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Mohammed-Karikaturen : Was heilig ist

Will eine pluralistische Gesellschaft den öffentlichen Frieden bewahren, kommt der Staat nicht daran vorbei, die Werte, die Muslimen heilig sind, zu schützen. Identifizieren muss er sich mit ihnen nicht.

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          Auch gegenüber dem Satiremagazin „Charlie Hebdo“ handelt Papst Franziskus nach seiner Maxime: den Schmerz des anderen verstehen. Auf dem Weg nach Manila hat sich das Oberhaupt der katholischen Kirche nicht dem fast europaweiten Chor „Je suis Charlie“ angeschlossen. Er verurteilte den Terroranschlag von Paris zwar scharf, er kritisierte aber auch die Karikaturen als eine Beleidigung religiöser Gefühle. Papst Franziskus erinnerte dabei an eine Grundweisheit im Umgang der Menschen untereinander: Wer beleidigt, was anderen heilig ist, wer also bewusst und geschmacklos provoziert, der muss eben mit entsprechenden Reaktionen rechnen. Daher habe er Verständnis für den Zorn der Muslime. So wie der mit seiner Faust rechnen müsse, der seine Mutter beleidige. Das war ein sehr direkter Papst, wie er früher in den Favelas Südamerikas gepredigt hat.

          Franziskus erinnert an einen trivialen Zusammenhang: Der Staat sichert zwar Freiheiten, er kann den verantwortlichen Umgang mit ihnen aber nicht sanktionierend einfordern. Es liegt daher an den Menschen, mit diesen Freiheiten verantwortlich umzugehen und Respekt voreinander zu zeigen. Man muss die Gefühle der anderen ja nicht teilen, sollte sie aber respektieren. Daher ergeben sich Selbstbeschränkungen und Grenzen - so wie ja auch nicht alles erlaubt ist, was technisch möglich ist. Die Gläubigen, gleich welcher Religion, sind freilich ungleich leichter angreifbar und ein Objekt der Satire als Atheisten, denen nichts mehr heilig ist und die Verletzungen bestenfalls dann empfinden, wenn die Massentierhaltung gegen ihre Ideale verstößt.

          Je mehr in Westeuropa die Kirchen an Bedeutung verloren haben, desto irrelevanter wurde das Delikt der Beschimpfung der Religion. Das verändert sich wieder, weil die Muslime darauf bestehen, die Ehre Allahs und ihres Propheten zu schützen. Will eine pluralistische Gesellschaft den öffentlichen Frieden bewahren, kommt der Staat nicht daran vorbei, die Werte, die etwa diesen Muslimen heilig sind, zu schützen, ohne sich damit mit ihnen zu identifizieren. Franziskus weist dazu einen Weg, wenn er aufruft, den Schmerz des anderen - der Großfamilie „Je suis Charlie“, aber auch der Muslime - zu verstehen. Dieses Verständnis ist ein Bitten um Empathie, keineswegs die Billigung einer Tat. Und nur über Verständnis kommt eine Verständigung in Gang.

          Rainer Hermann
          (Her.), Politik

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