https://www.faz.net/-gpf-941mf

Krise in Syrien : Moskaus Verantwortung

Russlands Präsident Putin traf sich am Montag mit Syriens Staatschef Assad. Bild: Reuters

Die Zukunft Syriens liegt in den Händen von Russland, Iran und der Türkei. Doch der von den drei Ländern initiierte politische Prozess wird nicht so leicht wie die Siege auf dem Schlachtfeld. Ein Kommentar.

          Drei Ereignisse ziehen in diesen Tagen einen vorläufigen Schlussstrich unter sechseinhalb Jahre Krieg in Syrien: Erst empfing der russische Präsident Putin den syrischen Machthaber Assad, der dank der russischen Militärintervention weiter im Amt ist. In Riad trat zur gleichen Zeit bei einem Treffen der syrischen Opposition deren Vorsitzender zurück, und in Sotschi beraten die Präsidenten Russlands, Irans und der Türkei über einen politischen Übergangsprozess. Die Länder, die den Krieg in Syrien internationalisiert hatten, „verpflichten“ sich nun auch als Garantiemächte: Die Zukunft Syriens liegt in ihren Händen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Als Putin im September 2015 russische Soldaten nach Syrien schickte, hatten ihm viele ein „russisches Vietnam“ vorausgesagt. So ist es nicht gekommen, im Gegenteil. Russland ist heute in Syrien der einflussreichste Akteur und baut seine Macht weiter aus. Es stützt sich nicht mehr allein auf Iran und schiitische Milizen, sondern hat für seine Allianz auch die sunnitische Türkei gewonnen, und selbst Saudi-Arabien, das lange die Rebellen unterstützt hatte, ist in den vergangenen Monaten auf Russland zugegangen. Nach dem (vorläufigen) militärischen Sieg über den IS bleibt von dem ohnehin geringen Interesse Amerikas an Syrien nicht viel übrig. Washington scheint sich mit der führenden Rolle Russlands in Syrien (und vielleicht sogar im Nahen Osten) abzufinden.

          Moskau trägt die Verantwortung

          Damit trägt Moskau die Verantwortung für den politischen Prozess. Der wird nicht so leicht sein wie die Siege auf dem Schlachtfeld. Denn Assad fühlt sich als Sieger, obwohl es in diesem Krieg nur Verlierer gibt; er geht nicht auf seine Gegner zu. Dabei kann nach dem Tod einer halben Million Menschen und der Vertreibung von Millionen Syrern nur eine große Versöhnung die Wunden heilen. Zudem finden sich viele Syrer, auch Nachbarstaaten, nicht damit ab, dass sich iranisches Militär dauerhaft in Syrien festsetzt und das Land verändert.

          Die Gesellschaft ist unverändert gespalten, das Land ist es auch. Denn das Regime kontrolliert nur eine Hälfte Syriens, nicht aber die kurdischen Gebiete, in denen sich das Öl, Gas und Wasser Syriens konzentrieren. Ohne diese Ressourcen ist Syrien nicht lebensfähig. Die von Amerika unterstützten Kurden wollen sich nur einem föderalen Syrien anschließen, wozu das Regime nicht bereit ist. Es gibt also genügend Gründe, warum der Konflikt nicht zu Ende ist, sondern nur in ein neues Stadium tritt.

          Weitere Themen

          Tausende demonstrieren in Hongkong

          Trotz Verbots : Tausende demonstrieren in Hongkong

          In der Nähe des Regierungssitzes in Hongkong zogen die Demonstranten vorbei. Am Vortag war es zu Auseinandersetzungen zwischen Protestlern und China-freundlichen Demonstranten gekommen.

          Frank Magnitz legt Parteivorsitz nieder

          Bremer AfD : Frank Magnitz legt Parteivorsitz nieder

          Der bisherige AfD-Vorsitzende von Bremen hat angekündigt, auf dem Parteitag am Sonntag nicht wieder für sein Amt zu kandidieren. Er wolle der Veranstaltung nicht durch seine Teilnahme Legitimität verleihen, teilte er mit.

          Topmeldungen

          Die Ruhe vor der Messe: Ola Källenius im provisorischen Daimler-Hauptquartier auf der IAA

          Erste IAA für den Daimler-Chef : Ola im Härtetest

          „Wir müssen die Effizienz dramatisch erhöhen“, sagt Ola Källenius und schwört die Belegschaft auf harte Zeiten ein. Die Aktionäre als Eigentümer sollen zugleich höchste Priorität haben. Seine erste IAA als Daimler-Chef hat es in sich.
          Erkennt Widersprüche und artikuliert sie auch: Snowdens Buch ist keine rührselige Beichte.

          Snowdens „Permanent Record“ : Die Erschaffung eines Monsters

          Nicht die Rebellion, die Regierungstreue steht am Anfang dieser Biographie: Edward Snowden erzählt glänzend, wie er erwachsen wurde, während die digitale Welt ihre Unschuld verlor.
          Hält von der Kritik ter Stegens wenig: Manuel Neuer

          Nach ter-Stegen-Aussagen : Neuer not amused

          „Auch wir Torhüter müssen zusammenhalten“: Manuel Neuer hat sich kritisch gegenüber Marc-André ter Stegen geäußert. Der Nationalmannschaftskollege vom FC Barcelona hatte sich zuvor frustriert über seine Ersatzrolle gezeigt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.