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Am Ebertplatz in Köln : Mörderische Nächte

Nachts an einer Unterführung am Kölner Ebertplatz in Köln. Bild: Lucas Bäuml

Auf dem Ebertplatz in Köln gab es wieder einen Toten. Und wieder ging es dabei um Geschäfte mit Rauschgift. Zu Besuch an einem Ort, der eine Stadt aufwühlt.

          5 Min.

          Das Problem sind die Drogendealer. Samuel Obode kann sie sehen, wenn er aus dem Fenster seiner Bar blickt. Er beobachtet, wie sie warten, wie sie mit ihren Kunden sprechen und wie sie die Drogen aus den Verstecken holen. Jeden Tag und jede Nacht ist das so. „2015 ging es richtig los“, sagt er. „Seitdem gibt es jeden Tag Stress.“ Ruft er die Polizei, weil er die Verstecke kennt, kommen die Beamten meist zu spät und die Drogen sind längst wieder woanders. Ein quälendes Katz-und-Maus-Spiel. Manchmal, sagt Obode, kämen die Dealer auch zu seiner Bar und er müsse sie vertreiben. „Ich wurde beleidigt, geschubst und angegriffen. Viele Male schon“, sagt er. Fensterscheiben wurden zerstört, die Tür eingetreten. Obode hat deshalb nun einen Türsteher draußen stehen.

          Philip Eppelsheim

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Draußen: Das ist die unterirdische Passage am Kölner Ebertplatz. Der Platz hat gerade Schlagzeilen gemacht, weil es einen Mord gab, wieder einmal. Im Streit um Drogen soll ein Somalier einem Landsmann in den Hals gestochen haben. Er verblutete. Danach war von Angstraum, No-Go-Area und Brennpunkt die Rede. Auch wieder einmal. Denn all das hatte es schon vor zwei Jahren gegeben. Damals, im Oktober 2017, kam es ebenfalls zu einem tödlichen Streit wegen Drogen, stach ein Afrikaner einen anderen ab. Der Grund waren Revierstreitigkeiten: Westafrikaner und Nordafrikaner waren aufeinander losgegangen. Zwischen den beiden Morden gab die Stadt sich viel Mühe, den Ebertplatz, eine von Straßen umgebene Betoninsel mit unterirdischen Passagen, schöner zu machen. Seit der Brunnen wieder sprudelt, spielen hier Kinder. Auch ein Café gibt es, viele Kölner verbringen auf dem Platz ihre freien Stunden. So galt der Ebertplatz vor dem zweiten Mord als gutes Beispiel: vom Brenn- zum Anziehungspunkt.

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