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Ukraine : Ermittlungen am Absturzort von MH17 kommen voran

  • Aktualisiert am

Untersuchungen nahe Grabowo Bild: REUTERS

Weitgehend ungehindert können internationale Fachleute am Ort des Flugzeugabsturzes in der Ostukraine nach weiteren Leichen und Indizien suchen. Die Lage im Konfliktgebiet bleibt aber gespannt.

          Mit Leichenspürhunden haben Fachleute an der Absturzstelle der malaysischen Passagiermaschine in der Ostukraine die Suche nach vermissten Opfern der Katastrophe fortgesetzt. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) teilte am Samstag mit, dass insgesamt fast 80 internationale Experten an dem Trümmerfeld im Ort Grabowo im Einsatz seien. Demnach gab es zunächst keine neuen Berichte über Behinderungen der Untersuchung durch Kämpfe zwischen ukrainischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten. Die anhaltenden Gefechte hatten zuletzt den Zugang zum Ort des Absturzes behindert.

          Bei dem mutmaßlichen Abschuss des Flugzeugs mit einer Boden-Luft-Rakete waren am 17. Juli alle Passagiere und die Besatzung ums Leben gekommen. Die Ukraine und die Separatisten werfen einander vor, die Boeing 777-200 mit der Flugnummer MH17 abgeschossen zu haben.

          An der Absturzstelle waren vor allem Fachleute aus den Niederlanden und aus Australien im Einsatz. Beide Nationen hatten besonders viele Todesopfer zu beklagen. Die Niederlande leiten die Untersuchungen zu der Tragödie. Dabei soll auch die Schuldfrage beantwortet werden.

          In den umkämpften Gebieten Donezk und Lugansk spitzte sich die Lage weiter zu. In der Großstadt Lugansk berichteten die Behörden von einem völligen Stromausfall. Es gebe kein Licht, kein Wasser und keinen Mobilfunk. „Lugansk liegt unter totaler Blockade und Isolation“, teilte Bürgermeister Sergej Krawtschenko mit. Der tagelange Beschuss habe große Teile der Infrastruktur zerstört, darunter das städtische Klinikum und zahlreiche Wohnhäuser.

          Die Lage sei kritisch und am „Rande einer humanitären Katastrophe“, hieß es. „Was heute in Lugansk geschieht, lässt sich nur schwer eine Antiterroroperation nennen. Das ist ein ganz und gar echter Krieg“, teilte die Stadtverwaltung mit. Auch in Donezk waren wieder Explosionen und Gefechtsfeuer zu hören, wie die von den prorussischen Separatisten geführte Agentur Novorossia meldete. Unabhängige Berichte gab es nicht.

          Erler warnt vor Krieg mit Russland

          Der Russlandbeauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler (SPD), warnt davor, dass die Regierungen in Kiew und in Moskau eine militärische Entscheidung des Ukraine-Konfliktes suchen könnten. „Die amerikanische Seite beobachtet, dass sich russische Artillerie schon jetzt direkt in die Kämpfe einschaltet und die Separatisten unterstützt“, sagte Erler der „Passauer Neuen Presse“. Es sei auch kaum vorstellbar, dass Russlands Präsident Wladimir Putin zulassen werde, „dass die von ihm unterstützten Separatisten militärisch besiegt werden“. Die neuen Militärmanöver im Süden Russlands deuten nach Ansicht Erlers ebenfalls darauf hin, „dass der Kreml hier direkt eingreifen könnte“. Umgekehrt habe die Ukraine eine Kriegssteuer eingeführt und schließe offenbar selbst nicht aus, eine militärische Entscheidung zu suchen.

          Zwar sieht Erler „hoffnungsvolle Ansätze“ für eine politische Lösung, etwa den beschlossenen Gefangenenaustausch zwischen der Ukraine und den prorussischen Separatisten sowie die Fortsetzung der regionalen Waffenruhe an der Absturzstelle von Flug MH17. Allerdings müsse es nun auf Ebene der Staats- und Regierungschefs „endlich substantielle Verhandlungen über eine politische Friedenslösung geben“.

          Die europäischen Wirtschaftssanktionen wertete Erler als „Signal, dass in der EU Unverständnis darüber herrscht, wie sich Russland vor allem nach dem Absturz des malaysischen Passagierflugzeugs verhalten hat“. Der SPD-Politiker machte Moskau in diesem Zusammenhang schwere Vorwürfe: „Da sind Zusagen nicht eingehalten worden und falsche Schuldzuweisungen gemacht worden. Und die Unterstützung der Separatisten geht weiter. Das ist zu viel und hat jetzt die dritte Stufe der Sanktionen zur Folge.“

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