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Vorwahlen in Amerika : Eine faustdicke Überraschung und ein alter Bekannter

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Vorwahl gewonnen: Alexandria Ocasio-Cortez mit der Kandidatin für den Gouverneursposten Cynthia Nixon Bild: AFP

In Amerika bestimmen die Parteien ihre Kandidaten für die Kongresswahlen im November. Bei den Demokraten konnte ein politischer Neuling auf die Energie von Bernie Sanders bauen, und in Utah ist Mitt Romney wieder da.

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          In den Vorwahlen für die Kongresswahlen in den Vereinigten Staaten im November hat es im Bundesstaat New York eine faustdicke Überraschung gegeben. Bei den oppositionellen Demokraten musste der erfahrene Joe Crowley eine Niederlage gegen einen Politik-Neuling einstecken. Crowley, der seit Jahren für New York im Repräsentantenhauses sitzt und bis zur Nummer vier der Fraktion aufgestiegen ist, verlor die Vorwahl in seinem Wahlkreis gegen die 28 Jahre alte Alexandria Ocasio-Cortez.

          Die linksgerichtete Ocasio-Cortez stammt aus dem New Yorker Stadtteil Bronx und ist eine Anhängerin des früheren Präsidentschaftsanwärters Bernie Sanders. Medienberichten zufolge hat die Latino-Aktivistin bis vor kurzem noch als Kellnerin gearbeitet. Sie setzte sich mit 15 Punkten Vorsprung gegen den 56 Jahre alten Crowley durch, der zuletzt schon als Nachfolger der demokratischen Fraktionschefin Nancy Pelosi gehandelt worden war.

          In einer Nachricht auf Twitter gestand Crowley seine Niederlage ein und gratulierte Ocasio-Cortez. Er freue sich darauf, mit ihr zusammenzuarbeiten und den Demokraten zu helfen, die Mehrheit im Repräsentantenhaus zu erringen. Damit ist wohl klar, dass er im November auch nicht als unabhängiger Kandidat auf den Wahlzetteln stehen wird, was durchaus möglich gewesen wäre. Die Auseinandersetzung der beiden gilt auch als Fingerzeig darüber, welcher Flügel in Zukunft die Geschicke der Partei bestimmen wird – ein junger progressiver oder der um die jetzige Parteiführung.

          Der frühere amerikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney kann kann derweil für einen Sitz im Senat kandidieren. Romney gewann am Dienstag die Vorwahl der Republikaner im Bundesstaat Utah. Medienberichten zufolge setzte er sich mit 73 Prozent der Stimmen gegen seinen Konkurrenten Mike Kennedy durch. „Es sieht so aus, als hätte unser Team die Vorwahl gewonnen“, rief Romney seinen jubelnden Anhängern zu.

          Der 71 Jahre alte Romney will im Senat die Nachfolge von Orrin Hatch antreten, der den Mormonenstaat Utah seit 1977 in der Kongresskammer vertritt. Romney kann sich gute Chancen ausrechnen, den Senatssitz zu erobern: Er wird seit Jahrzehnten von den Republikanern besetzt. Romney genießt in Utah zudem große Popularität – auch weil er selbst Mormone ist.

          In den Medien wird bereits darüber spekuliert, wie sich Romney als Senator gegenüber Präsident Donald Trump positionieren würde – als Gegenspieler oder als Verbündeter. Im Wahlkampf 2016 hatte der frühere Investmentbanker und frühere Gouverneur des Bundesstaats Massachusetts Trump als „Hochstapler“ und „Betrüger“ kritisiert. Trump beschimpfte Romney, der 2012 gegen Barack Obama unterlegen war, als einen der „dümmsten und schlimmsten“ Präsidentschaftskandidaten der Republikaner.

          Will in den Senat: Mitt Romney
          Will in den Senat: Mitt Romney : Bild: AFP

          Nach Trumps Wahlsieg fuhr Romney seine Kritik dann deutlich zurück. Zwischenzeitlich wurde er sogar als möglicher Außenminister gehandelt. Später unterstützte Romney dann die Steuerreform des Präsidenten und erklärte, Trump habe in seinem ersten Jahr im Amt seine „Erwartungen übertroffen“. Trump unterstützte seinerseits Romneys Senatskandidatur, nachdem er vorher Medienberichten zufolge vergeblich versucht hatte, Hatch zum Bleiben zu bewegen. Romney werde ein „großartiger Senator und ein würdiger Nachfolger von Orin Hatch“ sein, schrieb Trump im Onlinedienst Twitter.

          Seine Bewerbung für den Senat dürfte auch die Spekulationen befeuern, dass sich Romney vom Kongress aus für eine mögliche neue Bewerbung um das Präsidentenamt in Stellung bringen könnte.

          Bei den Kongresswahlen im November werden das gesamte Repräsentantenhaus und mehr ein Drittel des Senats neu gewählt. Die Demokraten hoffen, zumindest die Mehrheit im Repräsentantenhaus erobern zu können.

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