https://www.faz.net/-gpf-7b844

„Millionen-Marsch“ der Mursi-Anhänger : Ägypten vor Zerreißprobe

  • Aktualisiert am

Mursi-Anhänger demonstrieren in Kairo Bild: dpa

In Kairo haben am Freitag Zehntausende Anhänger und Gegner des vom Militär gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi demonstriert. Die Gefolgsleute des entmachteten Islamisten wollten mit ihren Protesten die Freilassung und Wiedereinsetzung des früheren Staatschefs erreichen.

          Ägyptens Islamisten machen gegen ihre Entmachtung mobil: Zehntausende strömten am Freitag zum „Marsch der Millionen“ in die Hauptstadt Kairo. Sie forderten, dass der gestürzte Präsident Mohammed Mursi wieder in sein Amt eingesetzt wird. Auf der Hauptkundgebung vor einer Moschee in der Vorstadt Nasr City riefen die Demonstranten: „Sagt der Welt, dass Ägypten islamisch ist und nicht weltlich.“ Flugblätter mit Parolen wie „Mursi ist mein Präsident“ und „Wir lehnen den Putsch ab“ wurden verteilt.

          Ägypten stand vor einer weiteren Zerreißprobe, weil Gegner Mursis zeitgleich auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo ihren Sieg über die Islamisten feiern wollten. Der erste freigewählte Präsident des Landes war am Mittwoch vergangener Woche vom Militär abgesetzt worden. Vor dem Umsturz waren Millionen Menschen gegen die islamistische Herrschaft Mursis auf die Straße gegangen.

          Angesichts der Polarisierung im Land befürchteten Beobachter erneut gewaltsame Auseinandersetzungen. Am ersten Freitag des Fastenmonats Ramadan errichtete die Armee an den Zufahrtstraßen zur Hauptstadt Kontrollpunkte. Bei Zusammenstößen zwischen Islamisten und Sicherheitskräften waren am vergangenen Montag mehr als 50 Menschen ums Leben gekommen. Am Ort der Hauptkundgebung, dem Platz vor der Raba-al-Adawiija-Moschee in Nasr City, campieren seit Tagen mehrere Tausend Mursi-Anhänger.

          Die Muslimbruderschaft - aus der Mursi stammt - fordert die Wiedereinsetzung des Ex-Präsidenten und ruft zum friedlichen Protest gegen den „Putsch“ des Militärs auf. Die Bewegung kündigte an, solange auf die Straße zu gehen, bis ihre Forderungen erfüllt seien. Der Aufenthaltsort des Ex-Präsidenten ist weiterhin unklar. Das Militär hatte Mursi unmittelbar nach seiner Entmachtung festgesetzt. Mehrere Führer der Bruderschaft wurden verhaftet, gegen andere Haftbefehle erlassen.

          Angesichts der tödlichen Unruhen und massenhaften Festnahmen mahnte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die ägyptischen Behörden zur Einhaltung der Menschenrechte. Er sei „tief besorgt“ wegen fortgesetzter Festnahmen, sagte Ban am Donnerstag nach einem Telefongespräch mit Ägyptens Außenminister Kamel Ali Amr. Er habe ihn an internationale Verpflichtungen erinnert und daran, dass Ägypten Versammlungs- und Redefreiheit garantieren müsse.

          Westerwelle verlangt Freilassung Mursis

          Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) verlangte die Freilassung Mursis. Nach Angaben des Auswärtigen Amts forderte er ein Ende der „aufenthaltsbeschränkenden Maßnahmen“, die vom Militär gegen den bisherigen Staatschef verhängt worden waren. Zudem müsse „unverzüglich“ eine unabhängige internationale Organisation wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz Zugang zu Mursi bekommen.

          Auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel griffen Bewaffnete erneut Sicherheitskräfte an und töteten zwei Polizisten. Wie aus Sicherheitskreisen verlautete, feuerten die Täter in der Stadt Al-Arisch eine Panzerabwehrrakete auf ein gepanzertes Fahrzeug. 25 weitere Polizisten wurden verletzt. Auf der Sinai-Halbinsel gibt es seit den arabischen Aufständen 2011 immer wieder bewaffnete Übergriffe auf Sicherheitskräfte.

          Weitere Themen

          Zwölfjähriger verhaftet Video-Seite öffnen

          Demos in Hongkong : Zwölfjähriger verhaftet

          Weitere Eskalation in Hongkong: Erstmals seit dem Beginn der Großkundgebungen der Demokratiebewegung in Hongkong Anfang Juni hat ein Polizist während einer Demonstration mindestens einen Schuss abgefeuert. Dutzende Demonstranten wurden festgenommen, darunter auch ein zwölf Jahre alter Junge.

          Topmeldungen

          Reformen der Koalition : Immer auf die Besserverdiener

          Egal ob Baukindergeld, Pflegereform oder Soli – die große Koalition schließt Einkommensstarke konsequent von finanziellen Entlastungen aus. Die Grenzen setzt sie dabei willkürlich und der Papierkrieg ist immens.

          Brandenburg : Ist das schlimmer als Diktatur?

          Angegriffen und abgehängt: Vor den Landtagswahlen kocht im Osten die Stimmung. Davon profitiert vor allem die AfD. Eine Reise durch die Dörfer Brandenburgs.
          „Er ist ein Kind“: Der frühere Kongressabgeordnete Walsh tritt über Trump an

          „Er ist ein Kind“ : Republikaner Walsh fordert Trump heraus

          Donald Trump sei dem Präsidentenamt nicht gewachsen, sagt der frühere Kongressabgeordnete Joe Walsh über Donald Trump. Bei den Vorwahlen der Republikaner will der Radio-Moderator ihn herausfordern.

          AfD in Sachsen : Die DDR ist ein Wahlkampfschlager

          In Sachsen will die AfD die Landtagswahl gewinnen – dafür bedient sie gezielt ein Zerrbild der Wirklichkeit. Ihre Wähler stört das nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.