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Julia Klöckner im Interview : „Friedrich Merz wird weiter an Bord bleiben“

Wieder als Vizeparteivorsitzende gewählt: Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, am Freitag in Hamburg Bild: dpa

Julia Klöckner ist am Freitag als stellvertretende CDU-Vorsitzende wiedergewählt worden. Im Interview erklärt sie, wie Annegret Kramp-Karrenbauer die Delegierten überzeugt hat – und warum auch Friedrich Merz in der Partei gebraucht wird.

          Frau Klöckner, haben Sie nach dem ersten Wahlgang noch mit einem Sieg für Annegret Kramp-Karrenbauer gerechnet?

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Das Rennen war völlig offen, mich hätte es nur überrascht, wenn alles klar gewesen wäre. Auch in meinem rheinland-pfälzischen Landesverband war die Spannung bis zuletzt groß. Da gab es überraschende Bekenntnisse, mit denen ich vorher nicht unbedingt gerechnet hätte.

          Zu Friedrich Merz?

          Zu allen Kandidaten.

          Was hat dann am Ende den Ausschlag gegeben?

          Vielleicht, dass es zwei Kandidaten aus Nordrhein-Westfalen gab und die Delegierten mit Annegret Kramp-Karrenbauer am Ende eine richtige Alternative haben wollten. Aber sie hat auch eine sehr gute Rede gehalten, mit einem sehr guten Spannungsbogen. Es war am Ende wahrscheinlich ein Mix aus allem, aus den Inhalten und dem Auftreten. Und wie knapp die Wahl am Ende ausgegangen ist, zeigt doch nur, wie gut alle drei Kandidaten waren. Das Prozedere, mit dem wir hier die neue Vorsitzende gewählt haben, ist ein Musterbeispiel für innerparteiliche Demokratie. Es ist bemerkenswert, wie groß der Respekt der drei Kandidaten untereinander ist – und dass der Wahlkampf nicht zu einer Lagerbildung geführt hat.

          Wirklich nicht? Das Ergebnis ist denkbar knapp was ist mit den Anhängern von Friedrich Merz? Kann Frau Kramp-Karrenbauer sie jetzt integrieren?

          Dessen bin ich mir sicher. Ich fand es auch eine wirkliche Größe von Friedrich Merz, dass er am Ende dazu aufgerufen hat, sich hinter der neuen Vorsitzenden zu versammeln. Wir brauchen alle drei in der Spitze, auch Jens Spahn. Auch er hat ein tolles Ergebnis erreicht, obwohl ihn vorher schon so viele abgeschrieben hatten.

          Trotzdem hätten sich einige Delegierte vielleicht gewünscht, dass Friedrich Merz auch im Präsidium eine Funktion einnehmen will. 

          Friedrich Merz hat ja nie gesagt, dass er eine Rolle im Präsidium, im Bundesvorstand oder als stellvertretender Parteivorsitzender anstrebt. Deshalb kann er jetzt auch niemanden enttäuschen. Im Übrigen bin ich mir sicher: Friedrich Merz wird weiter an Bord bleiben. Es ist unglaublich, was er für ein Ergebnis erreicht hat, nachdem er so lange aus der Politik draußen war.

          Und Jens Spahn? Sollte Frau Kramp-Karrenbauer ihn zum Generalsekretär machen?

          Das ist die Entscheidung der Bundesvorsitzenden. Er bewirbt sich für das Präsidium. Außerdem ist er ja noch Bundesgesundheitsminister, das sind ja schon einige Aufgaben.

          Steht Frau Kramp-Karrenbauer, bei allen Unterschieden, nicht doch für eine gewisse Kontinuität zu Frau Merkel, wie es jetzt manchmal heißt? 

          Das ist mir zu holzschnittartig, Tradition und Aufbruch widersprechen sich doch nicht. Außerdem ist sie keine Kopie von Angela Merkel. Sie war die erste Innenministerin in einem Bundesland, sie hat viele Jahre Erfahrung in verschiedenen Ministerämtern im Saarland, war Ministerpräsidentin, bringt die Sichtweise der Kommunen ein, weiß, wie die Partei tickt. Und sie muss jetzt nicht den Spagat wagen, Kanzlerin sein zu müssen in einer Zeit, in der viele Kompromisse gefragt sind. Sondern kann die Partei in aller Ruhe neu aufstellen.

          Wird Angela Merkel am Ende der Legislaturperiode noch Kanzlerin sein?

          Davon gehe ich aus.

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