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Mönchengladbach : Plakativ unpolitisch

Vor drei Jahren in NRW abgewählt: Jürgen Rüttgers Bild: dpa

In Mönchengladbach sind 25 Tafeln mit alten Wahlplakaten aufgestellt worden. Großflächig lächelte der längst abgewählte Ministerpräsident Rüttgers dem Betrachter zu. Schnell schossen die Spekulationen ins Kraut.

          Eine beeindruckende Geschichte der Verwechslungen kann Mönchengladbach aufweisen. Bis Ende des 19. Jahrhunderts hieß die Stadt am Niederrhein Gladbach. Um die Kommune besser vom 90 Kilometer entfernten Bergisch Gladbach unterscheiden zu können, erhielt Gladbach 1888 den Namen München Gladbach. Danach kam es dann allerdings immer wieder zu Verwechslungen mit einer nicht ganz unbedeutenden Stadt in Bayern. 1950 machten die Niederrheiner deshalb aus München Gladbach zunächst Mönchen Gladbach, um schließlich weitere zehn Jahre später die Schreibweise ihrer Stadt in Mönchengladbach zu ändern.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Pünktlich zum Beginn der heißen Phase des Bundestagswahlkampfs hatte Mönchengladbach nun wieder mit einer Verwechslung zu kämpfen. Ein von der Stadt beauftragtes Unternehmen stellte 25 Werbetafeln mit Plakaten der Parteien aus dem nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf 2010 auf. Großflächig lächelte der im Mai vor drei Jahren abgewählte Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) neben jener Frau von den Stellwänden, die ihn ablöste: Hannelore Kraft (SPD).

          Plant Rüttgers ein Comeback?

          Schnell schossen in Mönchengladbach die Spekulationen ins Kraut: Plant Jürgen Rüttgers sein politisches Comeback? Ist Hannelore Kraft nun doch die Kanzlerkandidatin der SPD?

          Die jüngste Mönchengladbacher Verwechslung fand dann am Mittwochnachmittag ein Ende, als die von der Stadt beauftragte Plakatier-Firma das wiederum von ihr beauftrage Subunternehmen anwies, nachzuholen, was vor dem Aufstellen der Werbeflächen versäumt worden war: das Überkleben der alten Plakate mit weißem Papier.

          Ungelöst bleibt das Rätsel, warum es ausgerechnet in Mönchengladbach politisch so desinteressierte und uninformierte Plakatier gibt, die noch nicht einmal eine Landtags- von einer Bundestagswahl unterscheiden können. Denn Mönchengladbach spielt im Bundestagswahlkampf regelmäßig eine weithin sichtbare, unverwechselbare Rolle. Schon seit 2005 veranstaltet die ARD in einer ehemaligen Industriehalle in Mönchengladbach ihre „Wahlarena“. In den Fernsehsendungen im amerikanischen Townhall-Format stellen sich die Spitzenkandidaten jeweils 75 Minuten lang den Fragen von 150 größtenteils repräsentativ ausgewählten Bürgern. Am 9. September kommt zunächst Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in die Stadt, am 11. September muss sich SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück in der Arena bewähren.

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