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Dreikampf um Parteivorsitz : Der Wahlkampf um das Merkel-Erbe belebt die CDU

Bild: dpa

Kramp-Karrenbauer, Merz – oder doch Spahn? In der CDU zeigen sich Basis wie Führung entschlossen, ihren Auftrag wieder mit Lust und aller Ernsthaftigkeit zu erfüllen. Ein Kommentar.

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          Das war nicht schlecht. Während die SPD nabelschauend ums Überleben kämpft, Linkspartei, AfD und eine zunehmend in den Nörgelmodus verfallende FDP in einem unedlen Wettstreit sich darum balgen, wer die Rolle des Geistes, der stets verneint, am besten spielen kann, und die Grünen, berauscht von Wahl- und Umfrageerfolgen unter Führung eines schauspielerisch begabten Vorsitzenden sich selbst zu Glückstränen rühren, versucht die CDU, sich auf die politische Arbeit zu konzentrieren.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          In Lübeck trafen sich am Donnerstagabend etwa 800 Parteimitglieder, um ihren drei Kandidaten für die Nachfolge Angela Merkels im Parteivorsitz zuzuhören, ihnen Fragen zu stellen und da, wo es ihnen angebracht erschien, Beifall zu spenden. „Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit“, heißt es im Grundgesetz. Die CDU – Basis wie Führung – ist offenbar entschlossen, diesen Auftrag wieder mit aller Ernsthaftigkeit, aber auch Lust, zu erfüllen.

          Möge der Bessere gewinnen

          Natürlich ist das, was Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, der einstige Fraktionsvorsitzende Friedrich Merz und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in Lübeck begonnen haben und nach weiteren sieben Veranstaltungen dieser Art schließlich auf dem Parteitag in Hamburg am 7. Dezember durch eine Wahl zum Ende bringen wollen, ein Wettbewerb. Doch wenn sie so weitermachen, wie am Donnerstag – fair miteinander umgehen, sachlich antworten, nachdem sie ebenso sachlich mehr als zwei Stunden befragt wurden –,  dann ist es hoffentlich nicht allzu naiv vorauszusagen, dass sie diesen Wettlauf unter der Devise abhalten, dass der Bessere gewinnen möge.

          Es ist fester Bestandteil eines jeden Wettstreits, dass am Ende einer der Sieger ist und die beiden anderen eben nicht. Eindeutige Schlüsse sind aus dem Abend in Lübeck noch nicht zu ziehen. Wenn überhaupt, so war zu beobachten, dass der Beifall für Spahn etwas weniger laut ausfiel als der für die beiden anderen. Die sachliche Stimmung könnte der sachlichsten Person unter den Dreien, Annegret Kramp-Karrenbauer als gutes Signal gelten. Doch auch Merz bediente nicht das Klischee, ständig „klare Kante“ mit markigen Worten zu zeigen, sondern präsentierte sich sehr inhaltsbezogen und ruhig. Souverän.

          Das mit anzusehen ist für die Beteiligten, also nicht nur die Drei, sondern die ganze CDU, spannend. Das gilt für weite Teile der Bevölkerung, die nach der Selbstzerfleischung der Union nicht über Monate, sondern über Jahre, endlich wieder das abgenutzte, aber deswegen nicht sinnentleerte Wort von der Sacharbeit zu seinem Recht kommen sehen wollen. Die drei Kandidaten und ihre Gesprächspartner schlugen nicht ausdrücklich auf die CSU ein, die den dreijährigen Streit über die Asylpolitik zwar nicht alleine verursacht, ihm aber zuverlässig bis an den Rand des Untergangs immer wieder neue Schärfe gegeben  hat. Aber der Beifall war immer dann besonders stark, wenn die drei CDU-Kandidaten Einigkeit demonstrierten und einforderten. Es war keine Choreographie, aber zumindest eine Fügung, dass das Treffen in Lübeck am Vorabend jenes Tages stattfand, an dem Horst Seehofer nun auch schriftlich mitteilte, dass er bald den CSU-Vorsitz niederlegen werde.  

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