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Merkel in Indien : Die Handelsreisende im Truppentransporter

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Regierungskonsultationen: Bundeskanzlerin Angela Merkel und der indische Ministerpräsident Narendra Modi am Montag in Neu-Delhi Bild: AFP

Mit großem Gefolge ist Kanzlerin Merkel in Indien eingetroffen. Auf dem Programm stehen Afghanistan und der UN-Sicherheitsrat, vor allem aber Wirtschaftskontakte. Das kommt den Indern sehr entgegen.

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          Die Hymnen, der Palast des Präsidenten, die Pferde der stolzen Reiterei und die Frage: „Was erwarten Sie von diesen Besuch?“ Zu den Besonderheiten des indischen diplomatischen Protokolls gehört der Brauch, dass bei derlei Empfängen „mit militärischen Ehren“ der Gast aus den Reihen der eigenen Delegation diese Frage gestellt bekommt. Angela Merkel kennt die Frage. Sie ist sogar im Programmheft aufgeschrieben. Die Bundeskanzlerin spricht davon, dass der Besuch ein Signal sei, wie eng die beiden Regierungen – die deutsche und die indische – zusammen arbeiteten. Sie spricht von der „Breite der Kooperation“: Landwirtschaft und Entwicklung, Forschung und innere Sicherheit, Infrastruktur und Technologie und die Klimakonferenz Ende des Jahres in Paris auch. Und schließlich noch: Sie erwarte, dass Deutschland einen Beitrag leisten könne beim wirtschaftlichen Aufbau Indiens. Knappe zwei Minuten dauert das Statement für die Presse. Neben ihr der indische Ministerpräsident Narendra Modi. Die Sätze Merkels werden übersetzt. Abgang der beiden zu weiteren Gesprächen. Im Hintergrund der Szenerie: Die Vertreter der deutschen Wirtschaft.

          Es ist eine ziemlich große und prominent zusammengesetzte Wirtschaftsdelegation, die Merkel begleitet. Die Spitzenleute – Vorstandsvorsitzende darunter – der Deutschen Bank (Jürgen Fitschen), von Siemens (Josef Kaeser) und Airbus (Thomas Enders), von Bombardier (Lutz Bertling) und auch vom deutschen Mittelstand, Catharina Annelie Claas-Mühlhäuser, als einzige Frau in der Wirtschaftsdelegation. Landmaschinen-Produkte aus Ostwestfalen. Womöglich ist es auch ein Signal an die deutsche Wirtschaft zu verstehen, dass Merkel am Montag ein Frühstück mit indischen „weiblichen Führungskräften“ absolviert.

          Gewiss aber setzt sie die Tradition ihrer Vorgänger fort, dass Kanzler stets auch die Interessen der deutschen Wirtschaft vertreten. Regierungschefs sind auch als Handelsreisende unterwegs. Am Montag in der Hauptstadt Dehli, an diesem Dienstag dann in Bangalore, dem Technologie-Zentrum Indiens seit Jahrzehnten. Die deutschen Investitionen in Indien liegen derzeit bei rund 9,7 Milliarden Euro, rund 1600 Firmen sind in dem Land präsent. Deutschland ist Indiens größter Handelspartner in der EU, das Handelsvolumen lag 2014 bei fast 16 Milliarden Euro.

          Sigmar Gabriel diesmal nicht dabei

          Einen Teil ihrer internationalen und auch deutschen Geschäfte, wird berichtet, wickelt die Deutsche Bank über Mitarbeiter in Bangalore ab. Etwa 8000 sind das – kein Vergleich selbst mit China. Ein Besuch eines Innovationszentrums der Firma Bosch wird dann auf dem Programm stehen, außerdem Wirtschaftskonferenzen. Montags heißt das „Business Summit“. Vielfach klagen die Vertreter deutscher Unternehmen über allerlei und recht ärgerliche Hemmnisse, die der deutschen Tätigkeit dort im Wege stünden. Bürokratie und auch Undurchschaubarkeiten. Japaner und Chinesen brächten stets Geld mit, um ihre Geschäfte zu fördern, heißt es. Doch weil sich das Beklagen allein nicht gehört, versichern die Wirtschaftsleute auch, Indien sei – natürlich – auf gutem Wege. Ganz so, wie es Merkel am Vormittag auszudrücken versucht hatte.

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