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Michail Kalaschnikow gestorben : Die Waffe lebt

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Michail Kalaschnikow (1919-2013) Bild: dpa

Er erfand das meistproduzierte Schnellfeuergewehr der Welt. Reich aber wurde er damit nicht. Michail Kalaschnikow plagten in seinen späten Lebensjahren Zweifel über die Folgen seines Lebenswerks. Nun ist er im Alter von 94 Jahren gestorben.

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          Der Erfinder des meistproduzierten Schnellfeuergewehrs der Welt, Michail Kalaschnikow, hinterlässt Kindern und Enkeln keine Reichtümer. In den Genuss von Tantiemen für die Nutzung seiner Erfindung kam er nie. Immerhin erfuhr der Waffenkonstrukteur in seiner Heimat viele Ehrungen für die Entwicklung „der Kalaschnikow“ und starb im Rang eines Generals, der dem einstigen Gefreiten der Roten Armee verliehen worden war. Zum 70. Jahrestag des sowjetischen Sieges über Hitlerdeutschland im Zweiten Weltkrieg im Jahr 2015 hatte der Alte aus Ischewsk im Ural eigentlich unbedingt in Berlin sein wollen und am 9. Mai die Mauern des Reichstags berühren wollen.

          „So Gott will, werde ich meinen Traum wahr machen!“, hatte Kalaschnikow noch Ende 2012 in einer Botschaft an die Landsleute geschrieben. Da war er 93 Jahre alt und gerade wieder einmal vom Krankenlager aufgestanden. Vor mehr als einem halben Jahrhundert, im Herbst 1941, hatte eine deutsche Panzerkanone den Krieg für den Rotarmisten Kalaschnikow vorzeitig beendet. Sein brandneuer T-34 wurde bei Brjansk in Brand geschossen; er selbst wurde dabei schwer an der Schulter verletzt.

          Der offizielle Name des gemeinhin als „Kalaschnikow“ bezeichneten Gewehrs, das Kürzel AK 47, steht für „Awtomat Kalaschnikowa obrasza 47“ (automatisch repetierendes Sturmgewehr Kalaschnikows vom Typ 1947). Wie die Jahreszahl zeigt, wurde das neue Sturmgewehr erst 1947 fertig. Aber bereits im Lazarett hatte Kalaschnikow über Plänen für neue Waffen gebrütet. Aus Mitleid mit seinen Kameraden, sagte er später, die über schlechte Bewaffnung im Kampf gegen die Deutschen geklagt hätten. In einer Waffenschmiede der Armee im Hinterland der Front tüftelte Kalaschnikow weiter. Heraus kam — nachdem der Krieg zu Ende war — ein geniales Produkt von einem Konstrukteur, der eigentlich als Autodidakt begonnen hatte. Zwei Jahre später wurde „die Kalaschnikow“ in Großserie von den Sowjetstreitkräften eingeführt und ist bis heute nach einigen Modernisierungen die wichtigste Handfeuerwaffe der russischen Infanterie geblieben. Obschon sie eigentlich keine Polizeiwaffe ist, wurden auch die Miliz und später die Polizei mit dem „Awtomat“, wie die Russen das Gewehr schlichtweg nennen, ausgerüstet.

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          Die Vorteile der neuen Waffe bestanden zum einen in deren Konstruktion aus nur wenigen Teilen, was einfache Handhabung verbürgte und sie nahezu unverwüstlich machte. Die Kalaschnikow schoss — theoretisch mit 600 Schuss je Minute — auch dann noch, wenn sie im Sumpf gelegen hatte und bewahrte ihre Funktionstüchtigkeit selbst in Sandstürmen. Andererseits kam, ähnlich wie beim deutschen Sturmgewehr 44, bei der AK 47 ein von Kalaschnikow perfektionierter Gasdrucklader zur Anwendung. Dabei wird der Druck des Gases von explodierenden Patronentreibladungen genutzt, um die Patronenhülse auszuwerfen und eine neue Patrone aus dem Magazin in den Lauf einzuführen und abzufeuern, so lange der Abzug gedrückt bleibt.
          Kalaschnikow erhielt den Stalinpreis für die Entwicklung der AK 47 und wurde in den Obersten Sowjet gewählt.

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