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Mordanschlag : Rote Brigaden - Bekennerschreiben im Internet

  • Aktualisiert am

Nein zum Terror - Protest gegen die Ermordung Biagis in Bologna Bild: AP

Der ermordete Biagi habe zur „Ausbeutung“ der Arbeiter beigetragen, so der Vorwurf der Terroristen. Italienische Ermittler halten das Schreiben für „glaubwürdig“.

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          Zwei Tage nach der Ermordung des italienischen Regierungsberaters Marco Biagi ist am Donnerstag im Internet ein ausführliches Bekennerschreiben eines Ablegers der Untergrundorganisation Rote Brigaden aufgetaucht.

          Auf einer Internet-Site hieß es am Donnerstag, Marco Biagi sei von einer „bewaffneten Zelle“ der „Roten Brigaden für den Aufbau der Kämpfenden Kommunistischen Partei“ hingerichtet
          worden. Biagi habe sich mit den Plänen zur Reform des
          Arbeitsrechts an der Ausbeutung der Arbeiter beteiligt, hieß es
          in dem 26 Seiten langen Traktat, das auf der Internet-Site
          www.caserta24ore.it veröffentlicht wurde.



          Die Ermittler in Bologna schätzen das Schreiben als „glaubwürdig“ ein. Die Länge und der Inhalt des Kommuniqués scheinen die Authentizität zu beweisen, sagte ein Ermittler.

          Innenminister Claudio Scajola hatte bereits am Vortag mitgeteilt, der Wissenschaftler Biagi sei am Dienstag in Bologna mit derselben Waffe getötet worden wie der Berater Massimo
          D'Antona im Jahr 1999. Damit bestätige sich ein Anruf der Roten
          Brigaden als echt. Auch beim Anschlag auf D'Antona, einem
          Berater des Arbeitsministeriums der damaligen
          Mitte-Links-Regierung, hatten sich die Roten Brigaden zu der Tat bekannt. Bis dahin waren die italienischen Sicherheitskräfte
          davon ausgegangen, dass die Gruppe zerschlagen sei. Sie war in den 70er und 80er Jahren aktiv und ist für zahlreiche Anschläge auf Politiker und Industrielle verantwortlich. Ihre brutalste Tat war 1978 die Entführung und Ermordung von Ministerpräsident Aldo Moro.




          Biagi war am Dienstagabend vor seinem Haus im Zentrum von Bologna erschossen worden. Wenige Meter vom Tatort entfernt entdeckten Ermittler einen fünfzackigen Stern mit Kreis, das Symbol der Roten Brigaden.

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          Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der die Erschießung Marco Biagis einen Akt des politischen Terrorismus nannte, würdigte den Berater der Regierung als „Mann des Dialogs". Er lade deshalb Gewerkschafts-und Unternehmervertreter zu neuen Verhandlungen ein. Die größte Gewerkschaft des Landes bezeichnete die Tat als „Akt der Barbarei". Biagis Pläne wurden insbesondere von den Arbeitnehmervertretungen kritisiert, da dabei der Kündigungsschutz gelockert werden soll.

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