Gastbeitrag zu Atomwaffen :
Das dritte Nuklearzeitalter

Von Karl-Heinz Kamp
Lesezeit: 14 Min.
Sterben ohne Chance aufs Entkommen: 18.000 Meter hohe pilzförmige Rauchwolke über der Stadt Nagasaki
Die nukleare Weltordnung schien nach dem Ende des Kalten Krieges in einen relativ stabilen Zustand übergegangen zu sein. Doch dem ist nicht so. Der Schuldige an der neuerlichen Erschütterung ist klar: Russland. Ein Gastbeitrag.

Die Einteilung historischer Zeiträume in Epochen ist ein schwieriges Unterfangen, nicht zuletzt, weil sie von den Zeitgenossen nur selten als neue Zeitalter erkannt werden. Dass mit den Explosionen in Hiroshima und Nagasaki eine Ära beginnen sollte, in der Kernwaffen zu einer zentralen Machtwährung im Ost-West-Konflikt aufsteigen, hatte 1945 wohl kaum jemand geahnt. Stattdessen galten Kernwaffen bei den amerikanischen Militärs eher als eine vielfach verstärkte Artillerie, mit der sich „more bang for the buck“ – also mehr Zerstörung fürs Geld – erzielen lasse. Erst mit der Kuba-Krise im Jahr 1962 begriffen die Akteure in Washington und Moskau, dass der Einsatz von Atomwaffen das Ende der Menschheit bedeuten könnte. Die Logik der nuklearen Abschreckung nahm Gestalt an: Kein noch so großer Gewinn, den sich ein Aggressor erhoffen könnte, würde den unermesslichen Schaden ausgleichen können, der ihm durch die nukleare Vergeltung des Gegners zugefügt würde. In einem Atomkrieg könne es keine Sieger, sondern nur Verlierer geben.

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