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Pressestimmen zur CDU-Spitze : „Später hat sie vergessen, was Leitkultur eigentlich ist“

  • Aktualisiert am

Schätzen sich gegenseitig sehr: Annegret Kramp-Karrenbauer (links) und Angela Merkel. Bild: Reuters

Die einen sprechen von einer „Mini-Merkel“, die die CDU wieder einen soll, die anderen wollen einen klaren Bruch mit Merkels Linie: So gespalten, wie es die Partei gerade ist, so unterschiedlich fällt auch das internationale Presseecho aus.

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          Die niederländischen Zeitung „NRC Handelsblad“:

          „Kramp-Karrenbauer ist eine Politikerin, die zusammenführen kann. Das hat sie im letzten Jahr unter Beweis gestellt. Als im Sommer der Streit zwischen der CDU und der bayerischen CSU drohte, sich zu einem Bruch der christdemokratischen Schwesterparteien auszuweiten, spielte Kramp-Karrenbauer hinter den Kulissen eine Schlüsselrolle bei der Beilegung der Krise. Nun steht sie vor der Aufgabe, Merkel-Kritiker und Merkel-Anhänger in ihrer Partei wieder auf eine gemeinsame Linie zu bringen.“

          Die amerikanische Tageszeitung „New York Times“:

          „In einer Zeit, in der Wähler anderswo in Europa und der Welt nach radikalen Veränderungen rufen und sich populistischen – und oft männlichen – Führern verschreiben, die einfache Antworten auf komplexe globale Probleme versprechen, hat sich Deutschlands größte Partei am Freitag für das Gegenteil entschieden: eine Frau, die einer anderen Frau nachfolgt, mit einem differenzierten politischen Programm, das allem voran für Kontinuität und Stabilität steht.“

          Die belgischen Zeitung „De Standaard“:

          „Auf die neue Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer wartet in Berlin viel Arbeit, denn die CDU ist dabei zu erodieren. Die Partei sucht einen Kurs in einem stark veränderten Deutschland. Die Grünen und die AfD haben ihr Wähler abspenstig gemacht und das erfordert eine selbstkritische Analyse. Kramp-Karrenbauer muss schnell aus dem Schatten von Angela Merkel treten, denn in den Rängen der Partei hat sich eine gewisse Merkelmüdigkeit eingeschlichen. Das dürfte aber nicht schwierig sein, wie Eingeweihte meinen. Denn Kramp-Karrenbauer folgt ihrem eigenen Kurs.“

          Die „Neue Zürcher Zeitung“:

          „Kramp-Karrenbauer wird sich von Merkel lösen müssen. Ansätze gibt es. Kramp-Karrenbauers Ton unterscheidet sich vor allem in Fragen der inneren Sicherheit. Der Staat müsse stark sein gegen kriminelle Clans und gegen „autonome Chaoten“. Doch den Worten werden Vorschläge folgen müssen. Auch Merkel hat vor ihrer Wahl zur Kanzlerin für eine deutsche ‚Leitkultur‘ getrommelt. Später hat sie vergessen, was das eigentlich ist.“

          Der Londoner „Guardian“:

          „Die Partei stand vor einem Dilemma. Entweder den Kurs von Merkel beibehalten – die entschlossen war, die politische Mitte zu sichern, und die CDU zur Befürworterin der Homoehe, des Mindestlohns und einer Frauenquote in der Politik gewandelt hat – oder weiter nach rechts rücken, um Wähler zurückzuholen, die sie an die AfD verloren hat. Mit Annegret Kramp-Karrenbauer hat die Partei wohl eine sicherere Option gewählt. Nicht zuletzt, weil sie wahrscheinlich eine bessere Beziehung zu Angela Merkel im Kanzleramt haben wird als Friedrich Merz, der als jemand gesehen wird, der einen Groll gegen Merkel hegt. Kramp-Karrenbauers Sieg ist ein Zeichen dafür, dass die Partei auf dem von Merkel eingeschlagenen Weg weitergehen will.“

          Die Amsterdamer Zeitung „de Volkskrant“:

          „So knapp er auch war, der Wahlsieg von AKK – wieder eine gemäßigte Kandidatin und wieder eine Frau – verdeutlicht, wie sehr sich die Partei in den 18 Jahren unter dem Vorsitz Angela Merkels verändert hat. Für Merkel dürfte sich die Wahl Kramp-Karrenbauers anfühlen, wie ein Abschiedsgeschenk.“

          Die konservative französische Tageszeitung „Le Figaro“:

          Annegret Kramp-Karrenbauer ist wenig bekannt in Frankreich – außer vielleicht im Osten des Landes, der gute regionale Beziehungen zum Saarland unterhält. (Ihre Wahl ist) eine gute Nachricht für Emmanuel Macron. Falls der Präsident die Proteste der ‚Gelben Westen‘ übersteht, kann er darauf hoffen, dass das neue deutsche Duo sich daran machen wird, auf seine europäischen Vorschläge zu antworten. Angela Merkel wird von ihrer Thronfolgerin nicht aufgehalten werden, und diese selbst weist eine Neigung zum Deutsch-Französischen auf.“

          Die italienische Tageszeitung „Corriere della Sera“:

          „Annegret Kramp-Karrenbauer alias AKK hat gewonnen. Gewonnen hat die CDU des dritten Jahrtausends, zentristisch, moderat und pragmatisch. Und vor allem hat Angela Merkel mit ihrer ruhigen Revolution gewonnen. Doch es ist der Bruch, der im Moment der Abstimmung zutage trat, der das ernsthafteste und ein unmittelbares Problem für Kramp-Karrenbauer darstellt. Fast die Hälfte der Partei hat für einen Kandidaten gestimmt, der versprach, dem Experiment Merkel ein Ende zu setzen, der eine Rückkehr zur Tradition der alten CDU und die Rückeroberung des konservativen Gebiets versprach, das sich heute in Geiselhaft der AfD befindet.“

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