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Missbrauchsfälle : Marx greift durch - weitere Bistümer in Erklärungsnot

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Bei einem Gottesdienst am Sonntag kam es in Bad Tölz zum Eklat Bild: ddp

Im Erzbistum München-Freising hat Bischof Marx Konsequenzen aus den jüngsten Berichten über den Umgang mit einem pädophilen Priester gezogen. Unterdessen werden weitere Missbrauchsfälle bekannt. Edmund Stoiber warnt in der F.A.Z. davor, „die Kirche als Ganzes an den Pranger zu stellen“.

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          Auch in der Benediktinerabtei Königsmünster im sauerländischen Meschede ist es zu jahrelangem sexuellen Missbrauch eines zeitweise Minderjährigen gekommen. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung erfuhr, wurde das Opfer, ein früherer Schüler eines Gymnasiums, das in der Trägerschaft des Klosters ist, von Anfang bis Ende der neunziger Jahre regelmäßig durch einen Benediktinerbruder sexuell missbraucht.

          In einer Pressemitteilung des Klosters, die am Dienstag, einige Stunden nach einem Gespräch dieser Zeitung mit dem Abt, veröffentlicht wurde, ist von „sexuellem Missbrauch bis Ende der 90er Jahre“ die Rede. Zunächst hatte es der Abt des Klosters, Dominicus Meier, gegenüber der Familie des Opfers abgelehnt, sich in der Angelegenheit an die Presse zu wenden. Die bisherige Zurückhaltung begründete der Klostervorsteher, der selbst Kirchenrechtler ist und dem Beraterstab der Erzabtei St. Ottilien in Missbrauchsfällen angehört, mit einer Selbstanzeige des Mitbruders, die dieser vor einem Monat bei der Staatsanwaltschaft Arnsberg erstattet habe.

          Der Fall ist dem Kloster seit dem Jahr 2000 bekannt. Erst auf Drängen der Familie des Opfers wurde der Bruder damals in eine Abtei im deutschsprachigen Ausland versetzt. In dieser Zeit, die bis 2005 dauerte, habe sich der Bruder einer „mehrjährigen Therapie“ unterzogen. Inwischen lebt er wieder in seinem Professkloster in Meschede. Von weiteren Missbrauchsfällen habe er keine Kenntnis, sagte der Abt am Montagabend der F.A.Z.

          Münchner Erzbistum: Bischof Marx zieht personelle Konsequenzen

          Am Montag nahm der Erzbischof des Bistums München-Freising, Reinhard Marx, den Rücktritt von Seelsorgereferent Josef Obermaier entgegen. Nach einer Mitteilung des Ordinariats übernahm der 65 Jahre alte Leiter des Seelsorgereferats I im Ordinariat damit die Verantwortung für „gravierende Fehler in der Wahrnehmung seiner Dienstaufsicht“. Zudem wurde ein wegen sexuellen Missbrauchs seit 1986 vorbestrafter Tourismusseelsorger aus dem Bistum Essen mit sofortiger Wirkung suspendiert. Seine Heimatdiözese teilte überdies mit, dass der Priester zuvor bereits in den Ruhestand versetzt worden sei.

          Der Obermaier unterstellte Geistliche habe sich nachweislich nicht an Auflagen gehalten, hieß es. Auch als Kur- und Tourismusseelsorger sei er verbotenerweise in der Kinder- und Jugendarbeit tätig gewesen. Hinweise auf einen neuerlichen sexuellen Missbrauch lägen dem Ordinariat dagegen weiterhin nicht vor. Obermaier war seit zehn Jahren Leiter des Referats für Allgemeine Seelsorge im Münchner Ordinariat.

          „Schwere Fehler“ im Umgang mit dem Geistlichen

          Publik geworden war der Missbrauchsfall am Freitag durch Recherchen der „Süddeutschen Zeitung“. Unmittelbar danach hatte das Ordinariat „schwere Fehler“ im Umgang mit dem Geistlichen eingestanden, für die der damalige Generalvikar Gerhard Gruber (81) die persönliche Verantwortung übernahm. Die Erzdiözese hatte 1980 einen Kaplan aus dem Bistum Essen aufgenommen, der sich in München einer Therapie unterziehen sollte.

          Nach Angaben des Ruhrbistums vom Montag war der Priester von drei Familien seiner Pfarrgemeinde beschuldigt worden, sexuelle Beziehungen zu ihren Kindern gehabt zu haben. Die Eltern hätten aus Rücksicht auf ihre Kinder auf eine Anzeige verzichtet. Dieser Position habe sich das Bistum angeschlossen und zugleich den Geistlichen aus der Pfarrseelsorge entfernt.

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