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Mißhandlungen im Irak : „Haben getan, was von uns verlangt wurde“

  • Aktualisiert am

Lynndie England während eines Fernsehinterviews Bild: AP

Die amerikanische Soldatin Lynndie England, die, dokumentiert durch Fotos, an der Mißhandlung von irakischen Gefangenen beteiligt war, hat nach eigener Darstellung auf Anweisung ihrer Vorgesetzten gehandelt.

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          Die der Mißhandlung von Häftlingen im Irak beschuldigte amerikanische Soldatin Lynndie England hat nach eigener Darstellung auf Anweisung ihrer Vorgesetzten gehandelt. In zahlreichen Medienberichten war die mittlerweile in den Vereinigten Staaten inhaftierte Gefreite auf Fotos zu sehen, wie sie im Gefängnis von Abu Ghraib bei Bagdad lachend eine Leine hält, die um den Hals eines am Boden liegenden Häftlings geschlungen ist.

          Dem amerikanischen Kongreß sollte am Mittwoch neues Bildmaterial über schwere Mißhandlungen von Gefangenen in amerikanischer Haft im Irak vorgelegt werden. Der unter massiven Druck geratene amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wies Vorwürfe zurück, sein Ministerium habe die Mißhandlungsaffäre im Irak vertuschen wollen.

          Fehlende Kontrolle

          „Ich wurde von ranghöheren Personen angewiesen, dort zu stehen und die Leine zu halten, und sie haben das Foto gemacht, das ist alles, was ich weiß", sagte die in Fort Bragg inhaftierte Soldatin England dem Fernsehsender KCNC in Denver. Auf einigen Mißhandlungs-Fotos ist sie auch lächelnd mit einer Zigarette im Mund zu sehen. „Von unserer Warte aus haben wir unsere Arbeit getan, was bedeutet, daß wir getan haben, was von uns verlangt wurde und das Ergebnis war das, was sie wollten.“

          Lynndie England mit Freund Chales Graner im Abu Ghraib Gefängnis

          Der ermittelnde amerikanische Generalmajor Antonio Taguba hatte vor einem Ausschuß des Senats am Dienstag ausgeschlossen, daß die Soldaten auf Grundlage einer Anweisung handelten, die Gefangenen mit einer systematisch entwürdigenden Behandlung für Verhöre aussagebereit zu machen. Allerdings seien die Mißhandlungen auf Führungsschwäche auf allen Ebenen der amerikanischen Armee und fehlende Kontrolle zurückzuführen.

          Weitere Bilder

          Es gebe noch schlimmere Bilder von Mißhandlungen, sagte England. Nähere Angaben machte sie in dem Interview dazu auf Anraten ihres Anwalts jedoch nicht. Solche Fotos sollten am Mittwoch dem amerikanischen Kongreß unter Ausschluß der Öffentlichkeit vorgelegt werden. Nach den Worten Rumsfelds sind sie dazu geeignet, den Skandal noch niederschmetternder werden zu lassen. Vize-Präsident Dick Cheney sagte, vor einer Veröffentlichung der Bilder müßten die Rechte der Opfer abgewogen werden. Der amerikanische Fernsehsender CBS wollte in seinem Magazin „Sixty Minutes“ zudem das Videotagebuch einer anonym bleibenden amereikanischen Soldatin aus einer anderen Haftanstalt, Camp Bucca, im Südirak zeigen.

          In dem Video schildert die Soldatin Übergriffe auf Inhaftierte, die beschossen und mit Steinen beworfen worden seien. Sie beschreibe auch, daß in dem Gefängnis mehrere Häftlinge an Schlangenbissen gestorben seien. „Aber was soll's? Das sind zwei, um die ich mir keine Sorgen mehr machen muss", lautete ihr lakonischer Kommentar.

          Rumsfeld wies vor Mitarbeitern seines Ministeriums Vorwürfe der Vertuschung der Affäre zurück. Das Militär und nicht die Medien hätten die Mißbrauchsfälle aufgedeckt. Die oppositionellen Demokraten werfen dem Minister vor, den Kongreß und Präsident Bush zu spät über die Mißhandlungsfälle im Irak informiert zu haben. Sie fordern seinen Rücktritt. Die Mißhandlungen sind weltweit auf massive Kritik gestoßen.

          Vatikan: Schlimmer als 11.September

          Aus Rache für die Taten der Soldaten hatte eine der Al Qaida nahe stehende Gruppe im Irak einen amerikanischen Zivilisten enthauptet und mit weiteren Morden gedroht. Die Tötung des 26jährigen Amerikaners Nick Berg nahmen die Mörder auf Video auf.

          Nach Einschätzung des Vatikan ist die Affäre für die Vereinigten Staaten ein schlimmerer Schlag als die Anschläge vom 11. September 2001. Der Skandal heize den Haß der Araber gegen den Westen und vor allem gegen die Christenheit an, sagte der Außenminister, Erzbischof Giovanni Lajolo, der Zeitung „La Repubblica".

          Auch der britische Premierminister Tony Blair muß sich am Mittwoch kritischen Fragen von Abgeordneten des Londoner Unterhauses zu Foltervorwürfen gegen britische Soldaten im Irak stellen. Sowohl Blair als auch Bush haben durch die Mißhandlungs-Affäre Meinungsumfragen zufolge in der Wählerschaft deutlich an Zustimmung eingebüßt.

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