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Nach Merkels Zitteranfall : Die Frage nach dem Gesundheitszustand

  • -Aktualisiert am

Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde beim Empfang des ukrainischen Präsidenten vor zwei Wochen in Berlin von einem „Zitteranfall“ gequält. Bild: dpa

Spitzenpolitiker haben gesundheitliche Probleme – so wie andere Menschen. Darüber hinaus haben sie aber auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Schwieriger wird die Sache dadurch, dass sie immer beobachtet werden.

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          Helmut Schmidt hat einmal über sich erzählt, er sei in seiner Zeit als Politiker etwa hundert Mal ohnmächtig geworden. Bis in die Geschichtsbücher schaffte es ein Fall aus dem Jahr 1980, in dem dem damaligen Bundeskanzler das bei einem Vier-Augen-Gespräch mit dem französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d'Estaing in Paris passierte. Ursache dieser Ohnmachtsanfälle sollen Kreislaufstörungen gewesen sein. Schmidt, der hemmungslos rauchte und mehrfach einen Herzschrittmacher eingesetzt bekam, wurde fast hundert Jahre alt.

          Eckart Lohse
          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Über den Vorfall in der französischen Hauptstadt wurde später erzählt, Schmidt habe sich so schnell erholt, dass er kurz darauf an den Journalisten vorbeigelaufen sei, ohne dass diese etwas gemerkt hätten. So viel Glück hatte Kanzlerin Angela Merkel nicht. Am Donnerstag erlitt sie das, was in den Medien als „Zitteranfall“ bezeichnet wurde. Für einige Minuten zitterte sie am ganzen Körper, mitten im Schloss Bellevue, als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die bisherige Justizministerin verabschiedete und der neuen ihre Urkunde überreichte.

          Öffentlichkeit war also garantiert, die Meldung über Merkels Unpässlichkeit machte schnell die Runde. Sie sorgte vor allem deswegen für Aufregung, weil es der zweite Fall dieser Art innerhalb von nicht einmal zwei Wochen gewesen ist. War es beim ersten Mal noch extrem heiß in Berlin und Merkel stand im Freien, so herrschen im Dienstsitz des Bundespräsidenten gemäßigte Temperaturen. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte nur, Merkel gehe es gut, es bleibe bei ihren Plänen. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte einen Regierungsvertreter mit den Worten: „Die Erinnerung an den Vorfall in der letzten Woche führte zu der Situation heute – also ein psychologisch-verarbeitender Prozess." Es gebe keinerlei Grund zur Sorge. Merkel bestieg ihr Flugzeug, reiste nach Japan, von wo sie bereits Samstagabend zurückgekehrt sein wird. Am Sonntag geht es dann nach Brüssel, wo die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union versuchen wollen, in ihrem Streit darüber voranzukommen, wer neuer Präsident der EU-Kommission wird.

          Medizinische Ferndiagnosen verbieten sich aus Respekt vor der Person, das gilt im Übrigen nicht nur für Politiker. In aller Regel erwachsen aus derartigen Versuchen ohnehin keine belastbaren Erkenntnisse. Aber die Frage, ob ein Spitzenpolitiker die volle Einsatzfähigkeit aufbringt, die sein Amt – zuvorderst das des Bundeskanzlers – erforderlich macht, stellt sich dennoch nach solchen Vorfällen. Die Antwort im konkreten Fall wird nur Merkel selbst geben können. Kaum in Japan angekommen, begab sie sich in intensive Gespräche mit ihren G-20-Partnern und berichtete anschließend detailliert, worüber sie diskutiert hätten. Merkel endete mit den Worten: „Alles in allem war es also bis hierher ein ausgefüllter Tag.“ Kanzlerbusiness as usual.

          Stabile Gesundheit als Bedingung

          Um in der Politik ganz nach oben aufsteigen zu können, gibt es viele Voraussetzungen: Gespür für politische Vorgänge, eisernen Willen, gute Vernetzung, solide Fachkenntnisse. Doch ein Faktor wird bisweilen unterschätzt: Erste Bedingung für ein politisches Spitzenamt und allen voran das Bundeskanzlers ist eine weit überdurchschnittlich stabile körperliche Konstitution. Den dauerhaften Druck, der äußerstenfalls am Wochenende mal für einen halben Tag nachlässt, vielleicht in den wenigen Urlaubswochen des Jahres ein bisschen, wäre für die meisten Menschen nicht auszuhalten.

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