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Merkel in Amerika : Diplomatie mit Kopfsalat

  • -Aktualisiert am

Frühling in Washington, kalter Krieg um die Ukraine – Angela Merkel ist auf dem Rückweg nach Deutschland. Von Edward Snowden war während ihres Besuchs beim amerikanischen Präsidenten kaum die Rede.

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          Wie rapide sich die Dinge in der Ukraine ändern können, haben Barack Obama und Angela Merkel nach ihren vier Stunden langen Begegnungen zu vermerken gehabt. Empfang des Präsidenten für die Bundeskanzlerin im Weißen Haus, zwar nicht mit militärischem Gepränge wie einst im Sommer 2011, als die Ostdeutsche mit der großen Freiheitsmedaille der Vereinigten Staaten ausgezeichnet worden war. Doch immerhin: Gespräch im Oval Office, dann eine – wie der Terminus heißt – „Begegnung mit der Presse“ im frühlingshaften Rosengarten, ein Mittagessen und auch noch ein Besuch des „Gemüsegartens“, den Michelle Obama, die Präsidentengattin angelegt hatte, welcher Teil des Besuchprogramms wiederum als eine amerikanische Geste der besonderen Art zu würdigen sein könnte, zumal der Salat des Mittagessens in jenem Garten gewachsen sein soll. Eine Geste der Freundschaft, welche aus entsprechend gegebenem Anlass vom deutschen Regierungssprecher Steffen Seibert via „Twitter“ samt Foto in die Welt gepostet wurde.

          Womöglich glaubten die beiden, in diesen vier Stunden das Wichtigste des Tages besprochen zu haben, zumal im Osten Europas der Abend schon begonnen hatte. Die Lage in der Ostukraine also, wo das staatliche Militär soeben begonnen hatte, die russisch-geneigten Separatisten mit Waffengewalt zu bekämpfen, um die staatliche Autorität wieder herzustellen, und wo es durch Aktionen der Separatisten zwei seiner Hubschrauber verloren hatte. Das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten wurde erörtert. Es wird auch wegen der Europa-Wahl im Mai und den Kongresswahlen in den Vereinigten Staaten im Herbst wohl erst im kommenden Jahr in seine entscheidende Verhandlungsphasen eintreten. Und natürlich wurde besprochen – für die deutsche Innenpolitik ziemlich weit oben, für die amerikanische Realpolitik ziemlich weit unten – die Arbeit des amerikanischen Geheimdienstes NSA in Deutschland und der Welt.

          Angela Merkel war schon auf dem Weg zu Christine Lagarde, der Chefin des Internationalen Währungsfonds, nachdem sie zwischendrin einen gefühlig-trockenen Auftritt im „Flaggensaal“ der altehrwürdigen „Chamber of Commerce“ absolviert hatte, als sie neue und schlimme Nachrichten aus der Ukraine bekam. Straßenschlachten in Odessa, angeblich zwischen westlich orientierten Bürgern und nach Russland orientierten Separatisten. Unvollständig waren die Informationen, voller Unklarheiten auch. Schießereien. Brennende Häuser. Verletzte in den Straßen. Dutzende Tote. Womöglich hätte Merkels und Obamas Gespräch noch eine Wendung genommen, und eine Befürchtung in den Mittelpunkt geschoben: Die eines Bürgerkrieges in der Ukraine von syrischem Ausmaß. Merkel und Obama wären andere Fragen gestellt worden, wären die Ereignisse des abendlichen europäischen Ostens im mittäglichen Westen des Kontinents bekannt gewesen. Vielleicht sogar solche nach dem Zerfall eines Staates. Dass die Präsidentschaftswahlen in der Ukraine am 25. Mai, sofern sie stattfinden, eine Garantie für eine innere Befriedung des Landes seien, glaubten sie auch so schon nicht mehr.

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