https://www.faz.net/-gpf-14g0w

Mohamed El Baradei : Eine Art Atom-Al-Gore

El Baradei zieht nach zwölf Dienstjahren an der Spitze der IAEA Bilanz Bild: dpa

Nach zwölf Jahren an ihrer Spitze verlässt Mohamed El Baradei die IAEA. Seine Hoffnung, den Atomstreit mit Iran einer Lösung näher zu bringen, ist geplatzt. Nun hofft er, eine Art Atom-Al-Gore werden zu können.

          Mohamed El Baradei scheut kein klares Wort. Mit Blick auf Iran schreckte der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde am Donnerstag nicht davor zurück, auf seinem letzten Gouverneursrat von der „Sackgasse“ zu sprechen, in der seine UN-Behörde stecke. „Keine Bewegung“ gebe es auf iranischer Seite, also keine Bereitschaft, all die offenen Fragen zu beantworten, die das Atomprogramm aufwirft.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Dabei war im Spätsommer in Wien ein kleiner Luftzug zu spüren gewesen, als komme doch noch etwas in Bewegung. Zwar beanspruchen auch Paris und Washington die Urheberschaft für die Idee, Iran einen Großteil seines angereicherten Urans im Tausch gegen Brennelemente für den Teheraner Forschungsreaktor abzunehmen. Sicher ist, dass El Baradei großen Anteil an den Verhandlungen hatte. Forscher als die beteiligten Staaten pries er den geplanten Handel als „Türöffner für einen Grand Bargain“, also als Schlüssel zur amerikanisch-iranischen Aussöhnung. Mit Präsident Obama habe er während der Verhandlungen stets in engem Kontakt gestanden.

          Ära endet ohne Abrüstungsdurchbruch

          Zweifellos trieb ihn die Sorge um den Weltfrieden, am Ende seiner zwölf Amtsjahre aber auch ein Sinn für den eigenen Nachruhm. Jedenfalls gab El Baradei die Sache auch dann noch nicht verloren, als aus Iran nur noch hinhaltende bis ablehnende Stellungnahmen zu hören waren. Hastig versuchte er nun, die Türkei ins Boot zu bekommen: Als islamischer und doch westlich orientierter Staat sollte sie die Rolle eines Treuhänders übernehmen. Doch alle Mühsal fruchtete nicht, und so endet in Wien die Ära El Baradei, ohne dass er einen einzigen Abrüstungsdurchbruch vorzuweisen hätte. (siehe auch: Kommentar: Die iranische Black Box)

          Am Höhepunkt: El Baradei bei der Verleihung es Friedensnobelpreises

          Nicht, dass sich der Ägypter um die Proliferationsbekämpfung gar keine Verdienste erworben hätte. Er setzte schärfere Routinekontrollen in Staaten mit (deklarierten) Atomanlagen durch, nur dass Iran sich nicht daran hält. Auch waren seine Inspekteure zur Stelle, als Libyen seinem Atomwaffenprogramm abschwor - was freilich auf zwischenstaatliche Geheimverhandlungen und nicht etwa auf Bemühungen der Wiener UN-Behörde zurückging. Als Erfolgsnachweis hat El Baradei kaum mehr als die Friedensnobelpreismedaille vorzuzeigen, die er 2005 entgegennahm. (siehe: El Baradei warnt Israel vor Angriffen auf iranische Atomanlagen)

          Nobelpreis für einen Misserfolg

          Letztlich zeichnete das Nobelkomitee El Baradei allerdings für seinen größten Misserfolg aus: seinen gescheiterten, wohl auch zum Scheitern verurteilten Versuch, den Irak-Krieg zu verhindern. Keine zehn Tage nach der pompösen Präsentation Colin Powells vor dem UN-Sicherheitsrat im Februar 2003, in der der damalige amerikanische Außenminister vermeintliche Belege für die Existenz irakischer Massenvernichtungswaffen vortrug, sprach auch El Baradei wieder einmal vor dem Gremium. Dass, wie Powell behauptet hatte, bestimmte vom Irak importierte Aluminiumröhren zum Bau von Zentrifugen für die Urananreicherung verwendet werden könnten, schloss El Baradei damals aus. Noch heute beschwert er sich, dass die „New York Times“ seinen Auftritt erst auf Seite 13 vermeldet habe.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Brasilien-Star für Bundesliga : Das ist der Bayern-Plan mit Coutinho

          Der Transfer-Coup ist gelungen, Philippe Coutinho ist ein Münchner. Doch wie soll der Brasilianer den Bayern nun am besten auf dem Rasen helfen? Die Vorstellungen der Münchner bei diesem Ein-Mann-Projekt sind klar.
          Unser Sprinter-Autor: Timo Steppat

          F.A.Z.-Sprinter : Eine Ursula-Koalition für Italien?

          In Italiens Regierungskrise entscheidet sich, ob es Neuwahlen gibt, „Fridays for Future“ feiert Geburtstag – und in Brandenburg denkt man über eine Kenia-Koalition nach. Was sonst noch wichtig wird, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.