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Missbrauch in Pennsylvania : Erkennungsmerkmal Kruzifix an Goldkette

Kardinal Donald Wuerl, Erzbischof von Washington, bei einer Messe. Bild: AP

Ein Priester führte in den Achtzigern einen Missbrauchsring in Pennsylvania. Tatorte der Vergewaltigungen: Pfarrhäuser, Sakristeien, Priesterwohnungen. Der heutige Washingtoner Erzbischof Wuerl sprach beim Begräbnis des Priesters – voller Lob.

          Mit Pater George Zirwas aus Pennsylvania nahm es ein schlimmes Ende: Am Morgen des 27. Mai 2001 wurde er in seiner Wohnung in der Calle Mazón in Havanna tot aufgefunden. Er wurde 47 Jahre alt. Sein Lebensgefährte, der kubanische Krankenpfleger Ulises Sierra Tabares, fand Zirwas’ leblosen Körper, bäuchlings auf dem Bett liegend, als er von der Nachtschicht in der Psychiatrie des Manuel-Fajardo-Hospitals nach Hause kam. „Sein Nacken und die Seite seines Gesichts, die ich sehen konnte, waren dunkel verfärbt, ganz schwarz. In Panik rannte ich auf die Straße und schrie: ,George ist tot! George ist tot!‘ Mehr konnte ich nicht herausbringen.“ So wurde der junge Kubaner von amerikanischen Zeitungen zitiert, die damals über den mysteriösen Fall berichteten.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Das State Department nahm sich der Sache an und arrangierte in Zusammenarbeit mit der schwedischen Botschaft – Washington unterhielt zu jener Zeit wegen des amerikanischen Embargos gegen Kuba nur eine Interessenvertretung in Havanna – die Überführung des Leichnams in die Vereinigten Staaten. Bei der Bestattung von Zirwas in dessen Heimat-Bundesstaat Pennsylvania fand der Erzbischof von Pittsburgh, Donald Wuerl, warme Worte für den Gottesmann, der fern der Heimat auf tragische Weise zu Tode gekommen war. Zirwas sei ein guter Mensch gewesen, der die Botschaft der Erlösung durch den Glauben an Jesus Christus gepredigt habe. „Ein Priester ist ein Priester“, verkündete Erzbischof Wuerl: „Wer einmal geweiht ist, bleibt für immer ein Priester.“ Aus der Diözese Pittsburgh hieß es offiziell, Zirwas sei in Havanna als Seelsorger für die Ärmsten der Armen tätig gewesen.

          Aber ein priesterliches Leben führte Zirwas weder in Havanna noch zuvor in mehreren Pfarreien in Pennsylvania. Die Umstände seines Todes in Havanna wurden von den kubanischen Behörden bald aufgeklärt. Als Täter wurde der Callboy Abel Medina Valdes ermittelt, den Zirwas am Vorabend seines Todes mit nach Hause genommen hatte. Die Tatwaffe war eine Spritze, mittels welcher Medina Valdes seinem Opfer eine große Menge eines Betäubungsmittels für Großvieh in den Nacken injizierte: Atemstillstand und Herzlähmung führten zum Tod. Medina Valdes gestand den Mord an Zirwas sowie drei weitere Morde; seine Motive blieben rätselhaft. Er wurde im Januar 2002 zum Tode durch Erschießungskommando verurteilt, später wurde das Urteil in 45 Jahre Gefängnis umgewandelt.

          Umfangreiche Sammlung mit Fotos nackter Jungen

          In Havanna hatte der amerikanische Priester Zirwas rund drei Jahre lang offen in einer homosexuellen Partnerschaft mit seinem jungen kubanischen Freund Ulisses Sierra Tabares gelebt. Auch den Besuch in Havanna von mindestens einem weiteren Priester aus der Diözese Pittsburgh bezeugte Sierra Tabares, nannte aber keinen Namen. Außerdem berichtete er, dass Zirwas amerikanische Sextouristen mit kubanischen Prostituierten – offenkundig beiden Geschlechts – zusammengebracht habe. In einem in Pittsburgh hinterlegten Testament hatte Zirwas ein Jahr vor seiner Ermordung seinem kubanischen Lebensgefährten 15.000 Dollar vermacht.

          In dem am 14. August dieses Jahres veröffentlichten Untersuchungsbericht eines Geschworenengremiums über zahlreiche Missbrauchsfälle in sechs katholischen Diözesen des Bundesstaates Pennsylvania taucht der Priester Zirwas prominent auf. Ein Zeuge, der sich nur mit seinem Vornamen George identifizieren lassen wollte, berichtete von einem Missbrauchs- und Kinderpornographie-Ring, in dem Pater Zirwas eine Schlüsselrolle spielte. Erstmals, so Zeuge George im Dezember 2017 vor den Geschworenen, wurde er im Alter von 15 Jahren von Zirwas ins Pfarrhaus eingeladen. Dort seien drei weitere Priester gewesen. Die Priester hätten ihn aufgefordert, sich auf das Bett zu stellen und vollständig zu entkleiden. Dann hätten sie ihn mit einer Polaroid-Kamera fotografiert mit der Begründung, die Fotos würden als Vorlage für die Herstellung neuer Christusstatuen in der Gemeinde gebraucht. George berichtete, dabei hätten die Priester gekichert. Seine Fotos seien zu einer umfangreichen Sammlung mit Fotos anderer nackter Jungen hinzugefügt worden.

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