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CDU wählt Kramp-Karrenbauer : Die neue Dirigentin

Annegret Kramp-Karrenbauer am Freitag nach ihrer Wahl zur Parteivorsitzenden Bild: Daniel Pilar

Der Kampf um den Vorsitz der CDU ist entschieden, das Ringen um die Zukunft der Partei noch nicht. Doch weiß man nun immerhin: Es ist noch Leben unter dem Blei. Ein Kommentar.

          Zum Abschied bekam Angela Merkel einen Taktstock geschenkt. Die neue Dirigentin der CDU brauchte ihn freilich dringender. Denn das Orchester, das Annegret Kramp-Karrenbauer nach wochenlangem Wettmusizieren mit Friedrich Merz und Jens Spahn übernahm, neigte unter der Vorgängerin zunehmend zu Dissonanzen.

          Nun aber ist immerhin die Leitungsfrage entschieden: Die CDU hat, denkbar knapp, die Kontinuität dem Experiment vorgezogen. Doch auch mit Kramp-Karrenbauer wählte die Partei nicht ein einfaches Weiter-so. Die dreifache Mutter unterstrich mit ihrer kämpferischen Rede auf dem Parteitag, dass sie schon rhetorisch keine „Mini-Merkel“ ist.

          Eine herzliche Umarmung für Merkel

          Kramp-Karrenbauer, Merz und Spahn lieferten sich bis zur Abstimmung auf dem Parteitag einen großen und fairen Kampf um den Parteivorsitz. Der ist nun entschieden. Doch das Ringen um die Zukunft der CDU ist es noch nicht. Kramp-Karrenbauers vordringlichste Aufgabe ist jetzt das „Zusammenführen“, das nicht zufällig zum Parteitagsmotto gemacht worden war.

          Die neue Vorsitzende wird daher nicht nur versuchen müssen, Spahn und Merz möglichst nahe bei der Fahne zu halten. Sie wird auch den Anhängern der beiden Kandidaten programmatische Angebote machen müssen, um die Klüfte zu überwinden, die sich in der Partei in der Spätphase der Ära Merkel aufgetan haben.

          Das hinderte die CDU nicht daran, Merkel zum Abschied noch einmal herzlich zu umarmen. Bei solchen Gelegenheiten zeigt sich, dass die CDU nicht nur eine von kaltem Kalkül angetriebene Machtmaschine ist. Der Begriff „Familie“, den Merkel gebrauchte, mag aus ihrem Munde etwas überraschen, trifft auf die CDU aber eher zu als auf jede andere Partei in Deutschland.

          In Würde abgetreten

          Wer 18 Jahre lang miteinander gekämpft, gestritten, gelacht, gewonnen und verloren hat, den verbindet zu viel, als dass man zum Abschied nur leise „tschüs“ sagen könnte und sollte. Merkel erfuhr in Hamburg die Dankbarkeit, die sie verdient.

          Dafür, dass sie in Würde abtreten konnte, was ihr wichtig war, sorgte sie selbst. Merkel traf die Entscheidung, das Parteiamt abzugeben, gerade noch rechtzeitig, um sie als souveränen, letzten Dienst an der Partei präsentieren zu können. Die Gründe, derenthalben ihr Rückzug unumgänglich war, wurden in den Lobeshymnen auf dem Parteitag nicht ausgewalzt.

          Wer drei Jahre in der Arktis verschollen gewesen und erst am Freitag nach Hamburg zurückgekehrt wäre, hätte größere Schwierigkeiten gehabt zu verstehen, warum die CDU eine solche Vorsitzende gehen lässt. Doch auch schon auf den Fluren des Parteitags hätte er erfahren können, dass dem frommen Wunsch „Geh mit Gott“, der Merkel zugerufen wurde, in den vergangenen Monaten aus zunehmend mehr Mündern ein leises „aber geh“ nachhallte.

          Weil Merkel das nicht überhörte und die Konsequenz daraus zog, steht ihrer Kanonisierung in der Partei wie auch in der öffentlichen Meinung nichts im Weg – insbesondere dann nicht, wenn ihr auch der Abschied vom Kanzleramt so gelingt wie der vom Parteivorsitz.

          Die CDU muss sich davor ebenfalls nicht fürchten. Nicht allein die drei Kandidaten für den Parteivorsitz zeigten in den vergangenen Wochen, welches Potential und welche Ambition noch in der CDU stecken – bis zum Jahr 2040, das Spahn zu seiner Orientierungsmarke machte. Selbst Kramp-Karrenbauer hatte von einer „bleiernen Zeit“ gesprochen, die es zu überwinden gelte. Nach dieser Vorsitzendenkür muss man feststellen: Es ist noch reichlich Leben unter dem Blei.

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