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Mordfall Nemzow : Dritter Verdächtiger festgenommen

  • Aktualisiert am

Bild: Reuters

Die russische Polizei hat nach dem Mord an Kremlkritiker Boris Nemzow einen dritten Verdächtigen im Nordkaukasus gefasst. Doch Oppositionspolitiker zweifeln an den Ermittlungsergebnissen.

          2 Min.

          Bei den Ermittlungen zum Mord am Kremlkritiker Boris Nemzow ist nach Angaben der Behörden der Nordkaukasusrepublik Inguschetien ein weiterer Verdächtiger festgenommen worden. Damit stieg die Zahl der Festnahmen auf drei. Zwei der Verdächtigen seien die Brüder Ansor und Schagid G., teilte Albert Barachajew vom Sicherheitsrat in der Republikhauptstadt Magas am Samstag mit. Sie hätten länger in Moskau gelebt. Der dritte Verdächtige, Saur D., sei einige Zeit in Tschetschenien gewesen, meldete die Agentur Interfax.

          Aus Ermittlerkreisen verlautete, das mutmaßlich bei der Tat genutzte Fluchtauto sei recht schnell gefunden worden. Spuren in dem Fahrzeug hätten bei der Suche nach den Verdächtigen geholfen. Zudem hätten die Ermittler aus dem Bildmaterial der Überwachungskameras in der Nähe des Tatorts scharfe Fotos filtern können. Dennoch sei es zu früh, von einem Durchbruch in dem Mordfall zu sprechen, hieß es.

          Der 55 Jahre alte frühere stellvertretende Ministerpräsident Nemzow war in der Nacht zum Samstag vergangener Woche in Sichtweite des Kreml im Zentrum Moskaus erschossen worden. Nemzows 23 Jahre alte Begleiterin Anna Durizkaja blieb unverletzt. Die Hauptzeugin, eine Ukrainerin, durfte Russland nach intensiver Befragung der Ermittler verlassen. Der Mord löste weltweit Bestürzung aus.

          Nemzow war ein scharfer Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putins und ein Gegner der russischen Unterstützung für die Separatisten im Osten der Ukraine gewesen. Putin hatte nach dem Mord eine Aufklärung des Verbrechens angekündigt, für Hinweise auf die Täter wurde eine Belohnung in Höhe von umgerechnet 43.000 Euro ausgesetzt.

          Opposition fordert: Auch die Hintermänner finden

          Die russischen Behörden gehen von einem politisch motivierten Auftragsmord aus und verfolgen unterschiedliche Spuren, unter anderen solche in nationalistische oder extremistische Kreise. Putin-Kritiker vermuten die Verantwortlichen indes im Umfeld des Kreml.

          So reagierten denn auch Wegbegleiter Nemzows am Samstag zurückhaltend auf die Nachricht von den drei Festnahmen. „Wir hoffen, dass Menschen festgenommen wurden, die tatsächlich etwas mit dem Mord zu tun haben, und dass dies kein Fehler ist, sondern das Ergebnis einer guten und qualitativen Arbeit der Sicherheitsorgane“, sagte der Oppositionspolitiker Ilja Jaschin. Sollte der Schütze unter den Verdächtigen sein, müssten aber auch die Hintermänner gefunden werden.

          Der Mord reiht sich ein in eine Vielzahl ähnlicher Taten gegen russische Oppositionelle. In den vergangenen Jahren waren etwa die Menschenrechtsaktivistin Natalja Estemirowa oder die Journalistin Anna Politkowskaja getötet worden.

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