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Logbuch Alan Kurdi (5) : Mit dem Schicksal der „Sea-Watch 3“ an Bord

Übung auf spiegelglatter See: Beiboote der „Alan Kurdi“ am Montag vor Tunesien Bild: Julia Anton

Die „Alan Kurdi“ hat die Such- und Rettungszone vor Libyen fast erreicht. Von der Verhaftung Carola Racketes und dem lautstarken italienischen Innenminister lässt sich die Crew nicht abschrecken, berichtet unsere Autorin von hoher See.

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          Während Carola Rackete vor den Haftrichter geführt wird, steuert die „Alan Kurdi“ weiter auf die libysche Such- und Rettungszone (SAR-Zone) zu. Die Crew spricht viel über die Festnahme, die Gefühle der Besatzungsmitglieder sind offenkundig gemischt. Da ist die Sorge um das Schicksal von der inhaftierten deutschen Kapitänin. Und da ist auch die Wut auf die Europäische Union – genauer müsste es wohl auf die Wut auf die einzelnen Mitgliedsstaaten sein – die bis heute keine Verteilmechanismus für Flüchtlinge ermöglicht hat. Der Schluss der Crew ist klar: Das müsse nun am Ende die inhaftierte Kapitänin ausbaden. „Man hat Carola Rackete mit dem Rücken an die Wand gedrängt und sie gezwungen, eine Entscheidung zu treffen“, sagt Gorden Isler, Einsatzleiter der Mission und Vorsitzender des Sea-Eye e.V., dem die „Alan Kurdi“ gehört.

          Julia Anton

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Eingeschüchtert fühlt sich die Crew von den Geschehnissen um die „Sea-Watch 3“ jedoch ebenso wenig wie von der Andeutung des italienischen Innenministers Matteo Salvinis, die verbliebenen zivilen Seenotretter auf dem Mittelmeer sollten ihn „nicht mehr zum Narren halten“. Man sei nicht wegen Salvini losgefahren, sondern um Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Die Mission werde wie geplant fortgesetzt, am Vormast weht die aus einem Bettlaken gebastelte „#FreeCarola“-Flagge.

          Voraussichtlich am Dienstagmittag wird die „Alan Kurdi“ in der libyschen SAR-Zone eintreffen. Mindestens 24 Meilen von der libyschen Küste entfernt wird die Crew dann durch das Suchgebiet kreuzen, Ausschau halten und auf Meldungen der Seenotleitstellen und anderer Nichtregierungsorganisationen reagieren.

          Auch die „Alan Kurdi“ könnte Lampedusa ansteuern

          Dass die „Alan Kurdi“ in den kommenden Tagen auf Flüchtlinge stößt, scheint wahrscheinlich. In den Sommermonaten setzen für gewöhnlich die meisten Boote über, zumal wenn das Wetter so gut ist wie in den vergangenen Tagen. Am Sonntag hat die maltesische Seenotleitstelle ein Boot mit Geflüchteten in ihrem Gebiet gemeldet, die „Alan Kurdi“ war jedoch zwei Tage entfernt. Ein zweites hat die spanische NGO „Open Arms“ gefunden und gesichert, ebenfalls im Gebiet der Malteser. Die „Sea-Watch 3“ war erst wenige Stunden in der libyschen SAR-Zone, als sie die 53 Menschen rettete, um deren Aufnahme solange gestritten wurde.

          Im Fall einer Rettung plant die „Alan Kurdi“ wie vorgesehen die zuständige Seenotleitstelle zu benachrichtigen – das könnte auch die in Libyen sein. „Sollte diese nicht in der Lage sein, uns einen Hafen zuzuweisen, der aus unserer Sicht und der unseres Flaggenstaates sicher ist, werden wir uns an die umliegenden europäischen Küstenstaaten wenden“, erklärt Isler. Als nicht sicher gelten libysche Häfen. Sollte Lampedusa dann am nächsten sein, werde man die italienische Insel ansteuern. So wie es auch Carola Rackete getan hatte. Dass die „Alan Kurdi“ dann in dieselbe Situation geraten könnte wie „Sea-Watch 3“, glaubt Isler aber nicht. Zum einen sei das Schiff kleiner und brauche deshalb schneller Hilfe. Zum anderen sei die „Sea-Watch 3“ in den Niederlanden registriert, die „Alan Kurdi“ hingegen fahre unter deutscher Flagge.

          Beim Kauf des Schiffs im vergangenen Jahr war das ein wichtiges Kriterium für Sea-Eye, die zuvor ebenfalls die Niederlande als Flaggenstaat hatte. Die Organisation verspricht sich von der deutschen Flagge mehr Sicherheit und mehr Unterstützung aus Deutschland, wo sich unter anderem das Bündnis „Seebrücke“ für die Aufnahme von geretteten Geflüchteten einsetzt. Inzwischen bieten mehr als 60 Städte an, die Menschen von den Booten aufzunehmen. Bereits zweimal war die „Alan Kurdi“ in Blockade, allerdings vor Malta: Einmal Anfang des Jahres mit 17 Geflüchteten, das zweite Mal im April mit 64 Geflüchteten an Bord. In beiden Fällen konnte die Crew der „Alan Kurdi“ die Geretteten nach knapp zehn Tagen den Maltesern übergeben. Die Zusammenarbeit mit den Behörden in Deutschland sei dabei stets sehr lösungsorientiert gewesen, berichtet Isler. Die „Sea-Watch 3“ hingegen wartete bereits 17 Tage, als Rackete entschied, in den Hafen von Lampedusa einzufahren. Solange, hofft die Crew der „Alan Kurdi“ wird sie nicht warten müssen.

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