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Mixa bietet Rücktritt an : „Meiner Schwächen bin ich mir bewusst“

  • Aktualisiert am

Bischof Walter Mixa Bild: ddp

Walter Mixa zieht Konsequenzen: Der Augsburger Bischof hat Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt angeboten. Damit wolle er weiteren Schaden von der Kirche abwenden und einen „Neuanfang“ ermöglichen, schrieb Mixa.

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          Der Augsburger Bischof Mixa hat Papst Benedikt XVI. gebeten, ihn von seinen Amtspflichten zu entbinden. Das bestätigte das Bistum Augsburg am Morgen. Mixa begründete seinen Schritt damit, die anhaltende öffentliche Diskussion um seine Person habe in den vergangenen Wochen die Priester und Gläubigen im Bistum schwer belastet. Mit seinem Rücktritt wolle er dafür Sorge tragen, weiteren Schaden von der Kirche abzuwenden und einen Neuanfang zu ermöglichen. „Meiner eigenen Schwächen war und bin ich mir dabei wohl bewusst“, erklärte der Bischof weiter. Er bitte alle um Verzeihung, „zu denen ich ungerecht gewesen sein mag, und alle, denen ich Kummer bereitet habe.“

          Mixa sagte unterdessen alle öffentlichen Termine ab. Wie der Generalvikar des Bistums weiter mitteilte, will Mixa erst einmal in den Urlaub fahren. Der Augsburger Bischof sah sich seit einigen Wochen Vorhaltungen ausgesetzt, er habe während seiner Zeit als Stadtpfarrer in Schrobenhausen Kindern Gewalt angetan. Seit der vergangenen Woche standen zweifelsfrei belegte Vorwürfe im Raum, Mixa habe Gelder einer kirchlichen Waisenhausstiftung in einer Weise für private Zwecke benutzt, die den - straf- und kirchenrechtlich verjährten - Tatbestand der Untreue erfüllten. Alle Vorwürfe bezogen sich auf die Zeit vor seiner Ernennung zum Bischof.

          Schon am Mittwoch hatten die deutschen Bischofe ihren Druck auf Mixa nochmals erhöht. Die Erzbischöfe Zollitsch und Marx richteten Mixa öffentlich aus, „eine Zeit der geistlichen Einkehr und der räumlichen Distanz“ könne hilfreich sein, um eine Atmosphäre größerer Sachlichkeit bei den notwendigen und auch von ihm gewünschten Klärungen zu bewirken. Der Freiburger Erzbischof Zollitsch äußerte sich in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Marx als Münchner Erzbischof und Metropolit der Kirchenprovinz München-Freising.

          Vor der öffentlichen Mahnung hatte Zollitsch viermal fernmündlich mit Bischof Mixa gesprochen. Erzbischof Marx hatte Mixa am Samstag in Augsburg aufgesucht. Der Apostolische Nuntius in Berlin, Périsset, war über die Vorgehen der Bischöfe auf dem Laufenden gehalten worden. Politischer Druck und vertrauliche Gespräche hatten zunächst nicht zu einem von Zollitsch und Marx gewünschten Ergebnis geführt. Am vergangenen Freitag hatte der 68 Jahre alte Bischof lediglich eingestanden, Kindern „Watschn“ verabreicht zu haben. Zu Ostern hatte er sich noch mit den für einen Militärbischof ungewöhnlichen Worten zitieren lassen, er lehne Gewalt zwischen Menschen prinzipiell ab.

          Am Montag kam Mixa insoweit einer Aussprache im Priesterrat seiner Diözese zuvor, als er kurz vor der Sitzung vermelden ließ, unter anderem eine Münchner Anwaltskanzlei werde dem Verdacht finanzieller Unregelmäßigkeiten nachgehen. Außerdem bekundete er, es tue ihm „im Herzen weh und leid“, dass er vielen Menschen Kummer bereitet habe. „Ich bitte um Verzeihung.“

          Bischof Ackermann: „Vertrauen grausam verraten“

          Der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für Fälle sexuellen Missbrauchs, der Trierer Bischof Ackermann, sagte unterdessen, Priester hätten „das Vertrauen von Menschen auf grausamste Weise verraten“. In einer Predigt während des Priestertags der diesjährigen Heilig-Rock-Tage in Trier kritisierte der Bischof auch „Fehler in der Kommunikation der Bischöfe und auch von Rom aus“.

          „Eine giftige, stinkende Wolke entlädt sich“, sagte der Bischof mit Blick auf die lange Zeit tabuisierten Übergriffe Geistlicher auf Minderjährige und Schutzbefohlene. Unter Hinweis auf das von Papst Benedikt ausgerufene Jahr der Priester meinte Ackermann, die Ereignisse der letzten Zeit machten deutlich, dass es viel an fehlgeleitetem Hunger nach Nähe und Macht auch bei Priestern gebe. Offensichtlich befänden sich auch Priester in der Gefahr, den Hunger nach Leben anderswo zu stillen als in der Beziehung zu Jesus Christus.

          Der Bischof rief die Priester, aber auch alle anderen Gläubigen dazu auf, nicht nur auf sich selbst zu hören, sondern auch auf die Stimme Jesu Christi. Am Montag werden die 27 deutschen Ortsbischöfe in Würzburg zu ihrem „Ständigen Rat“ zusammenkommen. Auf der Tagesordnung steht unter anderem die Fortschreibung der seit 2002 geltenden Leitlinien zum Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs in der Kirche.

          Bischof von Miami tritt ebenfalls zurück

          Papst Benedikt XVI. berichtete unterdessen während der Generalaudienz am Mittwoch in Rom über seine Begegnung mit „einigen Opfern sexuellen Missbrauchs von Seiten des Klerus“ am Wochenende auf Malta: „Ich habe ihr Leiden mitempfunden, ergriffen mit ihnen gebetet und dabei das Handeln der Kirche zugesichert.“ Die katholische Kirche in Irland gab bekannt, der Papst habe das Rücktrittsgesuch des Bischofs von Kildare, Moriarty, angenommen, der wegen des Missbrauchsskandals seinen Rückzug angeboten hatte. Eine entsprechende Erklärung des Vatikans werde an diesem Donnerstag erwartet, berichtete die Nachrichtenagentur AP.

          Nach einem Bericht der Zeitung „Repubblica“ gibt auch der Bischof von Miami sein Amt ab. Der 74 Jahre alte John Favalora sei aus Gesundheitsgründen zurückgetreten. Favalora wird vorgeworfen, er habe im Jahr 2002 die Vorwürfe gegen 45 Priester in seinem Bistum nicht energisch genug verfolgt, schreibt das Blatt. Andererseits habe er später dazu beigetragen, dass die Vergehen des Gründers der Legionäre Christi, Marcial Maciel, aufgedeckt wurden, der seine letzten Lebensjahre in Miami verbrachte. Der mittlerweile verstorbene Priester hat sich an zahlreichen Seminaristen vergangen. Außerdem hinterließ er Kinder.

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