https://www.faz.net/-gpf-9h47r

Sechste CDU-Regionalkonferenz : Zweikampf am Rhein

Auch, wenn es für alle Beteiligten schwer zu erkennen ist: Friedrich Merz durfte als erster seine Vorstellungsrede halten. Bild: dpa

Bei der bisher größten CDU-Regionalkonferenz können Friedrich Merz und Jens Spahn keinen Heimvorteil ausspielen. Und Annegret Kramp-Karrenbauer setzt auf ihre übliche Rhetorik. Zwei Favoriten gibt es dennoch.

          Mitten im Herbst erlebt die CDU derzeit einen Frühling. Seit Angela Merkel mitteilte, dass sie beim Hamburger Parteitag nicht abermals für den Bundesvorsitz kandieren werde, wird in der von Spöttern gerne als Kanzlerwahlverein beschriebenen CDU mit Lust und großer Leidenschaft diskutiert. Mehrere tausend Mitglieder haben die fünf bisherigen Regionalkonferenzen besucht, bei denen sich Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn der Basis präsentieren. Am Mittwochabend sind die drei aussichtsreichsten Anwärter auf die Merkel-Nachfolge in Düsseldorf zu Gast. Diese sechste ist die größte der insgesamt acht Regionalkonferenzen in ganz Deutschland. So groß war das Interesse, dass die CDU vor einigen Tagen noch einmal umdisponieren und die Veranstaltung in eine große Halle der Düsseldorfer Messe verlegen musste. „Das hat es in 70 Jahren CDU noch nicht gegeben – dass sich gleich drei Kandidaten um den Vorsitz bemühen“, lobt der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Armin Laschet in seinem Grußwort. „Das hat der CDU gut getan. Das kann man auch am heutigen Abend sehen“, ruft er in den Applaus seiner 4000 Parteifreunde.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Für das Kandidatentrio ist Düsseldorf eine besonders wichtige Station auf der Bewerbungstour durch Deutschland. Denn rund ein Drittel der 1001 Delegierten, die kommende Woche beim CDU-Bundesparteitag in Hamburg den neuen Bundesvorsitzenden oder die neue Bundesvorsitzende wählen, kommt aus Nordrhein-Westfalen. Allein schon, weil mit Friedrich Merz und Jens Spahn zwei der drei aussichtsreichen Kandidaten aus Nordrhein-Westfalen stammen, hat der Landesvorstand der CDU keine Empfehlung abgegeben. Hinzu kommt: Anders als etwa in der baden-württembergischen CDU, wo sie eine Mehrheit für den Polit-Rückkehrer Merz abzeichnet, ist das Meinungsbild im größten Landesverband weiter gestreut. Während sich die Basis für Merz begeistert, scheinen die Funktionäre, also das mittlere Management der Partei, das auch einen großen Teil der Delegierten in Hamburg stellen wird, eher zu Kramp-Karrenbauer zu tendieren.

          Den meisten Applaus bekommt aber auch in Düsseldorf zunächst Merz, der nach dem Losentscheid als erster reden darf. Anders als am Dienstagabend in Böblingen spricht der Wirtschaftsliberale nicht über Themen wie Steuer, Abschaffung des Soli oder kalte Progression. Ins Zentrum seiner etwas mehr als zwölfminütigen Vorstellungsrede stellt er das Versprechen, die Zukunft der CDU als Volkspartei der Mitte, die wieder 40 Prozent bei Wahlen gewinnt. Wie genau Merz das bewerkstelligen will, wird allerdings bestenfalls in Umrissen deutlich. Das Publikum stört das nicht. Denn Merz spricht mit viel Verve und Leidenschaft. Auch dann, als er beklagt, in den vergangenen Jahren sei in der Partei nicht mehr offen debattiert worden. „Ja, wir müssen auch wieder in der Lage sein, große Diskussionen zu führen, auszuhalten und sie nicht gleich in Personaldebatten umzumünzen.“

          Weitere Themen

          Letzte Regionalkonferenz in Berlin Video-Seite öffnen

          Rennen um CDU-Vorsitz : Letzte Regionalkonferenz in Berlin

          Zielgerade im Wettstreit um den CDU-Parteivorsitz: In Berlin hat die letzte von insgesamt acht Regionalkonferenzen stattgefunden. Letzte Chance also für Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn sich der Basis ihrer Partei zu präsentieren.

          Am Ende eines unerwarteten Rennens

          FAZ Plus Artikel: CDU-Regionalkonferenz : Am Ende eines unerwarteten Rennens

          Nicht jeder Landesverband ist im Kampf um den CDU-Vorsitz so entschlossen wie der baden-württembergische. Von hier aus wurde Friedrich Merz aufgebaut. Die meisten anderen sind so gespalten wie der nordrhein-westfälische. Doch eines ist klar: Die Mitglieder haben keine Lust mehr auf den Streit der letzten Jahre.

          Topmeldungen

          Anschlag auf Weihnachtsmarkt : Wo liegt Straßburg nochmal?

          Die Nachricht vom Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt in Straßburg hat die großen deutschen Fernsehsender nicht aus den Konzept gebracht. Die Frage ist nur, was für ein Konzept das ist.

          Trumps früherer Anwalt : Cohen zu drei Jahren Haft verurteilt

          Jahrelang vertraute Amerikas Präsident ihm. Nach seiner umfangreichen Straftatsbeichte, die Trump nicht gut aussehen ließ, hat nun ein Gericht Recht über Michael Cohen gesprochen.

          Champions League : Der Extra-Kick des FC Bayern

          Die Münchner stehen schon im Achtelfinale der Champions League. Die Motivation vor dem Duell mit Ajax ist dennoch groß. Eine bittere Nachricht gab es aber zum Start der Amsterdam-Reise.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.