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Ministerpräsidentenwahl : Roland Koch hat sich zurückgekämpft

  • -Aktualisiert am

Geschafft im zweiten Anlauf: Roland Koch am Wahlabend in Wiesbaden Bild: Wonge Bergmann

Roland Koch ist neuer hessischer Ministerpräsident. Nun kann er seinen Weg fortsetzen. Er hat ihn früh geplant und ist bisher davon nicht abgekommen. Nicht einmal in seinen schwärzesten politischen Stunden: Vor einem Jahr hätte kaum jemand mehr einen Heller auf ihn gewettet.

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          Vor genau einem Jahr war Roland Koch am Boden zerstört. Nur seine allertreuesten Anhänger gaben damals nicht ihm die Schuld an dem Wahldesaster vom 27. Januar 2008 - das die gesamte CDU und das ganze bürgerliche Lager erschütterte. Derartige Nibelungentreue stieß aber auf Unverständnis. Die breite Öffentlichkeit wandte sich mit zur Schau gestelltem Grausen von ihm ab. Koch schien mit der ihm allseits unterstellten Absicht, Kinder, zumal Ausländerkinder, ins Gefängnis zu bringen, sein politisches Grab geschaufelt zu haben. Wochenlang gab kaum jemand einen roten Heller auf das politische Überleben des Mannes, der noch fünf Jahre zuvor für die absolute Mehrheit der Landtagsmandate gut gewesen war.

          Ein Jahr danach ist Koch wiedergewählt. Es ist mehr als eine Bestätigung im Amt, es ist der Beweis, dass Wiederauferstehung in der Politik möglich ist. Oder volkstümlicher: Auch politisch Totgesagte können ausnahmsweise länger leben. Die parlamentarische Mehrheit in Wiesbaden steht, wenn auch nicht durch einen Zugewinn der CDU, so doch durch eine fulminante Stärkung der FDP. Allerdings wusste jeder, der für die Freien Demokraten stimmte, dass er damit Kochs Comeback nicht nur in Kauf nahm, sondern mit aller Kraft förderte. Das lag an der sagenumwobenen Freundschaft des FDP-Landesvorsitzenden Jörg-Uwe Hahn mit dem CDU-Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten.

          Zwei Frauen, ein Entschluss

          Zwischen den beiden Wahltagen stand ein symbolträchtiges Datum im Leben Kochs: sein fünfzigster Geburtstag am 24. März 2008. An so einem Tag muss sich einer, wenn es denn das Schicksal so eingerichtet hat, entschieden haben, ob er den einst eingeschlagenen Weg weitergeht, oder ob er etwas Neues anfängt. Bis zum Rentenalter stehen ihm eineinhalb Jahrzehnte bevor, da ist ein Berufswechsel noch einigermaßen glaubwürdig und sieht nicht wie eine Verlegenheit aus. Koch, den sein bedeutendster Mentor Helmut Kohl mit der Aura des künftigen Kanzlerkandidaten versehen hatte, hätte im März jenseits der Politik wählen können, was er wollte, stets wäre ihm die Geringschätzung gefolgt: „Er hat aufgegeben.“

          Auf dem JU-Landestag 1975
          Auf dem JU-Landestag 1975 : Bild: JU Hessen/Peter Weber

          Er entschied sich fürs Weitermachen. Er gab dafür zwei Gründe - zwei Frauen: die SPD-Linke Andrea Ypsilanti, die mit Wortbruch den Wahlsieg nachholen wollte, den sie am Wahltag zu ihren Bedingungen eben nicht errungen hatte, und seit dem 6. März die SPD-Rechte Dagmar Metzger, die vermuten ließ, dass Frau Ypsilantis Erfolg auf sich warten lassen könnte. Kochs Entschluss, sein Glück zu versuchen und bis auf weiteres auf Zeit zu spielen, wurde durch zwei Umstände erleichtert: die Verfassung und seine Freundschaft mit Hahn. Das Recht verpflichtete ihn ohnehin, die Regierungsgeschäfte weiterzuführen. Und er durfte sich darauf verlassen, dass er schließlich nicht als der Blamierte dastehen werde, weil sogar der FDP eine Koalition mit Frau Ypsilantis Truppe sinnvoller erschiene als mit ihm. Also ließ er seine Geburtstagsgratulanten spüren, dass er bereit war, sich der Prüfung zu stellen. Die Endnote blieb ungewiss, aber seine Standfestigkeit beeindruckte.

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