https://www.faz.net/-gpf-8p277

Menschenrechtslage : Postfaktisches Eritrea

Eritrea gilt als repressiver Staat, in dem systematisch Menschenrechte verletzt werden. Europäische Diplomaten schätzen die Lage jetzt anders ein. Das könnte Folgen haben für die Flüchtlinge aus diesem Land.

          1 Min.

          Nicht nur in Deutschland, auch in der Schweiz sind junge Eritreer seit Jahren aus dem Straßenbild nicht wegzudenken. Glaubt man dem Menschenrechtsrat der UN, dann haben sie sich in Europa in Sicherheit gebracht aus einem Staat, in dem anhaltend und systematisch Menschenrechte verletzt werden: außergerichtliche und willkürliche Hinrichtungen, Folter, unmenschliche Haftbedingungen zeitlich unbegrenzter Militärdienst.

          Deutsche Behörden wie das Bamf oder auch Gerichte haben an dieser Einschätzung nie einen Zweifel laut werden lassen. Die „Schutzquote“ eritreischer Flüchtlingen beträgt daher mehr als neunzig Prozent und ist damit so hoch wie sonst nur bei Flüchtlingen aus Syrien. Wenn mehrere europäische Diplomaten nun zu einer substantiell anderen Einschätzung der Menschenrechtslage kommen als die UN-Kommission, dann stellt sich nicht nur die Frage nach der Glaubwürdigkeit der UN beziehungsweise ihrer Quellen. Implizit wird auch dem Flüchtlingsstatus vieler Eritreer die Grundlage entzogen. Auch diese Weiterung dürfte den Diplomaten bewusst sein.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Trauer um Giscard d'Estaing Video-Seite öffnen

          Helmut Schmidts Weggefährte : Trauer um Giscard d'Estaing

          Er war ein Weggefährte von Ex-Kanzler Helmut Schmidt und ein überzeugter Europäer: Nun ist der frühere französische Präsident Valéry Giscard d'Estaing im Alter von 94 Jahren nach Herzproblemen an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben, wie seine Familie mitteilte.

          Shuttle nach Schönefeld

          FAZ Plus Artikel: Die DDR und ihr Flughafen : Shuttle nach Schönefeld

          Nach der Wiedervereinigung der deutschen Hauptstadt Berlin werde man mit dem Helikopter von Tempelhof nach Schönefeld fliegen und von dort in die Welt – dachte man sich 1956 in der DDR. Nun ist es etwas, aber nicht ganz anders gekommen. Ein Essay.

          Topmeldungen

          Wachstumsgeschichte: Die Eschborner „Skyline“ entstand nach dem neuen Rathaus und der „kleinen Ortsumgehung“ Rödelheimer Straße.

          Eschborn : Vom „armen Kaff“ zur Boomtown

          Ein Trip durch Amerika war der Ausgangspunkt für den Aufstieg des kleinen Frankfurter Nachbarn Eschborn. Ein Mann hat maßgeblich dafür gesorgt, dass aus einem Dorf eine wohlhabende Kommune geworden ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.