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Messe für ehemaligen Kanzler : Requiem für Helmut Kohl in Speyer

  • Aktualisiert am

Maike Kohl-Richter folgt dem Sarg mit Altkanzler Helmut Kohl der mit großem militärischen Ehrengeleit aus dem Dom von Speyer getragen wird. Bild: Reuters

Nach dem europäischen Trauerakt in Straßburg fand am Samstagabend im Dom von Speyer ein Requiem für Helmut Kohl statt. An der Totenmesse nahmen ranghohe Politiker aus aller Welt teil.

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          Begleitet von massiven Sicherheitsvorkehrungen hat am frühen Samstagabend im Speyerer Dom das Pontifikalrequiem für den vor zwei Wochen gestorbenen Altkanzler Helmut Kohl begonnen. An der Totenmesse nahmen ranghohe Politiker aus aller Welt teil. Die Witwe Maike Kohl-Richter saß während des Gottesdienstes zwischen dem früheren amerikanischen Präsidenten Bill Clinton und Jean-Claude Juncker, dem Präsidenten
          der Europäischen Kommission. Die Totenmesse vor rund 1.500 geladenen Gästen leitete der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann.

          Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann leitet die Totenmesse vor ca. 1500 Gästen. Bilderstrecke

          Beim Pontifikalrequiem sagte Bischof Karl-Heinz Wiesemann, für den tiefgläubigen katholischen CDU-Politiker seien es zwei Seiten einer Medaille gewesen, Patriot und Europäer zu sein. Die deutsche Einheit, fest eingebunden in die Europäische Gemeinschaft, werde zu Recht immer mit seinem Namen verbunden bleiben, sagte der Speyerer Bischof. Er würdigte in seiner Ansprache „einen wahrhaft großen Staatsmann“. Zugleich ging er auf die Situation der Angehörigen ein. Er betonte, Kohl-Richter habe ihrem Mann entsprechend dem Eheversprechen „in guten wie in bösen Tagen, in Gesundheit wie in Krankheit“ beigestanden. Das Mitempfinden gelte aber auch den Söhnen und Enkeln, die ihren Vater und Großvater verloren hätten. Ohne auf den familiären Streit direkt einzugehen sagte Wiesemann wörtlich: „Uns berührt und erschüttert das Große wie auch das nach Erlösung Rufende, das diesen Tod umgibt.“

          Der Bischof erinnerte während der Feier an Kohls persönliche Beziehung zum Speyerer Dom. Sie hatte damit begonnen, dass Kohl hier mit seiner Mutter im Zweiten Weltkrieg Zuflucht vor Fliegerbomben fand. Als Kanzler führte Kohl Staatsgäste aus aller Welt nach Speyer. Bis zu seinem Tod stand er der „Europäischen Stiftung Kaiserdom zu Speyer“ vor. Wiesemann wies ferner darauf hin, dass das Portal, durch das der Leichnam am Ende auf den Platz vor dem Dom gebracht wird, ein Geschenk der rheinland-pfälzischen Landesregierung zum 900-jährigen Weihejubiläum des Kaiserdoms war. Der Ministerpräsident 1961 hieß Helmut Kohl.

          Neben Wiesemann standen auch Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Präsident der EU- Bischofskommission COMECE, Wiesemanns Vorgänger als Bischof von Speyer, Kardinal Friedrich Wetter und Bischof Anton Schlembach, sowie Weihbischof Otto Georgens und der päpstliche Nuntius Nikola Eterovic am Altar.

          Die kirchliche Zeremonie dauerte rund anderthalb Stunden. Im Anschluss an den Gottesdienst gab es ein militärisches Ehrenzeremoniell der Bundeswehr. Kohl wurde im engen Freundes- und Familienkreis bestattet. Kohl wurde nicht im Familiengrab in Ludwigshafen bestattet.

          Nach dem europäischen Trauerakt in Straßburg am Samstagvormittag, der eine Premiere in der Geschichte der Europäischen Union darstelle, war der Sarg mit dem Leichnam Kohls von einem Hubschrauber nach Ludwigshafen geflogen worden. Dort fuhr ein Trauerkonvoi durch die Innenstadt, bevor der Sarg an Bord der „MS Mainz“ rund fünf Kilometer über den Rhein nach Speyer gebracht wurde.

          Kohl war am 16. Juni im Alter von 87 Jahren nach langer Krankheit in Ludwigshafen gestorben. Der CDU-Politiker war von 1982 bis 1998 Bundeskanzler. Eine so lange Amtszeit von 16 Jahren hatte bislang kein bundesdeutscher Regierungschef.

          Totenmesse für Helmut Kohl im Dom von Speyer

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