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Merkel-Kommentar : Die endliche Treue der CDU

Kanzlerin Merkel mit dem Blick auf die Uhr (Archivbild von der gemeinsamen Pressekonferenz mit Seehofer und Schulz) Bild: dpa

Angela Merkel muss nun Personalvorschläge machen, die zeigen, dass sie ihre Partei verstanden hat. Ein Name wäre ein richtiger Knaller. Doch kann Merkel über ihren Schatten springen?

          Ließe das Erdogan-Regime seine prominenteste Geisel tatsächlich bald frei, wäre vielen geholfen: dem seit einem Jahr ohne Anklageschrift eingesperrten Journalisten Deniz Yücel, den deutsch-türkischen Beziehungen – und der Bundeskanzlerin. Die könnte einen solchen diplomatischen Erfolg jetzt gut gebrauchen. Denn seit bei der SPD die letzten Elefanten den Porzellanladen verlassen haben, ist das Klirren und Scheppern in der CDU noch deutlicher zu vernehmen als bisher.

          Zwar hauen Merkels Kritiker nicht alles so kurz und klein wie die Konkurrenz im Willy-Brandt-Haus. Aber die Wandteller mit der Aufschrift „Unsere Mutti ist die Allerbeste“ haben sichtbare Sprünge bekommen. Auch Merkels ehemals „Klügster“ beteiligt sich nun, nicht ganz unerwartet, am Scherbengericht.

          Es brechen jetzt die Enttäuschung und Unzufriedenheit durch, die viele Parteimitglieder nach dem schlechten Wahlergebnis vom vergangenen September nur in ihr Kopfkissen gebrüllt hatten. Die CDU ist, verglichen jedenfalls mit der SPD, eine disziplinierte Partei, die nicht an den Stuhlbeinen ihrer Anführer sägt, wenn die gerade Verhandlungen über die Bildung einer Regierung führen. Falls die dann aber nicht die erwarteten Ergebnisse liefern, ist auch die Treue der CDU endlich. Merkels Nimbus („die schafft das“) nahm schon in der Flüchtlingskrise Schaden. Die Quittung für ihre Politik in der Bundestagswahl, das geplatzte Jamaika-Projekt und der Schlussverkauf in den Verhandlungen mit der SPD haben auch innerhalb ihrer Partei den Zweifel an ihrer Führungs- und Zugkraft wachsen lassen.

          Die mehr oder minder verklausulierten Forderungen nach einer personellen und programmatischen Erneuerung der „inhaltlich entleerten“ CDU (Röttgen) zielen mehr oder weniger alle auf Merkel. Die CDU will die Dinge nicht so überstürzen und am Ende derart kopf- und planlos dastehen wie die SPD. Aber Merkel muss nun bald Personalvorschläge machen, die der Partei zeigen, dass sie verstanden hat. Die üblichen Verdächtigen laufen sich schon warm dafür.

          Ein richtiger Knaller wäre es freilich, wenn Merkel einen zurück in die Politik holte, der diese nicht zuletzt ihretwegen verlassen hatte. Dann müsste die CDU auch eine Neuwahl nicht fürchten, falls die SPD vollends durchdrehte. Für diese Rückholaktion müsste Merkel aber über ihren Schatten springen, der in diesem Fall ziemlich groß ist. Denn der Mann heißt Friedrich Merz.

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