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Wahl der Parteispitze : Merkel und die Wurzeln der CDU

März 2000: Angela Merkel wirbt für sich auf Regionalkonferenzen. Bild: Stefan Boness/Ipon

Anlässlich des aktuellen Kampfes um den CDU-Vorsitz ist es Zeit, einen Blick zurück zu werfen. Seit 18 Jahren steht Angela Merkel an der Spitze der Partei – mit welchem Kompass?

          Vor dem Hintergrund der „schwersten Krise in der Geschichte der CDU“ kommen die 1001 Delegierten des Bundesparteitags der CDU zusammen, um eine neue Parteispitze zu wählen. So hieß es schon am 10. April des Jahres 2000 in dieser Zeitung, als Angela Merkel sich anschickte, neue Bundesvorsitzende der Partei zu werden. Kritik wurde damals kurz vor Beginn des Parteitags an dem scheidenden Parteivorsitzenden Wolfgang Schäuble laut. Dessen in den Tagen zuvor öffentlich geäußerte Klagen über frühere Intrigen wurden als falsch und disziplinlos kritisiert. Schon vor der Zusammenkunft der Delegierten in Essen gab Angela Merkel zu erkennen, was in der CDU geändert werden müsse: Während die Partei bis dahin darauf beharrte, dass Deutschland kein Einwanderungsland sei, kündigte Frau Merkel an, mit der rot-grünen Bundesregierung über die Einwanderung von Ausländern aus Nicht-EU-Ländern zu sprechen.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

          Als Angela Merkel dann einen Tag später mit fast 96 Prozent der Stimmen zur Vorsitzenden gewählt worden war, sagte sie mit Blick auf das beginnende neue Jahrhundert, es werde „fast nichts mehr so sein, wie es war“. Die CDU werde künftig für ihre Politik „die Perspektive der heute Jungen wählen“, weil sie eine Politik wolle, die über den Tag hinaus Gültigkeit habe. Als Anspruch der CDU formulierte die neue Vorsitzende vor 18 Jahren: „Wohlstand und Teilhabe für alle, eine führende Rolle Deutschlands in einem fairen Wettbewerb um eine menschliche Gesellschaft mit anderen Ländern der Welt“. Sie wolle, so die Vorsitzende, eine Grundsatzdebatte über die Fragen Asyl und Zuwanderung führen. Es werde sich nichts an der Grundhaltung ändern, dass Deutschland weiterhin Menschen in Not aufnehmen werde.

          Und Merkels Grundhaltung? Was treibt sie an? Ein Hauptvorwurf in all den Jahren zielte auf ihren pragmatischen Führungsstil, ihr Auf-Sicht-Fahren, das, was Wolfgang Schäuble jetzt an Merz in dieser Zeitung lobt: „Friedrich Merz ist ein Mann, der mit klaren Konzepten klare Signale sendet, der den Mut hat, nicht nur das Ende einer Diskussion abzuwarten, sondern sie stattdessen zu gestalten.“ Unabhängig davon, ob das auf Merz oder die anderen Kandidaten wirklich zutrifft: Es zielt auf Merkel.

          Hat sie einen Kompass – und wohin zeigt er? Kurz vor dem Parteitag 2000 machte die designierte Vorsitzende deutlich, in ihrem Lebensplan sei die nun vor ihr liegende Aufgabe nicht enthalten gewesen, sie habe auch nicht darauf hingearbeitet. Bis zu Schäubles Entscheidung, nicht mehr zu kandidieren, habe sie ihn uneingeschränkt unterstützt. Schon damals betonte die in Hamburg geborene und in einem Pfarrhaus in der DDR aufgewachsene Merkel, sie wolle an Maßstäben festhalten, die ihr und der Union das christliche Menschenbild vermittle. Das sei wichtig für die eigene Orientierung, aber auch deshalb, weil in einer immer säkularer werdenden Gesellschaft die Sehnsucht nach Werten wachse.

          Vier Jahre später schildert sie auf dem CDU-Parteitag, was sie als DDR-Bürgerin erlebt habe: „Wenn ich in Budapest oder Prag Westdeutsche getroffen habe, dann haben die mich netterweise gefragt, ob sie mir einen Kaffee spendieren dürften, und mich ansonsten immer ganz mitleidig angeschaut.“ So stellt sie sich ihrer Partei vor, die ihre Vorsitzende noch nicht richtig kennt. Und fährt fort: „Liebe Freunde, ich will in meinem Leben nie wieder im Ausland gefragt werden: ,Was ist bloß mit euch Deutschen los?‘“

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