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Michail Prochorow : Der kritische Oligarch

Milliardär Michail Prochorow

Milliardär Michail Prochorow Bild: dpa

Bis vor einem Jahr war Michail Prochorow ein russischer Oligarch wie jeder andere. Dann wurde er vom Kreml gestürzt. Bei der Präsidentenwahl erzielte er einen überraschenden Erfolg.

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          Bis zum Frühjahr 2011 war Michail Prochorow ein russischer Oligarch wie andere auch: Wenn er auffiel, dann durch Streitigkeiten mit einstigen Geschäftspartnern über Milliardenwerte, durch Eskapaden in westeuropäischen Luxusferiendomizilen und durch eine Vorliebe für ausländische Sportclubs - der Zwei-Meter-Mann war 2010 der erste Ausländer, der einen Mehrheitsanteil an einem Club der amerikanischen Basketball-Liga NBA erwarb. Politische Ambitionen zeigte er nicht.

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

          Das änderte sich im Mai 2011, als der 1965 geborene Prochorow ankündigte, er werde in die kleine liberale Partei „Rechte Sache“ (Prawoje Delo) eintreten, ihr Vorsitzender werden und sie bei der Duma-Wahl im Dezember ins Parlament führen. Wie es dazu kam, liegt im Dunkeln: Schon einen Monat vor der öffentlichen Erklärung hatte es Gerüchte gegeben, der Kreml habe Prochorow die Führung der Partei angeboten, doch dieser habe abgelehnt. Die „Rechte Sache“ sollte als liberales Element das vom Kreml gesteuerte Parteiensystem vervollständigen und die städtische Mittelschicht an das Regime binden - also jene Bevölkerungsgruppe, die nun am stärksten an den Protesten gegen das System Putin beteiligt ist. Von Opposition war damals nicht die Rede: Prochorow sagte, es gebe keine Alternative zu Wladimir Putin.

          Nach vier Monaten war die „Gerechte Sache“ vorbei

          Die Parteikarriere des Multimilliardärs endete nach vier Monaten: Auf dem Wahlparteitag im September 2011 wurde er gestürzt. Niemand in Moskau zweifelte, dass dahinter der Kreml steckte, was Prochorow durch einen wütenden Angriff auf dessen obersten Strippenzieher Wladislaw Surkow indirekt bestätigte. Der Grund war vermutlich, dass sich Prochorow bei der Aufstellung der Kandidatenliste für die Duma-Wahl zu große Eigenmächtigkeiten geleistet hatte. Mit dem Abgang Prochorows war auch das Projekt „Rechte Sache“ gestorben, deren Ergebnis bei der Duma-Wahl am 4. Dezember mikroskopisch klein blieb.

          September 2011: Prochorow auf einer Pressekonferenz der Partei „Gerechte Sache“
          September 2011: Prochorow auf einer Pressekonferenz der Partei „Gerechte Sache“ : Bild: REUTERS

          Mit Kritik an den Manipulationen zugunsten von Einiges Russland bei dieser Wahl begann der zweite Teil von Prochorows politischer Karriere: Mitte Dezember kündigte er seine Kandidatur bei der Präsidentenwahl an. Und wieder wurde vermutet, Prochorow sei ein Projekt des Kremls. Auch wenn er sich auf Demonstrationen gegen die Wahlfälschungen zeigte, vermied Prochorow offene Kritik an Wladimir Putin. Akzente setzte er indirekt, etwa indem er über den von Putin ins Gefängnis gebrachten Michail Chodorkowskij sagte, dieser könne unter ihm als Präsidenten Regierungschef werden.

          Prochorow war der einzige im Kandidatenfeld, der sich Putin nicht schon früher als Sparringspartner zur Verfügung gestellt hatte. Sein überraschender Erfolg in Moskau, Sankt Petersburg und Jekaterinburg, wo er die zweitmeisten Stimmen bekam, lag sicher auch daran, zeigt aber zugleich, dass es in Russland eine Basis für eine liberale Partei gäbe, wenn man sie ließe. Prochorow hat schon während des Wahlkampfs die Gründung einer eigenen Partei angekündigt. Dass Putin ihm dafür am Tag nach der Wahl Erfolg gewünscht hat, könnte ihrem Erfolg freilich schaden.

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