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Militärparade auf der Krim : Wo selbst der Himmel russisch ist

Nach den Proben für die Parade geht’s zum Fototermin am Weltkriegsmahnmal Bild: AFP

An der Siegesparade an diesem Freitag in Sewastopol auf der Krim nimmt womöglich Präsident Putin teil. Klar ist schon jetzt, dass sie den Rahmen aller bisherigen Feierlichkeiten sprengen wird.

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          Die Krim ist vorbereitet. Findige Händler haben nicht nur viele russische Flaggen verkauft, die nun hinter den Windschutzscheiben der Autos prangen, sondern auch viele Fahnen, die eigens für die Parade zum „Tag des Sieges“ am 9. Mai produziert wurden. Sie sind - wie sollte es anders sein? - sowjetrot gehalten. Von Plakaten am Straßenrand schaut ein entschlossen blickender alter Mann in Uniform mit Schnauzbart und Orden auf der Brust die Passanten an, um auf die Feierlichkeiten hinzuweisen. Auch kann man wieder den Spruch lesen: „Danke, Großvater, für den Sieg!“ Auf Russisch reimt sich das sogar. Im Staatsfernsehen laufen die Ankündigungen, von Marschmusik untermalt, wo und wann marschiert wird: Der 69. Jahrestag des Sieges über das nationalsozialistische Deutschland wird in Moskau und in 25 weiteren Städten Russlands gefeiert - und auf der Krim, muss man nach westlicher Lesart anfügen.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Sowjetische Orden werden hervorgeholt, die Leute stecken sich das schwarz-orange Sankt-Georgs-Band an. Es ist ein Relikt aus Stalins Tagen, das an den Triumph über den Faschismus erinnert, und dieser Tage mehr denn je obligat. Schließlich erhebt nach russischer Sicht der Dinge der Faschismus just wieder sein Haupt.

          Präsident Wladimir Putin will am Freitagmorgen die traditionelle Militärparade über den Roten Platz abnehmen, an der angeblich auch maskierte Spezialkräfte teilnehmen, die auf der Krim im Einsatz waren. Es heißt, am Nachmittag in Sewastopol würden „führende Persönlichkeiten des Staates“ dabei sein, womit nach allgemeinem Verständnis Putin gemeint ist, auch wenn es formal noch andere gibt, die womöglich auch kommen werden. Kleinere Paraden gibt es auf der Krim auch in Kertsch, von wo die Fähren nach Russland fahren, und in Armjansk im Norden der Halbinsel - also an der neuen faktischen Grenze mit der Ukraine.

          Probemarsch in Sewastopol
          Probemarsch in Sewastopol : Bild: AFP

          Ganz besonders großartig soll die Feier aber in Sewastopol werden, einer der „Heldenstädte“, die diesen Ehrentitel wegen ihrer Rolle im Zweiten Weltkrieg erhielten. Denn einerseits wird hier zusätzlich des 9. Mai 1944 gedacht, dem Tag der Befreiung der Stadt von den deutschen Besatzern. Es ist also ein runder Jahrestag. Andererseits wird ohnehin gerade die „Wiedervereinigung“ der Krim mit Russland begangen. In Sewastopol, der Stadt der Schwarzmeerflotte, leben besonders viele ehemalige und gegenwärtige russische Armeeangehörige und ihre Verwandten: Hier dürfte die Unterstützung für Putins Kurs noch größer sein als anderswo.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte dieser Tage, es sei „schade“, den Jahrestag des Sieges über den Nationalsozialismus „in einem solchen Spannungsfeld“ für eine Parade zu nutzen. Allerdings finden in Sewastopol jedes Jahr Siegesparaden statt - in vergangenen Jahren freilich auch mit ukrainischer Beteiligung. Blaugelbe Fahnen dürften in diesem Jahr in Sewastopol nicht zu sehen sein (und wenn doch, dann nicht lange). Außerdem soll die diesjährige Parade in Sewastopol laut unterschiedlichen Angaben eineinhalb Mal bis doppelt so groß werden.

          Hier wird eine Schlacht von 1944 nachgestellt
          Hier wird eine Schlacht von 1944 nachgestellt : Bild: AFP

          Überhaupt soll der 9. Mai 2014 in Sewastopol ein ganz phantastisches Fest werden. Um zehn Uhr geht es los mit einer Parade von Soldaten und Helden des Krieges im Zentrum der Stadt. Um zwölf können sich Veteranen in einer Feldküche stärken. Um 13 Uhr folgt eine Feier in einem Vergnügungspark. Der Höhepunkt ist dann für 16 Uhr angesetzt: Die Parade mit Flugzeugen und Kriegsschiffen über und in der Bucht. 70 Kampfflugzeuge sollen in rund 400 Metern Höhe in Formation fliegen, und zwar in Abstimmung mit den Kriegsschiffen. Was die Zuschauer genau erwartet, die sich dann zweifelsohne am Hafen drängen werden wie nie zuvor, soll nach Angaben einer Lokalzeitung noch geheim sein. Klar ist jedenfalls, dass die Schwarzmeerflotte dabei sein wird und die „Krusenstern“, die eigens aus Kaliningrad, dem früheren Königsberg, eingetroffen ist.

          Die Abgase der Kampfflieger sollen in den Landesfarben blau, weiß und rot den Himmel weiter russifizieren. Am Samstag und am Dienstag haben sie schon an Ort und Stelle geprobt. Internetnutzer kommentierten danach begeistert, die Schau sei sehr schön und mache einen stolz. Ein Kommentator äußerte, dass Tränen flössen, „weil wir in Russland sind“ und „unter Schutz“ stünden. Um 16.30 Uhr steht dann ein Kadettenball auf dem Programm, um 19 Uhr ein Gala-Konzert, um 22 Uhr dann noch die traditionellen Salutschüsse und zu guter Letzt ein Feuerwerk. Außerdem ist den ganzen Tag über am Hafen eine Fotoausstellung mit Bildern aus den Kriegsjahren 1941 bis 1944 zu sehen.

          Passend zum Tag des Sieges hat Putin gerade ein Gesetz unterzeichnet, dass die „Rehabilitierung des Nazismus“ bestraft: Es läuft im Wesentlichen darauf hinaus, dass derjenige, der behauptet, die UdSSR habe im Zweiten Weltkrieg irgendetwas falsch gemacht, mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden kann. Nutzt er dazu auch noch ein Massenmedium, droht Haft von bis zu fünf Jahren.

          Jagdflugzeuge im Formationsflug
          Jagdflugzeuge im Formationsflug : Bild: dpa

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