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Missbrauchsvorwürfe : Ermittlungen gegen Mixa eingestellt

  • Aktualisiert am

Nicht mehr des Missbrauchs verdächtig: Walter Mixa Bild: AP

Missbrauch nein, Gewalt ja: Gegen den zurückgetretenen Augsburger Bischof Mixa wird nicht mehr wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger ermittelt. Ein Sonderermittler nannte aber Vorwürfe der „schweren körperlichen Züchtigung“ glaubhaft. Die Taten sind schon verjährt.

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          Der Verdacht des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger gegen den zurückgetretenen Augsburger Bischof Walter Mixa hat sich nicht erhärtet. Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt stellt ihre Vorermittlungen ein. „Ein Tatnachweis hinsichtlich eines sexuellen Missbrauchs ist nicht zu führen“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Walter am Freitag der dpa. Die „Augsburger Allgemeine“ berichtete ebenfalls über die Einstellung der Vorermittlungen.

          Unterdessen werden die Gewaltvorwürfe massiver. „Sonderermittler“ Sebastian Knott hat den vorläufigen Abschlussbericht über das Verhalten Mixas als Stadtpfarrer von Schrobenhausen gegenüber Kindern aus einem örtlichen Heim sowie über sein Finanzgebaren als Vorsitzender des Stiftungsrates jenes Heimes vorgelegt. So soll Mixa oft mit der Faust und einem Stock zugeschlagen haben. Die Aussagen der ehemaligen Heimkinder aus dem Kinderheim St. Josef seien glaubwürdig, erläuterte Knott. Einige seien während der Gespräche in Tränen ausgebrochen. Ein Mädchen sei unter den Schlägen zusammengebrochen. „Er sagte oft Sätze wie: „In Dir ist der Satan, den werde ich Dir schon austreiben““, zitierte Knott einen ehemaligen Heimjungen. Die dort beschäftigten Nonnen hätten Mixa oft mit den Worten „Hau nei...hau nei...“ angestachelt. Strafrechtlich seien die Vorwürfe allerdings verjährt.

          Mixa als Opfer „altliberaler“ Kräfte?

          Bis auf das späte Eingeständnis, möglicherweise die eine oder andere „Watschen“ ausgeteilt zu haben, hat Mixa alle Vorwürfe wegen seiner Lebens- und Amtsführung stets von sich gewiesen. Ende April wandte sich Mixa indes mit der Bitte an Papst Benedikt XVI., er möge ihn vom Amt des Bischofs von Augsburg und des Katholischen Militärbischofs für die Deutsche Bundeswehr entpflichten. Nach einem Gespräch mit dem Freiburger Erzbischof Zollitsch, dem Erzbischof von München und Freising, Marx, und dem Augsburger Weihbischof Losinger nahm der Papst den Rücktritt Mixas am vergangenen Samstag an. Der 69 Jahre alte Geistliche hielt sich damals seit vierzehn Tagen in einer Schweizer Klinik auf, die über ausgedehnte psychiatrische Abteilungen verfügt.

          Die Annahme des Rücktritts wurde von der Meldung überschattet, dass das Bistum Augsburg Hinweise auf mutmaßliche Verfehlungen Mixas als Bischof von Eichstätt gegenüber Minderjährigen der Staatsanwaltschaft zugeleitet habe. Diese waren dem Bistum Augsburg in glaubhafter Weise aus Eichstätt zugetragen worden und wurden daraufhin Gegenstand von Gesprächen mit der Münchner Generalstaatsanwaltschaft, Erzbischof Marx und Erzbischof Zollitsch. Der Verdacht wurde auch Mixa zugetragen. Daraufhin machte eine von katholischen Ultrakonservativen betriebene Website, auf der Mixa als Opfer „altliberaler“ Kräfte in der Kirche dargestellt wird, einen Mann namhaft, der das Opfer Mixas gewesen sein soll. Der heute 26 Jahre alte vormalige Eichstätter Dom-Ministrant ließ dann über einen Anwalt verbreiten, er sei das vermeintliche Opfer Mixas nicht.

          In den Reihen der Justiz wie in der Kirche waren die Vorhaltungen gegen Mixa unter anderem deswegen nicht abgetan worden, weil es in den Bistümern Augsburg und Eichstätt Geistliche gibt, denen sich Stadtpfarrer Mixa unsittlich genähert haben soll. Entsprechende Aussagen der damals noch angehenden Priester befinden sich in dem Dossier, das Papst Benedikt XVI. vorlag, als er über den Rücktritt Mixas entschied.

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