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Moschee in Duisburg : Ganz ohne Protest

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Neue Moschee in Duisburg: 1200 Menschen können hier beten, 800 Männer unten, 400 Frauen auf dem Balkon Bild: ddp

In Duisburg herrscht an diesem Sonntag Ausnahmezustand: Nach mehr als dreieinhalb Jahren Bauzeit wird Deutschlands größte Moschee eingeweiht. Bisher gab es keinen lautstarken Protest gegen den Bau wie etwa in Köln.

          In Duisburg-Marxloh, im vernachlässigten Duisburger Norden, herrscht an diesem Sonntag Ausnahmezustand. Nach mehr als dreieinhalb Jahren Bauzeit wird Deutschlands größte Moschee eingeweiht. Zwölfhundert Menschen können hier beten, 800 Männer unten, 400 Frauen auf dem Balkon. Pracht- und machtvoll sind die Kuppeln, üppig ist ihre Dekoration. Das Minarett ragt 34 Meter in den Himmel.

          Die Polizei rechnet damit, dass etwa zehntausend Besucher in den Stadtteil strömen werden, der sonst 18.000 Einwohner zählt. „Die Welt schaut auf Duisburg“, mag manch einer begeistert rufen. Auch wenn es nicht die ganze Welt ist - es kommen immerhin der Ministerpräsident des Landes, Jürgen Rüttgers, Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland, Präses Nikolaus Schneider von der Evangelischen Kirche im Rheinland und Bischof Felix Genn aus Essen. Und aus der Türkei kommt der Präsident des Amtes für religiöse Angelegenheiten, Ali Bardakoglu. Es wird ein großes Fest.

          Die Moschee sollte zur Begegnungsstätte der Religionen werden

          Bardakoglu könnte dem Fest noch die Krone aufsetzen, wenn er die Botschaft mitbrächte, dass fortan auch in der Türkei christliche Kirchen gebaut werden dürfen. Bardakoglu sei aber nicht befugt zu solcherlei Zusagen, heißt es schon im Vorhinein. Aber er steht den Verantwortlichen in der Regierung nahe genug, um als Mittler zu fungieren. Deshalb gibt es solche Hoffnungen, die auch laut geäußert werden.

          Die Eröffnung der Zentralmoschee in Duisburg-Marxloh wäre ein guter Anlass dafür, denn ihr Bau hat viel ideelle und materielle Unterstützung bekommen. Als vor etwa vier Jahren die Idee aufkam, die provisorische Moschee in der früheren Zechenkantine durch ein prächtiges Gebetshaus zu ersetzen, wussten selbst die 500 Mitglieder der Ditib-Moscheegemeinde nicht, ob sie ein solch großes Projekt wagen sollten. Sehr schnell kam die Überlegung hinzu, nicht nur ein Haus für die Muslime zu errichten, die etwa ein Drittel der Marxloher Bevölkerung ausmachen. Die Moschee sollte zur Begegnungsstätte der Religionen werden. Ein Beirat wurde gegründet, dem Vertreter der christlichen Kirchen, der Parteien und der gesellschaftlichen Gruppen im Stadtteil angehören. Die Stadt Duisburg engagierte sich, EU-Mittel in Höhe von 3,2 Millionen Euro wurden mobilisiert. Zusammen wurde das Bauprogramm entwickelt, zusammen wurden die Einwände und Bedenken erörtert, was beispielsweise dazu führte, auf den Muezzin-Ruf zu verzichten. Da sei es so manches Mal hin und her gegangen, wird berichtet.

          Kristallisationspunkt der Stadtteilentwicklung

          Das alles gilt als Grund dafür, dass es in Duisburg keinen lautstarken Protest gegen den Bau gab wie etwa in Köln. Die Moschee mauserte sich gar zum Kristallisationspunkt der Stadtteilentwicklung. Die Grundstückspreise stiegen, in viele leerstehende Geschäfte zogen Ausstatter für türkische Hochzeiten und festliche Kleidung ein. Die Kunden kommen aus halb Europa. Die Moscheegemeinde ist auf 750 Mitglieder gewachsen.

          Ungezählte Male wurde über die neue Moschee gesprochen. Auf Begegnungsfesten etwa. Und es waren die Politiker, die Pastoren der evangelischen und katholischen Gemeinden, die städtischen Mitarbeiter, die um Verständnis warben. Das ist bis heute nicht leicht; denn die Marxloher sehen zum Beispiel, dass ihre Kirche St. Paul geschlossen ist und verfällt. Der Neubau, auf den die Muslime so stolz sind, scheint für manchen Alteingesessenen die Welt auf den Kopf zu stellen. Und es wird eine Weile dauern, bis die Moschee für alle selbstverständlich ist.

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