen Hirntod. Zuletzt war von Leber- und Nierenversagen sowie einem schweren Hirnschaden die Rede.

          Beisetzung in Ramallah ein Kompromiß

          Arafats Tod wurde am frühen Donnerstag morgen zunächst in Ramallah von Kabinettsminister Sajeb Erakat bekanntgegeben. Wenige Minuten später bestätigte Arafats Neffe Nasser al Kidwa in Clamart die Angaben, kurz darauf auch ein Sprecher des Krankenhauses.

          Nach einer offiziellen Trauerfeier in Ägypten soll Arafat auf dem Gelände seines Amtssitzes in Ramallah, der Muqata, beigesetzt werden. Israel stimmte am Mittwoch einer entsprechenden Bitte der Palästinenser zu. Eine Bestattung in Ramallah gilt als Kompromiß, nachdem die israelische Regierung Jerusalem als letzte Ruhestätte des palästinensischen Präsidenten kategorisch abgelehnt hatte.

          Am Mittwoch fuhren mehrere Bulldozer an der Muqata auf und entfernten Schutt und Schrott. Die ägyptische Regierung stellte sich unterdessen auf die Ausrichtung der Trauerfeier ein. Um ausländischen Gästen die Teilnahme zu erleichtern, soll die Zeremonie in Kairo stattfinden, wo auch der Leichnam aufgebahrt werden soll.

          Hamas-Führer wirft Israel Vergiftung Arafats vor

          Ein ranghohes Mitglied der radikalislamischen Hamas-Bewegung hat Israel vorgeworfen, den palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat vergiftet zu haben. „Ich mache Israel für das Verbrechen des Mordes an Abu Ammar verantwortlich“, sagte Chaled Maschaal am Donnerstag morgen dem arabischen Fernsehsender Al Dschazira und benutzte dabei den Namen Arafats aus der Zeit des Guerillakampfes (Abu Ammar). Die Umstände, die zum Tod Arafats in Clamart bei Paris geführt hätten, wiesen darauf hin, so Maschaal weiter, daß dies nicht mit rechten Dingen zugegangen sei.

          Maschaal hob hervor, daß israelische Agenten in Jordanien 1997 versucht hätten, auch ihn zu vergiften. Er habe nur überlebt, weil Israel auf Druck des damaligen jordanischen Königs Hussein schließlich das Gegenmittel zur Verfügung gestellt habe. Im Falle Arafats sei Israel sicherlich so geschickt vorgegangen, daß die Mediziner die wahre Todesursache vielleicht niemals feststellen könnten, sagte Maschaal. Gerüchte über eine mögliche Vergiftung Arafats haben unter den Palästinensern seit Beginn seiner schweren Erkrankung vor einigen Wochen die Runde gemacht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Im Streit mit der EU: Vor dem polnischen Verfassungsgericht am 22. September

          Polens Streit mit der EU : Aus politischen Gründen vertagt?

          Zum vierten Mal hat das polnische Verfassungsgericht die Entscheidung darüber aufgeschoben, ob nationales über EU-Recht steht. Dahinter stecke Kalkül, heißt es aus Brüssel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.