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Kramp-Karrenbauers Kandidatur : Vorsitz oder nichts

Bild: AFP

Sie will keinen Wahlkampf um den CDU-Vorsitz machen – trotzdem teilt Annegret Kramp-Karrenbauer gegen ihre Mitbewerber Merz und Spahn aus. Wie sie es als Vernunftslösung beim Hamburger Parteitag schaffen will.

          Annegret Kramp-Karrenbauer will eigentlich nicht über die anderen Bewerber reden. „Ich werbe heute für mich“, sagt sie bei der öffentlichen Begründung ihrer Kandidatur um den CDU-Vorsitz. Einen Wahlkampf um das Amt lehne sie ab, es dürfe keinen „ruinösen Wettbewerb“ geben. Trotzdem sind ihre Spitzen gegen die Mitbewerber deutlich. Das merkt man ausgerechnet bei der Frage, wie Kramp-Karrenbauer die Spaltung der Partei nach dem Streit um den Vorsitz verhindern wolle.

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Würde sie Vorsitzende, wünsche sie sich, dass Jens Spahn in seiner Funktion als Gesundheitsminister und als Mitglied des Präsidiums in der Partei weiterhin mitarbeite, sagte Kramp-Karrenbauer. „Ich würde mir auch sehr wünschen, dass Friedrich Merz seine unbestrittene Expertise in die Partei einbringt“, lobt sie den Finanzfachmann. „Wenn wir es schaffen, den Bierdeckel zur Seite zu legen, könnten wir eine Steuer-App der Zukunft entwickeln.“ Damit spielte sie auf Merz’ frühere Forderung an, eine Steuererklärung müsse auf einen Bierdeckel passen.

          Kramp-Karrenbauer würdigt Merz und zeigt mit dem Verweis auf dessen bekanntestes Projekt doch, dass er lange nicht mehr in der Politik ist. Sie selbst ist diejenige, die in Digitalisierung und Apps denkt – keine Expertin zwar, doch diejenige, die Linien vorgibt. Ähnlich geht es – ohne ihn beim Namen zu nennen – gegen Spahn, der oft über Migration spricht: „Das Vertrauen in innere Sicherheit gewinnt man nicht durch schrille Töne, sondern durch echte Politik.“

          Will einen Neuanfang machen

          Kramp-Karrenbauer begründet ihre Kandidatur in einer etwa 20 Minuten langen Rede sorgsam. Sie spricht frei, wirkt selbstsicher, ausgeruht. Sie dankt Angela Merkel, würdigt deren „persönliche Entscheidung“ und das Ende einer Ära. Im Februar habe sie sich sehr lange überlegt, ob sie das Amt der Ministerpräsidentin im Saarland niederlege, um sich als Generalsekretärin in den Dienst der Partei zu stellen. Das habe sie schließlich getan, „weil ich dieser Partei unglaublich viel zu verdanken habe”. Die Entscheidung sei eine ihrer schwierigsten und wichtigsten Entscheidungen gewesen, aber auch eine ihrer besten.

          „Diese CDU, meine CDU, ist eine großartige Partei“, sagt Kramp-Karrenbauer. Es ist eine Verneigung. Die Partei müsse nicht erst wieder großartig werden, aber sie müsse sich auf das Wichtige besinnen. Kramp-Karrenbauer berichtet von ihrer Zuhörtour an der Parteibasis. Von Stolz, Frust, Sorge und Verunsicherung der Mitglieder. Vor allem habe sie gespürt: „Die CDU ist keine Partei des ,entweder oder’.“ Der Namensbestandteil „Union“ stehe für Zusammenhalt. An anderer Stelle sagt sie, die CDU sei eine Partei der Vernunft, die sich dadurch definiere, dass sie nach Verantwortung strebe.

          Verantwortung, Regierungserfahrung, auch wenn es nur im kleinen Saarland war – das ist es, was Kramp-Karrenbauer von ihren Mitbewerbern unterscheidet. Im Saarland hat sie schwierige Wahlen gewonnen. Das ist es, womit sie kämpfen kann. „Ich weiß, wie es ist, mit einem Team aus der Opposition in die Regierung zu kommen und es auch zu schaffen, wiedergewählt zu werden.“

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