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Meinungsfreiheit China : Ein Sturm millionenfacher Empörung

Durch den Tod des Mediziners Li Wenliang wächst die Wut der Chinesen. Es wird mehr Meinungsfreiheit gefordert. Bild: AP

Durch den Tod des Mediziner Li Wenliang wächst die Wut vieler Chinesen. Immer lauter wird mehr Transparenz gefordert – nicht nur was das Coronavirus betrifft.

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          Kurz nach Mitternacht schwappte der Ruf nach Meinungsfreiheit durch das chinesische Internet. Rasend schnell verbreiteten sich in der Nacht zum Freitag Botschaften mit dem Hashtag „Wir wollen Redefreiheit“. Dazu verschickte jemand ein Foto mit der Aufschrift „Die Medien hätten den Regierten dienen müssen und nicht den Regenten“. Gemeint war die Berichterstattung der Staatsmedien über die Epidemie des Coronavirus. Es dauerte nicht lange, bis die Zensoren den Freiheits-Hashtag blockiert hatten. Doch gegen das enorme Ausmaß an Wut, Trotz und Trauer, das sich den ganzen Tag über in den sozialen Netzwerken Bahn brach, schienen sie machtlos.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Ausgelöst worden war der Sturm durch den Tod des 34 Jahre alten Wuhaner Mediziners Li Wenliang. Er war schon vorher zum politischen Symbol geworden, weil er Ende Dezember in einem Chat mit befreundeten Ärzten frühzeitig auf die Gefahren des neuartigen Coronavirus hingewiesen hatte, dem er nun selbst zum Opfer gefallen ist. Statt seine Warnungen ernst zu nehmen, hatte die Wuhaner Polizei ihm den Mund verboten. Das schriftliche Polizeiprotokoll des Verhörs hatte Li Wenliang im Internet veröffentlicht. Darin finden sich Sätze wie dieser: „Wenn Sie weiterhin stur darauf beharren, ihre Meinung aufrechtzuerhalten, ohne Buße zu tun, und weiterhin illegal handeln, werden Sie gerichtlich bestraft werden. Haben Sie das verstanden?“

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