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Missbrauch in Pennsylvania : Erkennungsmerkmal Kruzifix an Goldkette

George bezeugte weiter, dass er von Zirwas eine goldene Kette mit einem Kruzifix als Geschenk erhalten habe. Die Kruzifix-Kette übergab Zeuge George dem Geschworenengremium als Beweisstück: Es diente dem Missbrauchsring, zu dem neben Zirwas die Padres Robert Wolk, Richard Zula und Francis Pucci gehörten, als Erkennungsmerkmal, welche Kinder und Jugendlichen für ihre Gewalttaten „zugerichtet“ waren.

„Falsche Gerüchte“

In dem Untersuchungsbericht werden neben Vergewaltigung auch sadistische Akte mit Peitschen und Ketten dokumentiert, festgehalten auf Film- und Fotoaufnahmen. Den jugendlichen Opfern wurden Drogen und Alkohol verabreicht. Die Priester reichten sich die Opfer, die sie jeweils ausgesucht und „gefügig“ gemacht hatten, untereinander weiter: Erkennungsmerkmal Kruzifix an Goldkette. Tatorte: Pfarrhäuser, Sakristeien, Priesterwohnungen. Der pädokriminelle Ring verübte seine Verbrechen während sechs Jahren, von Mitte der achtziger bis Anfang der neunziger Jahre. Die Priester Wolk und Zula flogen nach Anzeigen von Eltern schließlich auf, wurden in Verfahren vor staatlichen Gerichten zu Gefängnisstrafen verurteilt. Die Anklage gegen Pucci wurde gegen Zahlung einer Entschädigung fallengelassen, die Untaten waren zum Zeitpunkt des Verfahrens gegen ihn schon verjährt.

Und Zirwas, 1979 ordiniert und bis 1995 in acht verschiedenen Gemeinden in der Diözese Pittsburgh tätig? Er wurde auf eigenen Wunsch im Juli 1995 nach Miami versetzt, weil nach seiner Aussage über ihn „falsche Gerüchte verbreitet“ würden. Mehrfach waren in den Jahren zuvor Missbrauchsfälle bei der Diözese Pittsburgh angezeigt worden. In einem Schreiben an den damaligen Erzbischof von Pittsburgh, Donald Wuerl, drohte Zirwas, er werde über die Untaten anderer Priester in der Diözese „auspacken“. Nachdem er seine Beschuldigungen in einem Schreiben an Wuerl widerrufen hatte, erhöhte der Bischof die Gehaltszahlungen an Zirwas. Und versetzte den Priester nach Florida.

Dass ein amerikanischer Priester 1998 ohne ausdrückliche Zustimmung der kommunistischen Führung Kubas von Miami nach Havanna übersiedeln konnte, ist unvorstellbar. Ebenso wenig ist vorstellbar, dass der kubanische Geheimdienst über die sexuellen Neigungen und Gepflogenheiten von Zirwas nicht im Bilde war. Dass sich Zirwas in Beiträgen für verschiedene Zeitungen in Florida immer wieder für die Aufhebung des Embargos gegen Kuba ausgesprochen hatte, dürfte seine Übersiedlung nach Kuba erleichtert haben. Haben die Kubaner der amerikanischen katholischen Kirche und zumal der Diözese Pittsburgh dabei geholfen, einen homosexuellen und notorisch pädophilen Priester in aller Stille nach Havanna zu „entsorgen“, wo er seine Neigungen offen ausleben konnte? Die Gehaltszahlungen an Zirwas flossen auch während dessen Zeit in Havanna weiter. Dazu kamen die Einnahmen aus der Vermietung seiner Eigentumswohnung in Fort Lauderdale.

Kardinal Wuerl hat angesichts der Enthüllungen der vorigen Woche seine geplante Teilnahme am Welttreffen der Familien in Irland in dieser Woche abgesagt. Auch Papst Franziskus wird nach Irland reisen. Am Mittwoch hätte Kardinal Wuerl bei einer Veranstaltung mit Tausenden Teilnehmern in Dublin den Hauptvortrag halten sollen. Titel: „Das Wohlergehen der Familie ist entscheidend für die Zukunft der Welt.“

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