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Michael Kölmel : Monopoly-Spieler der Kinowelt

Michael Kölmel Bild: Kinowelt Medien AG

Als im Juli ein Münchner Richter Michael Kölmel zu einer Bewährungsstrafe von 22 Monaten Haft verurteilte, nannte er sein früheres Geschäftsgebaren ein riskantes "Monopoly-Spiel".

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          Als im Juli ein Münchner Richter Michael Kölmel zu einer Bewährungsstrafe von 22 Monaten Haft verurteilte, nannte er sein früheres Geschäftsgebaren ein riskantes "Monopoly-Spiel". Der Gründer des Filmrechtehändlers Kinowelt AG habe kurz vor der Zahlungsunfähigkeit Firmengelder in seine Gesellschaft Sportwelt GmbH transferiert und sich damit der Insolvenzverschleppung schuldig gemacht.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Jetzt, keine sechs Monate später, verkauft der Monopoly-Spieler Kölmel seinen schönsten Prunkbau: Er will das Leipziger Zentralstadion an den Düsseldorfer Veranstalter Gerald Wagener veräußern. Investiert hat Kölmel in die schöne Arena rund 27 Millionen Euro, verkaufen will er sie angeblich für 35 Millionen. Das Risiko für die Finanzierung der Mehrkosten sei ihm zu hoch geworden, sagt Kölmel. In den Stadionbau fließen rund 116 Millionen Euro und damit 26 Millionen Euro mehr als geplant; zwei Drittel davon sollte Kölmel übernehmen, ein Drittel die Stadt.

          Wenn der Deal mit Wagener zustande kommt, dürfte der Krauskopf Kölmel wieder einiges Spielgeld frei haben. Was genau er damit vorhat, sagt der Einundfünfzigjährige nicht, nur daß er sich mehr auf das Filmgeschäft konzentrieren werde. Möglich ist, daß er weiterhin bei der insolventen Senator Entertainment AG in Berlin einsteigen will. Weit wäre es nicht in die Hauptstadt, denn Kölmel ist heute der Geschäftsführer der Kinowelt International GmbH, eines Nachfolgeunternehmens der alten AG, das in geschrumpfter Form von München nach Leipzig umgezogen ist und dort 50 Millionen Euro Umsatz erzielt und wohl auch einen Gewinn erwirtschaftet.

          Klar ist, daß Kölmel nicht entfernt daran denkt, von seinen Expansionsplänen abzulassen, obwohl er sich daran so schmerzlich die Finger verbrannt hat. Seit seiner Jugend kann er sich, wie er selbst sagt, kein Leben ohne den Film vorstellen. 1954 in Karlsruhe geboren, studierte er in Göttingen Mathematik und Volkswirtschaftslehre und wurde dort promoviert. Mit kleinem Startkapital - das angeblich zum Teil aus dem Verkauf eines VW Polo stammt - kauften er und sein Bruder Rainer 1984 ihre ersten Filmrechte. Drei Jahre später zogen sie in die deutsche Filmmetropole München um, wo ihnen 1996 mit der Vermarktung des Kinohits "Der englische Patient" der Durchbruch gelang. Zwei Jahre später gingen die Kölmels mit ihrer Kinowelt AG an die Börse, machten bald 200 Millionen DM Umsatz und trieben den Börsenwert in dem überhitzten Medienmarkt in die Milliarden. Der Niedergang folgte 1999 nach dem Kauf eines Medienpakets des Hollywood-Produzenten Warner Bros.

          Den gigantischen Kaufpreis von mehr als einer halben Milliarde DM konnte die Kinowelt nicht wieder einspielen, denn die überteuerten Filme ließen sich in Deutschland nicht an den Mann bringen. Als die Banken ihre Kredite kündigten, mußte die Kinowelt Insolvenz anmelden, später auch die Sportwelt. Wegen möglicher unlauterer Machenschaften gerieten die Kölmels und ihre Geschäftspartner immer wieder ins Visier der Fahnder, es kam zu Hausdurchsuchungen, Festnahmen und zu Prozessen.

          Ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte die Auseinandersetzung bei der Verurteilung im Juli. Kölmel sei kein Schwerverbrecher, attestierte ihm der Richter mit einem Seitenhieb auf die Staatsanwaltschaft, die neun Jahre Haft gefordert hatte, eher eben ein Spieler. Wer Kölmel kennengelernt hat, kann diese Einschätzung präzisieren. Der schlaksige Lockenkopf, der ein bißchen wie Pierre Richard aussieht, wirkt nicht wie ein Zocker, sondern wie ein großer Junge, ein Spielkind. Mit milder, badisch gefärbter Stimme kann er sich schnell für eine Sache begeistern, verliert dann bald die Lust und wendet sich einem anderen Spielzeug zu. Man könne ihm nicht böse sein, sagen die einen. Er verstelle sich hinter der kindlichen Fassade, argwöhnen die anderen.

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