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Zu Besuch im Wahlkreis : „Wenn sie nicht mehr Kanzlerin ist, werden wir vergessen“

Zwischen Schnaps und Rauch: Die spätere Kanzlerin zwischen Fischern auf der Insel Rügen. Bild: Meldepress/ Michael Ebner

Die mächtigste Frau der Welt und ihr Wahlkreis am Ende der Welt. Über Schmutz an Hundepfoten, einen lädierten Sanddornstrauch und eine Kanzlerin, die Berge liebt.

          6 Min.

          Angela Merkel ist im Laufe ihrer Karriere unzählige Male fotografiert worden, aber ein Bild hat sich besonders eingeprägt. Es entstand 1990 und zeigt sie zwischen Fischern in Lobbe auf der Insel Rügen. Ein toller Schnappschuss: eine junge Frau zwischen wettergegerbten Männern. Schnaps gab es, geraucht wurde auch. Es war in Merkels erstem Bundestagswahlkampf. Sie war 36 Jahre alt. Später erzählte sie über diese Begegnung: „Ich habe damals zum ersten Mal einen Steinbutt angefasst. Die Ablagerungen auf seiner Haut fühlen sich tatsächlich wie Stein an.“ Die Welt, die da in der Fischerhütte zu sehen ist, gibt es schon lange nicht mehr, die Fischer sind gestorben oder nicht mehr Fischer. Die junge Frau aber machte ihren Weg und wurde Bundeskanzlerin.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Einer ihrer entscheidenden Fürsprecher für ihre erste Bundestagskandidatur war ein vorpommerscher Landrat: Wolfhard Molkentin. Über ihn erzählte Merkel später, er habe die Kandidatin streng examiniert und gefragt, ab welcher Bodenwertzahl Zuckerrüben anzubauen seien. Molkentin ist längst im Ruhestand, betreibt ein bisschen Landwirtschaft und Bienenzucht. Die Kanzlerin besucht ihn, wenn er einen runden Geburtstag hat, und Molkentin liefert ihr jedes Jahr die Weihnachtsgans.

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