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Ukraine-Krieg : Geber versprechen Ukraine mehr Waffen

Australien will der Ukraine Panzerfahrzeuge vom Typ Bushmaster liefern Bild: dpa

Zum zweiten Mal organisierte London eine Waffensteller-Konferenz zugunsten der Ukraine. Nun sollen auch Systeme für „Gegenoffensiven“ geliefert werden.

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          Wladimir Putin sei „ein Mann in einem selbstgebauten Käfig“, sagte der britische Verteidigungsminister Ben Wallace am Freitag. Mit einer erschöpften Armee und nach hohen militärischen Verlusten habe der russische Präsident „nicht mehr die Kraft, die er einmal hatte“. Wallaces markige Worte folgten der Ankündigung, dass London zusammen mit 34 anderen Hauptstädten neue Waffensysteme in die Ukraine liefern wird, darunter Artillerie mit großer Reichweite und gepanzerte Fahrzeuge.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Es war das zweite Mal seit Kriegsbeginn, dass Großbritannien eine Art Waffensteller-Konferenz zugunsten der Ukraine organisiert hatte. Zu den Lieferungen sollen Luft- und Schiffabwehrraketen gehören. Großbritannien werde „Kamikaze-Drohnen“ liefern („loitering munition“). Admiral Tony Radakin, der britische Chief of Defence Staff, hatte die Regierung schon am Mittwoch darüber unterrichtet, dass sich der Konflikt in einen „eher traditionellen Krieg“ entwickele, seit die ukrainische Armee nicht mehr nur Angriffe Russlands abwehre sondern Gelände zurückgewinne und halten müsse. Dies verlange Veränderungen bei der Unterstützung und leite eine „neue Phase“ ein.

          Malcolm Chalmers, ein Fachmann vom Royal United Services Institute in London, bezeichnete die Waffensysteme als „besonders nützlich für Gegenoffensiven“ gegen Truppen, die sich zurückzögen. Die Entscheidung sei „quantitativ wie qualitativ bedeutend“. Er warnte, dass der Konflikt zunehmend zu einem Zermürbungskrieg werden könnte, in dem es beiden Seiten an Waffen und Munition fehle. Johnson soll seinem Kabinett gesagt haben, dass er in naher Zukunft keine Verhandlungslösung erwarte. Vielmehr fürchte er, dass Putin versuchen werde, „mit dem Messer in der Wunde zu stochern“. Er werde „weniger berechenbar werden und rachsüchtiger“.

          Abermals wurden Stimmen im Londoner Regierungsviertel laut, die Verbündeten mangelnde Härte vorhielten. Nicht nur in Berlin und Paris, auch in Washington werde „übereifrig“ nach einer schnellen Verhandlungslösung gesucht, hieß es. Auch der F.A.Z. gegenüber wurde diese Sorge von einem Regierungsvertreter bestätigt. In London sieht man sich als treuester Verbündeter der Ukraine, der dort das „meiste Vertrauen“ genieße. Als Bestätigung wurde ein Interview des „Economist“ aufgefasst, in dem der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyi unlängst die Haltung Johnsons als „beispielhaft“ lobte und Frankreich und Deutschland kritisierte. Während London die Niederlage Moskaus wolle, versuchten Paris und Berlin einen „Balance-Akt“, sagte er.

          Auch bei den Sanktionen sieht sich London inzwischen in einer internationalen Führungsrolle. Außenministerin Liz Truss stellte am Donnerstag weitere Maßnahmen vor, die sich gegen russische Medien und deren Repräsentanten richten. Damit erhöhte sich die Zahl der sanktionierten Russen auf 817. Die EU hätten dagegen 680 und Washington 470 Personen mit Sanktionen belegt, sagte ein Regierungsvertreter.

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